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Frauenhaus mit neuem Konzept noch sicherer

Trägerverein übernimmt Vorreiterrolle in Baden-Württemberg – Zuschüsse für erfolgreiche Angebote gekürzt

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Ludwigsburg. Das Ludwigsburger Frauenhaus bietet Opfern häuslicher Gewalt eine sichere Zuflucht. Um sie vor Nachstellungen ihrer Peiniger notfalls selbst im Frauenhaus schützen zu können, hat der Trägerverein Frauen für Frauen 2014 in Kooperation mit dem Polizeipräsidium Ludwigsburg und mit finanzieller Unterstützung durch den Landkreis, die Stadt Ludwigsburg und das Land ein innovatives Schutzkonzept entwickelt und auch gleich umgesetzt.

Sollte es einem Verfolger tatsächlich gelingen, in das videoüberwachte Frauenhaus einzudringen, können sich die betroffenen Frauen und Kinder in einen sicher verschließbaren Schutzraum flüchten, wo sie über Notrufeinrichtungen die Polizei rufen können.

Nöte werden ernst genommen „Wir sind stolz, dass wir auch bei diesem Projekt, wie bereits öfters in der Vergangenheit, eine Vorreiterrolle im Land einnehmen können“, erklärt Adelheid Herrmann, Leiterin des vom Verein getragenen Beratungszentrums bei häuslicher Gewalt. „Die Frauen haben schon sehr positiv darauf reagiert, denn sie sehen, dass hier ihre Not wirklich ernst genommen wird.“

Schon seit 33 Jahren bietet der Verein Frauen für Frauen im Landkreis Ludwigsburg erfolgreich Beratung und Hilfen für Frauen und ihre Familien. Zu Beginn stand die Einrichtung eines Frauenhauses, im Laufe der Jahre erweiterte der Verein das Angebot stetig. Heute fungiert Frauen für Frauen als Träger von vier Fachberatungsstellen zu den Themen Essstörungen, finanzielle Notlagen, sexualisierte Gewalterfahrungen, Trennung und Scheidung sowie dem Beratungszentrum bei häuslicher Gewalt. Der Jahresbericht 2014 belegt, dass sämtliche Angebote unvermindert nötig sind und nachgefragt werden.

Trotzdem kämpfen Vorstand und Mitarbeiterinnen nach wie vor um die Finanzierung und den Erhalt dieser Angebote. „Die grundsätzliche Notwendigkeit der Arbeit und die hohe fachliche Qualität der Beratung werden zwar nicht mehr ernsthaft infrage gestellt, dies schlägt sich jedoch leider nach wie vor nicht in einer finanziellen Absicherung nieder“, bedauert die seit Jahrzehnten für die Finanzen zuständige Vorstandsfrau Margit Stark.

So wurden vom Kreistag bereits genehmigte Zuschüsse für die heilpädagogische Gruppenarbeit mit von häuslicher Gewalt betroffenen Kindern gekürzt, nachdem die bereitgestellten Haushaltsmittel im Vorjahr nicht komplett abgerufen wurden. „Das Projekt befand sich da noch in der Aufbauphase, inzwischen haben wir unser Angebot auf drei Altersstufen erweitert. Wir wurden von der Mittelkürzung völlig überrascht und mussten diese erhebliche Finanzierungslücke aus Eigenmitteln decken“, so Margit Stark. Ziel des Vereins ist es, im Jahr 2016 wieder die ursprünglich zugesicherten Zuschüsse zu erhalten.

Wegen der fehlenden finanziellen Absicherung ist der Vereinsvorstand zudem gezwungen, die Beratung für Frauen in finanzieller Notlage ab September einzustellen. Trotz großer Nachfrage kann nach der dreijährigen Förderphase die Anschlussfinanzierung nicht sichergestellt werden.

Hoffen auf Unterstützung

Auch die Zuschüsse für die Beratung für sexualisierte Gewalterfahrung wurden 2015 bereits um 20 Prozent gekürzt und decken nur noch einen Stellenumfang von 30 Prozent ab. „Wir gehen auf Gemeinderat und Stadtverwaltung zu und werden eine Aufstockung des Personalkostenzuschusses für 2016 beantragen“, so Margit Stark. „Es sollte nicht hingenommen werden, dass, während in Berlin an runden Tischen über den Aufbau von Beratungsstellen für Missbrauchsopfer diskutiert wird, in Ludwigsburg ein etabliertes Angebot Kürzungen zum Opfer fällt.“