Logo

„Für mich ist es der richtige Zeitpunkt“

Im Gespräch mit Bürgermeister Michael Ilk, der nicht wieder kandidiert – Er bleibt in Ludwigsburg, übernimmt aber ein Haus in der Oberlausitz

Gern unter Leuten: Michael Ilk bei einem Bürgergespräch. Archivfoto: Andreas Essig
Gern unter Leuten: Michael Ilk bei einem Bürgergespräch. Foto: Andreas Essig

Ludwigsburg. Seine Amtszeit dauert noch bis September, doch rechtzeitig vor der Ausschreibung der Bürgermeisterstelle im März hat Michael Ilk (57) angekündigt, dass er nicht wieder kandidiert. „Mir wird ein Mensch, den ich persönlich sehr schätzen gelernt habe, sehr fehlen. Das schmerzt sehr“, stellt Oberbürgermeister Matthias Knecht fest.

Herr Ilk, das ist ja eine Überraschung. Was hat Sie dazu bewegt?

Michael Ilk: Es ist für mich der richtige Zeitpunkt, noch etwas Neues anzufangen. Ich fliehe nicht oder gehe irgendwie verärgert, die Arbeit als Bürgermeister macht mir Spaß. Doch vom Alter her, noch steht eine Fünf vorne dran, passt es gut für mich und meine Familie.

Erst Baubürgermeister, dann Mobilitätsbürgermeister – fühlten Sie sich unterfordert? Immerhin gibt es jetzt vier Dezernate.

Nein, gewiss nicht. Die Sitzungen im Bauausschuss dauerten früher, bevor die Arbeit aufgeteilt wurde, oft bis nachts um 23 Uhr. Ich halte es deshalb für einen richtigen Schritt, dass die Dezernate aufgestockt worden sind und von vier Bürgermeistern geleitet werden. Die Verwaltung ist darauf abgestimmt worden. Ob diese Struktur mit vier Dezernaten künftig so beibehalten wird, muss der Oberbürgermeister entscheiden. Ich für meinen Teil sehe das als gute Grundlage für die kommende Arbeit an. Es gibt in Ludwigsburg eine Fülle von Aufgaben, die reizvoll, aber auch ausfüllend sind.

Bis September sind Sie noch im Amt, was werden Sie in dieser Zeit angehen?

Als nächstes werden wir den Radweg in der Robert-Franck-Allee angehen, der liegt mir sehr am Herzen. Er führt die Radfahrenden nach Fertigstellung direkt nach Grünbühl. Dort wird das Gebiet neu aufgesiedelt und neue Wohnungen entstehen. Da wird eine gute Anbindung benötigt.“ Eine etwas reduzierte Lösung für den Ausbau der Fahrradstraße in der Alleenstraße wollen wir demnächst dem Gemeinderat vorlegen. Ein ganz wichtiger Termin steht im Mai an, da geht es in Leipzig um das Fahrverbot. Wir werden die Luftfilter an den belasteten Straßenabschnitten aufstellen.

Bei ihrem Amtsantritt haben Sie bereits von einem Mobilitätskonzept gesprochen, das Ludwigsburg braucht. Wo stehen wir im Moment?

Wir waren an verschiedenen Stellen aktiv. Bei der Busbeschleunigung kommen wir jetzt gut voran, da haben wir unter dem früheren Oberbürgermeister durch den Streit mit dem Landrat viel Zeit verloren. Auch im Gemeinderat besteht jetzt größtenteils Einigkeit, die Bus-Rad-Trasse auszubauen. Das finde ich sehr erfreulich. Ein größeres Projekt war über die Jahre hinweg der Ausbau der Radwege, wobei auch der Radweg an der Marbacher Straße, auch wenn er sehr umstritten war, aus meiner Sicht sinnvoll ist. Kein Mensch wünscht sich dort noch eine vierspurige Straße zurück.

Wie sieht es mit der Stadtbahn aus?

Ich glaube kaum, dass ich das, würde ich eine zweite Amtszeit dranhängen, in der Funktion als Bürgermeister erleben würde. Aber immerhin geht es jetzt voran, ein Zweckverband ist gegründet. Als ersten Schritt erwarte ich die Reaktivierung der Strecke zwischen Markgröningen und Ludwigsburg. Darauf werde ich auch künftig als Kreisrat achten.

