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Freundschaft geht auch durch den Magen

Die meisten Schüler freuen sich über die Lernpause in den Sommerferien. Doch die syrische Flüchtlingsfamilie Salem-Hamad möchte auch in dieser Zeit nicht aufs Lernen verzichten. Solange die beiden Mädchen Rimas und Rital im Kindergarten sind, absolvieren die Eltern Jehad Salem und Tamam Hamad weiterhin in Begleitung von Baby Anfal ihren Deutschunterricht, den ihnen Mitglieder des Freundeskreises Asyl erteilen.

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Die Freundschaften im Ort vertiefen sich: die Familie Salem-Hamad in Ottmarsheim. Auf dem Bild fehlt Rital, die auch nachmittags nicht auf den Kindergartenbesuch verzichten wollte. Foto: Foto: Oliver Bürkle
Ludwigsburg. Auch der 13-jährige Osama, der jüngere Bruder des Familienvaters, nutzt die schulfreie Zeit zum Pauken. „Ich habe jeden Vormittag zwei Stunden Unterricht bei Elke Trefzer, sie lernt mit mir Deutsch und Mathe“, freut sich der Junge über die engagierte Unterstützung einer pensionierten Grund- und Hauptschullehrerin. „Es ist mir wichtig, schnell Deutsch und die anderen Fächer zu lernen.“ Nach den Ferien wird er die Friedrich-Schelling-Schule in Besigheim besuchen, darauf freut er sich schon jetzt. Tatsächlich hat er im vergangenen halben Jahr rasante Fortschritte gemacht. Er versteht fast alles und spricht auch selbst bereits erstaunlich gut Deutsch.

Auch die beiden Mädchen machen große Fortschritte. Dabei schnappen sie natürlich viel von ihren Spielkameraden auf. Als Rimas bei der Mutter ihren Willen nicht durchsetzen kann, mault sie in Umgangssprache: „Ach Manne!“

Neben Unterricht und Sprachförderung lernt die Familie natürlich auch viel durch die ganz alltäglichen Gespräche mit Mitgliedern des Freundeskreises und anderen Ottmarsheimer Bürgern. Ob beim Einkauf oder beim Warten auf den Bus beim Brunnen wird die Familie, die mittlerweile in Ottmarsheim weithin bekannt ist, begrüßt und nach ihrem Wohlbefinden gefragt.

Doch es bleibt nicht nur bei oberflächlichem Smalltalk, Freundschaften vertiefen sich. Und das hilft der Familie sehr, sich in der Fremde wohl zu fühlen. „Ich war jetzt mit anderen Frauen im Backhaus“, freut sich Tamam Hamad über die Teilnahme. Sie muss kurz überlegen, was gebacken wurde: „Salzkuchen“, fällt ihr das Wort ein. Den habe sie bislang nicht gekannt, doch er habe sehr gut geschmeckt.

Und so wie die syrische Familie in schwäbische Genüsse eingeweiht wird, bringt Tamam Hamad den Einheimischen die syrische Küche näher. Während des Fastenmonats Ramadan, wenn gläubige Muslime erst nach Einbruch der Dunkelheit essen und trinken dürfen, sind abends öfters deutsche Freunde zum ausgiebigen Essen gekommen. Schaf-Kebab, Bulgursalat oder Kabsa, ein Eintopf aus Reis, Huhn und Gemüse, schmeckten auch den deutschen Freunden sehr gut, erzählt das Ehepaar. Für den Salat werden die Zutaten ganz fein geschnitten – große Tomaten- oder Gurkenstücke und Salatblätter tauchen in der syrischen Salatschüssel nicht auf. In der arabischen Küche finden frische Kräuter wie Petersilie, Koriander und Minze häufige Verwendung. Was in Ottmarsheim nicht erhältlich ist, bringt Jehad Salem aus dem türkischen Laden in Kirchheim mit. Auch von einem typischen Frühstück erzählen die Syrer. Im Alltag, wenn es morgens schnell gehen muss, gibt es Brot mit Marmelade. Doch zum ausführlichen Ferienfrühstück kommen Falafel und Humus, Fladenbrot und Oliven auf den Tisch. Dazu gibt es Tee, das beliebteste Getränk im Orient.