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Für eine Zukunft des Regenwalds

Yanesha-Stammesführer Pablo Hoyos und Estella Jimenez berichten am Ernst-Sigle-Gymnasium über sein Volk und den Regenwald in Peru. Fotos: Andreas Becker
Yanesha-Stammesführer Pablo Hoyos und Estella Jimenez berichten am Ernst-Sigle-Gymnasium über sein Volk und den Regenwald in Peru. Fotos: Andreas Becker
Weitgereister Besuch am Kornwestheimer Ernst-Sigle-Gymnasium. Fast 11000 Kilometer sind zwei Vertreter des Yanesha-Volkes aus dem westlichen Amazonien zu einer Deutschland-Tournee geflogen. Hier informieren sie über ihren Kampf für den Erhalt des Regenwalds.

Kornwestheim. Es handelt sich dabei um ein Projekt des Vereins Chance e.V., eine christliche Initiative für nachhaltige Entwicklung und Gerechtigkeit in Peru und Kenia. Deren Projekte sollen Menschen die Chance geben, ihre soziale und wirtschaftliche Entwicklung selbstbestimmt und verantwortungsbewusst zu gestalten, den Folgen kolonialer Ungerechtigkeit zu entkommen und die Natur zu bewahren.

„Der Regenwald ist am Kipppunkt“, sensibilisiert Jens Bergmann, Gründer des Vereins, die Achtklässler der Schule. Fast 50 Prozent des Regenwalds in Amazonien seien bereits zerstört. Viel fehle nicht mehr, dann falle auch die andere Hälfte und damit sei die grüne Lunge der Erde trocken. Schuld daran seien die Europäer. 1532 hätten die Spanier Besitz von Südamerika genommen, uralte Hochkulturen zerstört, Massenmorde begangen, Menschen versklavt und auch die Umwelt in maßloser Gier ausgebeutet.

Als sich Peru 1821 für unabhängig erklärt habe, seien weiße Kolonialisten von Millionären „eingeladen“ worden, auch die undurchdringlichen Urwälder urbar zu machen. Die meisten, die Land nahmen, kamen aus dem Rheinland und aus Südtirol. Und die verhielten sich wie ihre Vorgänger. „Die Ureinwohner galten damals nicht als Menschen“, erklärt Bergmann den Jugendlichen.

Pablo Hoyos ist Oberhaupt des Yanesha-Volkes, trägt Stammestracht und erzählt aus seiner Familiengeschichte: „Meine Großeltern lebten noch frei in riesigen Regenwäldern. Dort ging es ihnen sehr gut. Die Natur ernährte sie. Deshalb wurde sie von ihnen geschützt und geachtet.“ Eines Tages hätten auf einmal deutschstämmige Siedler vor ihnen gestanden und ihnen ein Stück Papier vor die Nase gehalten. Ein Blatt der Regierung, mit denen ihnen alles genommen wurde.

Unterdrückung und Diskriminierung hielten an. Als junger Mann sei er verschleppt und versklavt worden. Erschütternd ist die Lebensgeschichte des heute 60-Jährigen, der als indigener Rekrut in der Armee gequält wurde. Dann geriet er im bürgerkriegsähnlichen Drogenkrieg zwischen die Fronten der linken, peruanischen Rebellenorganisation „Leuchtender Pfad“ und den USA. 2018 hätten die letzten rund 40 überlebenden Yanesha-Dörfer mit etwa 10000 Einwohnern einen Dachverband gegründet. Er sei als „Kornesha“-Oberhaupt der Organisation gewählt worden. „Vielleicht ist das die letzte Chance, die unser Volk hat, nach so viel Leid doch noch zu überleben“, sagt er.

Seit 2019 begleitet der Verein Chance deren Arbeit. „Seitdem sehen wir zum ersten Mal seit Jahrzehnten Erfolge.“ Die Territorien der Yanesha würden vermessen, bevor sie auch noch verloren gingen. Das Territorium seines Dorfes Yuncullmaz wurde bereits vom Staat anerkannt. „Wir arbeiten so lange weiter, bis alle Dörfer gerettet sind.“

„Indigene Landrechte, Gerechtigkeit und Klimaschutz gehen Hand in Hand“, so Jens Bergmann. Die vom Aussterben bedrohten Yanesha hätten 99 Prozent – 500000 Hektar – ihres Siedlungsgebietes verloren. Heute überleben im Biosphärenreservat Oxapampa-Ashaninka-Yanesha weniger als 40 Dorfgemeinschaften und kämpften um ihr organisatorisches, territoriales, wirtschaftliches und kulturelles Überleben. Dabei seien sie ein zentraler Baustein zum Erhalt des Regenwaldes. Mehrere Dörfer seien mittlerweile vom Staat anerkannt worden. 2022 sollen die indigenen Territorien um 700 Hektar erweitert werden. Insgesamt konnten so bereits über 10000 Hektar Regenwald als Heimat von mehreren Hundert Yanesha-Familien gerettet werden.