Logo

Freie Wähler über den ÖPNV

Bürgerdialog bei den Ludwigsburger Verkehrslinien zum Nahverkehr

Ludwigsburg. Man muss nicht auf ein System mit langen BRT-Bussen warten, um den Personennahverkehr zumindest im Stadtgebiet kurzfristig weiter zu verbessern. Diese Auffassung vertrat Frank Metzger, Betriebsleiter der LVL (Ludwigsburger Verkehrslinien), bei einer Veranstaltung der Freien Wähler. Diese hatten zu einem Bürgerdialog bei der LVL eingeladen, mit Besichtigung des Betriebshofes der Firma Jäger an der Hermann-Hagenmeyer-Straße.

„BRT bedeutet beschleunigter Bus, und der muss nicht 20 Meter lang sein. Jeder Bus, der auf unserem Hof steht, könnte das schon leisten“, sagte Metzger. „Schon Stand heute könnten wir das System beschleunigen“, fügte er hinzu. Voraussetzung wäre allerdings eine Fülle begleitender Maßnahmen, wie zum Beispiel Ampelschaltungen, die den Bussen Vorrang vor dem Individualverkehr gewähren, oder eigene Busspuren. Auch das Streichen von Parkplätzen auf der Fahrbahn, die Busfahrer ausbremsen, könnte ein weiterer Baustein sein. Die Busse der LVL verfügten über die Technik, die Ampelschaltung zu beeinflussen. Bisher sind jedoch nur wenige Ampeln umgerüstet.

„Zum BRT selbst kann ich wenig sagen, außer dass es sich um ein Gesamtkonzept handeln soll“, wies LVL-Geschäftsführerin Carry Buchholz darauf hin, dass ihr Unternehmen nicht in die Planungen einbezogen sei. Ihr sei auch noch nicht bekannt, was im Vergabeverfahren für den Busverkehr ab 2020 stehe, das jetzt beginne.

Zum Hintergrund: Anders als in der Vergangenheit, muss der Landkreis Leistungen der öffentlichen Personenbeförderung europaweit ausschreiben. Auf dieser Basis wird entschieden, welches Unternehmen ab dem Jahr 2020 diese Aufgabe übernehmen wird. „Der Wettbewerb ist extrem gefährlich für uns“, so Buchholz. „Wenn ein Konkurrent die Ausschreibung gewinnt, kann es durchaus sein, dass wir ab dem Jahr 2020 nicht mehr existieren.“

Ganzheitliches Konzept

Aktuell sind für die LVL 80 Busse in Ludwigsburg, Kornwestheim und Asperg sowie bis nach Waiblingen unterwegs. Bei 165 der 190 Mitarbeiter handelt es sich um Fahrer. Jochen Zeltwanger, Vorsitzender der Freien Wähler Ludwigsburg, hatte zuvor darauf hingewiesen, dass es sich bei der BRT-Lösung um ein ganzheitliches Konzept handeln soll.

Das unterstrich auch FW-Stadtrat Andreas Rothacker, der dem Ausschuss für Bauen, Umwelt und Technik des Gemeinderats angehört. Dass der LVL nicht an den Beratungen über das BRT-Bussystem gehört werde, habe einen einfachen Grund: „Der LVL dürfte sonst nicht mehr an der Ausschreibung teilnehmen.“ Außerdem sei die Stadt Ludwigsburg dabei, Ampelanlagen so umzurüsten, dass Busse Grünphasen anfordern könnten.

Abriss von Häusern?

„Welche Häuser müssen für die BRT-Trasse abgerissen werden?“, lautete eine der Fragen, die in dem Einladungsschreiben abgedruckt waren. Dieses Thema wurde nur vage behandelt. Man müsse sich überlegen, welche Häuser im Weg stehen, wenn die Trasse mitten durch Oßweil führe, so Zeltwanger. Diese Routenführung über Schorndorfer und Friedenstraße ist eine der Planungsvarianten.

Ein weiteres Thema war die Situation der Haltestellen am Ortseingang in Neckarweihingen, an der eine Teilnehmerin des Bürgerdialogs heftige Kritik übte. Der Bereich an der Hauptstraße mit den beiden gegenüberliegenden Haltestellen sei sehr gefährlich.

„Auf die Haltestellen haben wir keinen Einfluss“, sagte Frank Metzger. Allerdings wolle die Stadtverwaltung bis zum Jahr 2022 alle Haltestellen behindertengerecht gestalten.