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Freudental: Opfer stellt im Landgericht die Spiritus-Szene nach

Frau soll ihren Freund angezündet haben – Sie schildert ihr Leben, er die Tat

Der Fall der Freudentalerin wird vor dem Landgericht Heilbronn verhandelt.
Der Fall der Freudentalerin wird vor dem Landgericht Heilbronn verhandelt.

Freudental/Heilbronn. Wenn die Geschichte nicht so schrecklich wäre, könnte man sich in eine dieser Gerichtsserien des Privatfernsehens versetzt fühlen: Eine 41-jährige Frau aus Freudental ist angeklagt, ihren 52-jährigen Freund mit Spiritus übergossen und mit einem Feuerzeug angezündet zu haben. Davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. So schilderte es in deftigem Schwäbisch auch das Opfer; im Großen Saal des Landgerichts Heilbronn spielten sich am Donnerstag tragische und fast komische Szenen ab.

Die Darstellung der Angeklagten, einer kleinen, zierlichen Frau mit schulterlangen braunen Haaren, liest sich offenbar anders. Am zweiten Verhandlungstag allerdings wollte sie noch keine Angaben dazu machen, was sich in der Nacht Ende Oktober vergangenen Jahres in ihrem Wohnzimmer zugetragen hat. Nur über ihr Leben wollte sie sprechen: Aufgewachsen im Allgäu, die Mutter Krankenschwester, der Vater Lkw-Fahrer und alkoholkrank, der ältere, inzwischen verstorbene Bruder heroinabhängig, der neue Freund der Mutter ein Schläger. „Es war eine gute Kindheit!“, sagt die Angeklagte ohne jede Ironie. Auf einen guten Hauptschulabschluss folgt eine Schreinerlehre und mit 19 der Umzug nach Stuttgart, Jobs in verschiedenen Branchen, eine langjährige Beziehung („Das war meine große Liebe“), auch er heroinsüchtig wie der Bruder. Aus einer Kurzbeziehung stammt der heute dreijährige Sohn, der bei einer Pflegefamilie lebt.

Borderline-Syndrom diagnostiziert

Als sie knapp 30 ist, diagnostiziert ein Arzt ein Borderline-Syndrom. Wie sich das äußere? Sie sei halt oft traurig. Auch impulsiv? Ja, auch impulsiv; eine Ohrfeige brachte ihr eine Verurteilung ein. Geritzt – typisch für Borderline – habe sie sich nie.

Die Frage nach dem eigenen Drogenkonsum ist schwerer zu beantworten. War es eine halbe oder eine ganze Flasche Whisky am Tag? Vielleicht auch Jägermeister? „Was halt da war“, sagt die Angeklagte. Unklar bleibt auch die Menge anderer Drogen: THC, Amphetamine, Joints. Nach dem Tod des Vaters unternahm die damals 24-Jährige einen Suizidversuch, der aufhorchen lässt: Sie überschüttete sich mit Spiritus und zündete sich an. Mit Verbrennungen dritten Grades lag sie einen Monat im Krankenhaus. Das Gleiche soll sie ihrem Freund angetan haben.

Genau so sei das gewesen, sagte der 52-Jährige als Zeuge. Er soll an Alkoholdemenz leiden und wurde von seinem Betreuer begleitet. „Herr Richter, woisch“, schilderte er den Abend, „da komm’sch hoim, freu’sch dich auf die Frau und dann tickt se aus.“ Eine halbe Flasche Spiritus – gekauft für einen Grillabend – habe sie über ihn geleert und ein Feuerzeug dran gehalten. Mit dem rechtsmedizinischen Sachverständigen spielt er die Szene nach.

Brennendes T-Shirt vom Leib gerissen

In der Küche habe er sich das brennende T-Shirt vom Leib gerissen und sei nach Hause gegangen. Erst drei Tage später rief seine entsetzte Schwester einen Krankenwagen. Der Notarzt stellte Verbrennungen zweiten und dritten Grades fest. Drei Hauttransplantationen waren nötig; noch heute schmerzten die Narben. Ob der Herr Richter das vielleicht mal sehen wolle? Er ziehe sich auch gern aus, erbot sich der Zeuge und schilderte weitere Szenen einer Beziehung, die bis auf „bissle rumknutschen“ rein freundschaftlich war, wenn auch nicht gewaltlos. Ob es sein könnte, dass er sich beim Zigarette-Anzünden aus Versehen selbst in Brand gesteckt habe, gab die Beisitzende Richterin zu bedenken. Nein, das könne nicht sein, beteuerte der Zeuge, denn „des isch wirklich koin Schbass!“ Der Prozess wird am Montag, 16. Mai, fortgesetzt.

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