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Fruchtige Weißweine im Trend

Wengerter im Landkreis reagieren sehr behutsam mit dem Anbau von neuen Weißweinsorten

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Foto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Weinfreunde in Deutschland trinken immer noch einen Ticken mehr Rot. Aber der Trend geht eindeutig zum Weißwein, stellt das Deutsche Weininstitut fest. In Zahlen heißt das: Während der Rosé mit neun Prozent sehr stabil ist, lag der Konsum von Rotwein bei 47 Prozent, der von Weißwein bei 46 Prozent. In Württemberg ist das allerdings ganz anders.

Insgesamt bauten deutsche Winzer im vergangenen Jahr Keltertrauben auf 103180 Hektar an, das waren 994 Hektar oder ein Prozent mehr als 2009, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Auch hier wird der Trend zum Weißwein deutlich. Er erfreut sich wachsender Beliebtheit. Die Anbauflächen nahmen von 2009 bis 2020 um 4057 Hektar (6,2 Prozent) auf 69418 Hektar zu. Zuwächse gab es insbesondere beim Grauen Burgunder (Ruländer), Weißen Burgunder und beim Riesling. Zudem sind international bedeutende Rebsorten wie Sauvignon blanc, der ursprünglich aus dem Loiretal stammt, weiter verbreitet.

Bei den roten Rebsorten verringerte sich die Anbaufläche in den letzten elf Jahren dagegen um 3063 Hektar oder 8,3 Prozent auf 33762 Hektar. Besonders stark fiel der Rückgang beim Blauen Portugieser, bei Schwarzriesling und Dornfelder aus. Zugleich sind international bedeutende Rebsorten auf dem Vormarsch wie Merlot und Cabernet Sauvignon, die ursprünglich aus dem Südwesten Frankreichs stammen.

Die zunehmend frühere Blüte in Deutschland lasse dem Wachstum der Reben mehr Zeit und die Beeren früher reifen, erläuterte das Statistische Bundesamt. Die Sorten würden daher auch in Deutschland mancherorts vollständig reif. Vom Deutschen Weininstitut ist zu erfahren, dass Weinfreunde mehr zu den weißen Sorten greifen, weil Weißwein frischer ist und zur modernen und gesundheitsbewussten Ernährung mit leichter und zunehmend vegetarischer Küche passt.

Zwar ist Riesling immer noch die wichtigste Rebsorte, aber es werden kontinuierliche Zuwächse bei Weiß- und Grauburgunder sowie Chardonnay verzeichnet.Ein heimlicher Trend ist Sauvignon blanc. Den gab es früher nur aus Ländern wie Neuseeland. Inzwischen ist der Anbau in Deutschland auf mehr als 1100 Hektar angestiegen.

Warum ist Burgunder plötzlich so beliebt? „Das hängt mit den Rotweinwechslern zusammen, die weniger Säure vorziehen“, erklärt Ernst Büscher vom Deutschen Weininsitut. Burgunder sind säuremilde im Vergleich etwa mit dem Riesling. Zudem sind sie schöne Essensbegleiter für Fisch, Pasta und Gerichte mit hellen Soßen. Es gibt auch im Barriquefass gereifte Grauburgunder, die hervorragend zu Wild passen. Büscher: „Weißwein ist leicht, elegant und nicht so überladen von Alkohol.“

Joachim Kölz, Vorstandsvorsitzender der Felgartenkellerei Besigheim, kann diesen Trend bestätigen. „Wir sehen im Verkauf, dass die Nachfrage nach Weißweinen steigt“, sagt er. „Wir versuchen, uns anzupassen.“ Wer seinen Weinberg mit neuen Reben bestocken wolle, bekomme Rebempfehlungen. Bei Weißwein favorisiere die Felsengartenkellerei den Riesling, graue und weiße Burgundersorten und – auch für Steillagen – Chardonnay. Außerdem habe Kellermeister Sebastian Häußer pilzresistente Neuzüchtungen im Auge.

In der Lembergerland-Kellerei Roßwag werde man sich der neuen Marktlage anpassen, sagt Vorstandsvorsitzender Peter Allmendinger. Allerdings nicht im Hauruckverfahren. Mitglieder würden künftig verstärkt Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon blanc, aber auch Muskatellersorten anbauen. „Das wächst allerdings langsam. In vier, fünf Jahren wird das spürbar“, betont Allmendinger. Klar sei jetzt schon, dass Weißwein in Literflaschen schon nicht mehr gefragt ist. Der Verbraucher wolle höherwertige Weine.

Auch Dr. Bernd Kost, geschäftsführender Vorstand der Weingärtner Stromberg-Zabergäu in Brackenheim/Bönnigheim, sieht die Veränderungen des Marktes. Wer jetzt Entscheidungen treffe, spüre die erst in 25 bis 30 Jahren. Kost sieht aktuell eher den Trend zu widerstandfähigen Rebsorten. Letzlich aber entschieden die Wengerter selbst. Uwe Ziegler, den Geschäftsführer der Bottwartaler Winzer, überrascht der Weißweintrend nicht: „Wenn seit Jahren der Weißwein ausverkauft ist, müssen wir reagieren“, sagt er. Die Kellerei empfehle ihren Mitgliedern beim Wechsel der Reben statt roter weiße Sorten wie Grau- und Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon blanc anzupflanzen.

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