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Für und Wider Westrandbrücke

Der Termin des Bürgerentscheids, bei dem die Remsecker am 15. November über den Bau der Westrandbrücke und damit über die weitere Stadtentwicklung abstimmen, rückt näher. Eine Podiumsdiskussion gab ihnen noch einmal die Gelegenheit, sich zu informieren und Fragen zu stellen.

Podiumsdiskussion zum Bürgerentscheid Westrandbrücke in Remseck. Unser Bild zeigt von links: Moderator Helmut Bauer, Gerhard Leitenberger (Ja zur Westrandbrücke), OB Dirk Schönberger, Kai Reinke (Wir für morgen), Planer Frank Gericke, Jürgen Holzwart
Podiumsdiskussion zum Bürgerentscheid Westrandbrücke in Remseck. Unser Bild zeigt von links: Moderator Helmut Bauer, Gerhard Leitenberger (Ja zur Westrandbrücke), OB Dirk Schönberger, Kai Reinke (Wir für morgen), Planer Frank Gericke, Jürgen Holzwarth (Regierungspräsidium) und Baubürgermeisterin Birgit Priebe. Foto: Stadt Remseck

Remseck. Damit die Remsecker in gut drei Wochen gut vorbereitet in die Abstimmung gehen können, lässt die Stadtverwaltung nichts unversucht, ihnen das nötige Rüstzeug an die Hand zu geben. Es gab Informationsveranstaltungen, Liveübertragungen im Internet, Gesprächsmöglichkeiten in den sozialen Medien mit Baubürgermeisterin Birgit Priebe, Infostände in den Stadtteilen, eine Internetseite www.buergerdialog-westrandbruecke.de und zuletzt am Mittwochabend eine Podiumsdiskussion in der neuen Stadthalle. Dort stellten Oberbürgermeister Dirk Schönberger, Kai Reinke von der Bürgerinitiative (BI) „Wir für morgen“ sowie Gerhard Leitenberger von der Bürgerinitiative „Ja zur Westrandbrücke“ ihre Positionen vor. Am Expertentisch beantworteten ebenfalls Kai Reinke sowie Jürgen Holzwarth, Referatsleiter Straßenplanung im Regierungspräsidium Stuttgart, Bürgermeisterin Birgit Priebe und Frank Gericke vom Planungsbüro Modus Consult Detailfragen.

Position der Stadtverwaltung: „Seit Jahrzehnten versucht man, für Remseck ein Zentrum zu schaffen“, sagte OB Schönberger. Zudem sei es wichtig, jungen Remseckern Wohnraum zu bieten, damit sie nicht wegziehen. Für beide Vorhaben sei es wichtig, den Autoverkehr von der Neuen Mitte wegzubekommen. Neuer Wohnraum soll seiner Meinung nach „nicht auf dem Acker in der Peripherie, sondern nah an der Stadtbahn entstehen“. „Mit der Westrandbrücke erreichen wir einen besseren Verkehrsfluss und eine staufreie Rushhour. Weil wir keinen weiteren Verkehr anziehen wollen, soll die Brücke zweispurig und nicht sechs- oder achtspurig sein“, sagte der OB. Die Westrandbrücke erlaube es, zu Fuß über die autofreie Remstalstraße zu gehen. Die Form eines Bürgerentscheids über den Bau der Westrandbrücke habe man bewusst gewählt. Auch nach der Abstimmung wolle die Stadt die Bürger dazu einladen, die Pläne weiterzuentwickeln. „So leben wir Demokratie“, sagte Schönberger und bat darum, am 15. November „Ja“ zur Westrandbrücke zu sagen.

Position der Bürgerinitiative „Wir für morgen“: „Wir wollen auch eine lebenswerte Mitte für Remseck, nur ob sie auch angenommen wird, ist die Schwierigkeit“, sagte Kai Reinke für die Bürgerinitiative. Eine Neue Mitte funktioniere nur und sei nur dann lebenswert, wenn der Verkehr „ganz außenrum“, fließe. Die BI wolle die Brücke daher etwa zwei Kilometer weiter westlich auf Höhe Hornbach realisieren. Die zur Wahl stehende, ziemlich nahe am Zentrum geplante Westrandbrücke würde die Stadtteile Aldingen und Pattonville vom Rest der Stadt „amputieren“. Die bestehende Neckarbrücke solle „weitestgehend vom Verkehr befreit werden“. Die Ansiedlung von Ladengeschäften in der Neuen Mitte stellte Reinke infrage. „Der Einzelhandel stirbt gerade – wo soll er hingehen?“ Er könne sich auch nicht vorstellen, dass man sich wohlfühlen kann, wenn nebenan 40000 Fahrzeuge vorbeifahren“, spielte er auf die geplante Wohnbebauung neben der Westrandstraße an. Seine BI setze Impulse für ein alternatives Verkehrskonzept. Dieses habe bei der Expertenbetrachtung „ganz gut abgeschnitten“. Die Variante der BI, die eine weiträumige Umfahrung von Aldingen darstellt, sei leistungsfähig auch im Hinblick auf den Schleichverkehr in den Ortsteilen – insbesondere in Neckargröningen. Die Westrandbrücke könne den Gordischen Knoten nicht lösen. Er werfe der Verwaltung vor, dass sie nicht für Klarheit gesorgt habe, wie die Westrandbrücke aussehen könnte und was sie kosten würde.

Position der Bürgerinitiative „Ja zur Westrandbrücke“: „Wir sehen die Neue Mitte als das künftige Zentrum von Remseck – dort kann nachhaltig etwas für die Bürger entstehen“, sagte BI-Sprecher Gerhard Leitenberger. Das Ziel müsse es sein, Wohnraum für junge Menschen zu schaffen, einhergehend mit Dienstleistung und kulturellen Angeboten. „Dafür sehen wir die Westrandbrücke als Notwendigkeit“, so Leitenberger. Darüber hinaus entzerre sie den Verkehr und hole den Schleichverkehr aus den Stadtteilen. Ohne die Westrandbrücke lasse sich der dritte Bauabschnitt der Neuen Mitte mit Wohnbebauung nicht realisieren. Die bestehende Neckarbrücke sei bereits überlastet, wobei der Verkehr noch zunehme. „Mit der Westrandbrücke haben wir die einmalige historische Möglichkeit, etwas zu schaffen, was für Remseck enorm wichtig ist“, sagte Leitenberger. Sie verhindere, dass noch mehr Verkehr nach Remseck geleitet wird, halte den Schleichverkehr weitestgehend raus aus den Stadtteilen und hätte auch keine negativen Auswirkungen auf die Nachbarkommunen, die somit auch nicht in den Planungsprozess miteinbezogen werden müssten.

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