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Freiberg soll neues Wehr erhalten

Die Wehranlage Beihingen soll durch einen kompletten Neubau ersetzt werden. Dies kündigte das Amt für Neckarausbau im Freiberger Gemeinderat an. Der Baubeginn ist für das Jahr 2023 geplant und soll rund fünf Jahre dauern.

Die alte Wehranlage in Freiberg ist über 100 Jahre alt und entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen an solche Bauwerke.
Die alte Wehranlage in Freiberg ist über 100 Jahre alt und entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen an solche Bauwerke.
So soll die neue Wehranlage einmal aussehen. Grafik: Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung
So soll die neue Wehranlage einmal aussehen. Foto: Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung

Freiberg. Die Beihinger Wehranlage ist in die Jahre gekommen. „Sie steht in der Dringlichkeit zur Erneuerung bei uns ganz oben“, sagt Dr. Andreas Rathgeb, als er im Freiberger Gemeinderat die Pläne des Amtes für Neckarausbau vorstellt. „Hier ist es fünf vor zwölf.“ Das Verkehrsministerium habe die Anweisung gegeben, „hier Gas zu geben“. Denn das über 100 Jahre alte Bauwerk entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen an eine solche Stauanlage. Vor allem der Beton werde zunehmend porös, die Reparaturen häufiger. „Wir müssen da handeln“, sagt der Planer. Man wisse nicht, wie lange das Wehr noch halte.

Deshalb plant das Amt ein neues Wehr, das rund 50 Meter neben dem bestehenden Bauwerk im Oberwasser errichtet werden soll. Am Ende der Baumaßnahme, voraussichtlich im Jahr 2028, wird die alte Vorrichtung zurückgebaut. Die neue Anlage wird als sogenanntes dreifeldriges Schlauchwehr mit jeweils 23,5 Meter Breite und etwa 4,6 Meter Verschlusshöhe errichtet. Diese seien sehr betriebssicher, wartungsfreundlich und kostengünstig. Die Umbauarbeiten werden auf der Südseite auch den Hochwasserdamm im Bereich des Betriebsgeländes der Firma LGI betreffen. Dort wird eine Zufahrt zum Wehr entstehen. Dies wurde bereits beim Verkauf des Geländes durch die Stadt Freiberg berücksichtigt.

„Der Hochwasserschutz wird durch die Maßnahme verbessert und auch während der Bauphase durch eine Spundwand aufrechterhalten“, beugte Rathgeb eventuellen Sorgen der Anwohner vor.

Zwischen der Wehranlage und dem Hochwasserdamm wird eine Fischaufstiegsanlage mit rund 205 Metern Länge errichtet. Diese sei notwendig, um es den Tieren zu ermöglichen, die Wehranlage zu überwinden. Eine Restwasseranlage zur Erzeugung von Strom kann im Bereich der Wehranlage und des Fischaufstiegs noch nachgerüstet werden. Hierzu ist die Stadt Freiberg derzeit im Gespräch mit der Wasserstraßenverwaltung. Auf der Nordseite der Wehranlage sind ebenso bauliche Veränderungen notwendig. Hier wird ein neues Betriebsgebäude entstehen. Für die Baumaßnahme selbst wird eine Baustellenzufahrt von der Landesstraße 1129 notwendig sein.

Rathgeb verwies darauf, dass es zu erheblichen Lärmbelästigungen während der Bauphase kommen könne, da sowohl Bohr-, Spund- und Abrissarbeiten vorgenommen werden müssten. Hierfür wurde ein eigenes Lärmgutachten erstellt, um die Belastungen möglichst gering zu halten. Ein eigenes Konzept werde noch erstellt. Auch könne es dabei zu Erschütterungen kommen, die ebenfalls möglichst gering gehalten werden sollen.

Die Baumaterialien werden über eine eigene Straße transportiert. Es wird erwartet, dass maximal 65 Lkw pro Tag oder acht pro Stunde über diese Zufahrt fahren werden, was bei Freibergs Bürgermeister Dirk Schaible einige Sorgenfalten hervorrief. „Wir hoffen, dass dies noch verringert werden kann“, appellierte der Schultes an die Betreiber. „Denn unsere Straßen sind durch den Neubau der Oscar-Paret-Schule schon hoch belastet.“ Vielleicht könnten die Baustoffe stärker über den Wasserweg transportiert werden. Für sechs bis acht Wochen müsste auch der Uferweg in dem Gebiet gesperrt werden, für zwei bis drei Wochen die Murrer Straße.

Das neue Wehr und der geplante Fischaufstieg hätten eine hohe ökologische Funktion. An anderen Stellen, wie etwa in Cochem oder Lauffen, würden solche Vorrichtungen von den Tieren gut angenommen. Weitere Eingriffe in die Ökologie würden auf das Nötigste beschränkt und Ersatzlebensraum etwa für Eidechsen geschaffen.

Noch in diesem Jahr soll das Planfeststellungsverfahren beginnen und der Bauauftrag vergeben werden. Anfang 2023 soll mit dem Bau begonnen werden. Bis etwa 2028 könne das neue Wehr dann in Betrieb gehen.

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