Sie werden also in Ludwigsburg weiterhin für die Freien Wähler im Kreistag politisch aktiv sein?

Ja, die Arbeit im Kreistag werde ich fortsetzen, die Stimmung bei den Freien Wählern ist gut, die Fraktionen arbeiten dort produktiv und in einer angenehmen Atmosphäre zusammen. Das werde ich nicht aufgeben.

Ein anderes Stichwort bei Ihrem Amtsantritt war, dass Sie sich für die Umgestaltung des Schillerplatzes und den Arsenalplatzes einsetzen wollten.

Die Auftaktveranstaltung in der Musikhalle war zu Beginn meiner Zeit in Ludwigsburg eine meiner ersten größeren Veranstaltungen. Da herrschte richtig Aufbruchstimmung, etwas zu verändern und zu bewegen. Ich erinnere mich gern daran. Die Innenstadtentwicklung (Anm. d. Red: ZIEL-Projekt) ist jedoch etwas ins Stocken geraten, im Gemeinderat fand man lange keinen Konsens, wie es vor allem in der Frage der Parkplätze weitergehen soll. Doch für mich war das Thema eines der Arbeitsschwerpunkte, die für die Stadt zentral sind. Seit der Umstrukturierung der Verwaltung ist die Aufgabe jedoch beim vierten Dezernat bei der Baubürgermeisterin angesiedelt.

Sie gelten als Kommunikationstalent, als einer, der den Ausgleich sucht. Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen Verwaltung, Gemeinderat und Bürgern?

Es ist berechtigt, dass die Fraktionen im Gemeinderat für ihre Interessen eintreten. Als Bürgermeister muss man da manche Diskussion aushalten können, Bürgermeister müssen aber auch manch harte Kritik einstecken können. Trotzdem, das alles gehört dazu, insgesamt hat sich die Situation im Verhältnis von Verwaltung und Gemeinderat deutlich verbessert, früher gab es viel Misstrauen. Diese Spannungen sind nicht mehr so da. Man hört sich zu, auch wenn man nicht gleicher Meinung ist. Das ist ein demokratisches Grundprinzip.

Oft sind es auch die Bürger, die mit etwas nicht zufrieden sind.

Ja, es gibt teils auch harsche Kritik von Bürgern, die sich gegen etwas wehren oder mit etwas nicht einverstanden sind. Ich erinnere mich gerne an Situationen, in denen ich die Wogen glätten konnte. Denken Sie an die Diskussion in Eglosheim um die H4B4-Variante, als die Bürger glaubten, dass der OB sofort eine Umgehungsstraße dicht an den Wohnhäusern vorbei bauen will. Ich stand da vor 700 aufgebrachten Leuten, konnte aber die Situation beruhigen.

Andere würden sagen, dass sie sich durch so etwas einem enormen Stress ausgesetzt sähen.

Bei mir ist das nicht so, ich sehe darin eine Aufgabe, für Verständnis und Ausgleich zu sorgen. Es war ja nachvollziehbar, dass die Leute damals so aufgebracht waren. Wer auf beide Seiten eingehen kann, kann auch Positionen vermitteln. Wenn man so etwas hinbekommt, freut es einen am Ende. Meine neuen Ziele, die ich mir gesteckt habe, haben auch damit zu tun.

Wie sehen diese Ziele aus? Sie wollen als Mediator arbeiten?

Ich möchte als Wirtschaftsmediator arbeiten, der genau an dem Punkt steht, zwischen streitenden Parteien zu vermitteln. Von der Ausbildung her bin ich Bauingenieur, die Mediation kommt jetzt dazu. Dafür werde ich mich nun weiter qualifizieren.

Werden Sie weiterhin in Ludwigsburg wohnen? Sie haben mitgeteilt, dass Sie ein Haus gekauft haben.

Wir bleiben in Ludwigsburg, wir haben zusätzlich in der Oberlausitz ein Denkmalhaus erworben. Von diesem Ferienhaus aus werden wir die östlichen Länder, insbesondere auch Polen, bereisen. Dort haben wir schon immer gern Urlaub gemacht, waren in Krakau, Lodz und vielen weiteren Orten unterwegs.

Autor: