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Fünf Bläser für den guten Zweck

Das Littmann Quintett musiziert in der Alexanderkirche in Marbach und verzichtet für den guten Zweck auf sein Honorar. Foto: Holm Wolschendorf
Das Littmann Quintett musiziert in der Alexanderkirche in Marbach und verzichtet für den guten Zweck auf sein Honorar. Foto: Holm Wolschendorf
Auftritt des Littmann Quintetts zugunsten des Förderkreises der Musikschule Marbach-Bottwartal begeistert Besucher

Marbach. Keine Sekunde hätten ihre Mitstreiter vom Littmann Quintett gezögert, für ein Benefiz-Konzert zugunsten des Förderkreises der Musikschule Marbach-Bottwartal auf ihr Honorar zu verzichten, freute sich die Hornistin Susanne Wichmann in der Alexanderkirche am frühen Samstagabend, Sie gehört dem 2005 aus den Reihen des Staatsorchesters Stuttgart hervorgegangenen Bläserquintett als Gründungsmitglied an und ist Vorsitzende des vor einem Jahr gegründeten Fördervereins.

„Denn auch wir fünf Musiker haben einmal im Grundschulalter in einer Musikschule ganz klein angefangen“, sagte Wichmann und unterstrich die Rolle der Musikschulen: „Natürlich hatten wir nicht immer Lust zu üben, aber wir hatten Lehrer, die uns motiviert und Menschen, die uns gefördert haben. Wir sind dankbar für die Unterstützung, die wir als Kinder und Jugendliche erfahren haben – ohne die geht es nicht.“ Deshalb setze sich der Förderverein der Musikschule Marbach-Bottwartal, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, auf vielen Ebenen für deren Arbeit ein, etwa in der Förderung besonders begabter Schülerinnen und Schüler, aber auch für die kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen aus wirtschaftlich schwachen Verhältnissen.

140 Zuhörer in der Alexanderkirche

Mit 140 Zuhörern gut besucht präsentierte sich das stolze spätgotische Kirchenschiff, als sich das Littmann Quintett vor dem Altarraum im Halbrund aufstellte und – von Stefano Vismara am Klavier begleitet – Albert Roussels „Divertissement für Bläserquintett und Klavier“ (Op. 6) anstimmte. Dem Auftakt in flirrend irisierenden Bläserfarben folgten spätromantische Dialoge der Instrumente, die stellenweise auch an Tschaikowski erinnerten. In tadelloser Intonation und der Vortragsbezeichnung „animé“ (belebt) gerecht werdenden Gestaltung stellten Frank Bunselmeyer (Klarinette), Nathanaël Carré (Flöte), Nadine Bauer (Oboe), Christina Becker (Fagott) und Wichmann das 1906 entstandene, rhapsodisch zwischen pastoralem Idyll und dramatischeren Passagen pendelnde Werk vor.

Im Mittelpunkt des Stundenprogramms stand Claude Debussys von Gordon Davies für Bläserquintett eingerichtete „Petite Suite“ von 1889. Mit dem „En Bateau“ (Im Boot) überschrieben Kopfsatz taucht das Littmann Quintett in fließende Chromatik ein, Lichtbrechungen auf der Wasseroberfläche, von den vorbeiziehenden Gärten wehen verschiedene Tanzrhythmen herüber. Das Menuett gelingt in der Alexanderkirche so gut, dass ein Szenenapplaus die Satzfolge unterbricht. Ein tänzerisches Fugato zu Beginn des finalen „Ballet“, das eher eine Ensembleszene als einen Pas de deux malt.

Bläserquintett verweist auf seine Wurzeln

In zwei „Fantasien für Flöte solo“ von Georg Philipp Telemann erwies sich Nathanaël Carré als glanzvoller Solist – die drei kurzen Sätze der Fantasie Nr. 2 in a-Moll von der Orgelempore und tatsächlich ein wenig orgelartig „registriert“, die Nr. 6 in d-Moll im Altarraum –, während Frank Bunselmeyer in Ilse Fromm-Michaels‘ Soloklarinettenfassung von „Stimmungen eines Fauns“ (Op. 11) hervortrat.

Mit einem Allegretto aus Franz Danzis Op. 56 Nr. 2 verwies das Bläserquintett auf seine Wurzeln – Danzi war von 1807 bis 1812 Hofkapellmeister am Königlichen Hoftheater in Stuttgart. Zum Ausklang Vincent d’Indys „Sarabande et Minuet“ (Op. 24): in fahlen Farben die Sarabande, munter und markant das Menuett. Mit dem Debussy-Gegenspieler und Roussel-Lehrer schloss sich der impressionistische Kreis.