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„Gäustones“ gegen den Coronablues

Wer aufmerksam spazieren geht, findet mit etwas Glück einen bemalten Stein am Wegesrand und kann seine Freude hierüber mit anderen teilen. Erst recht in Coronazeiten tut so ein unerwarteter Farbtupfer gut.

Naturmotive, aber auch bekannte Comicfiguren wie das Äffle und das Krümelmonster zieren die bunten Steine, die vielerorts am Wegesrand liegen. Fotos: Ramona Theiss
Naturmotive, aber auch bekannte Comicfiguren wie das Äffle und das Krümelmonster zieren die bunten Steine, die vielerorts am Wegesrand liegen. Foto: Ramona Theiss
Alexandra Schummer (links) und Beate Prinzbach.
Alexandra Schummer (links) und Beate Prinzbach.
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Strohgäu. Froschkönig, bunte Kühe, Leuchtturm oder Krümelmonster – manche Spaziergänger über Feld- und Waldweg sind vielleicht einmal über einen bunt bemalten Stein sozusagen gestolpert. Und haben sich gewundert, wer den wohl verloren haben mag. Die Steine wurden aber tatsächlich gezielt „ausgewildert“, nachdem jemand sie mit Pinsel, wetterfester Farbe und Herzblut gestaltet hat. Es ist ein Trend, der wohl in den USA seinen Anfang nahm und seit einigen Jahren in Deutschland immer mehr Anhänger findet – auch im Strohgäu, wo Mitglieder der „Gäustones“ seit einem Jahr Fundstücke auswildern, finden, posten und wieder woanders ablegen. Die kunstvollen Unikate sollen einfach Freude verbreiten, nicht mehr und nicht weniger. Ein kurzer Blick auf die Rückseite verrät den Findern oft, zu welcher Gruppe er gehört.

Alexandra Schummer erinnert sich genau an ihr erstes Fundstück, eines mit Schmetterlingmotiv. „Alles begann bei einem Spaziergang mit meinem Hund Emma. Am Wegesrand sah ich einen wunderschönen bemalten Stein. Natürlich war mein erster Impuls, ihn mit nach Hause zu nehmen“, berichtet die Hirschlanderin. Allerdings dachte die 52-Jährige auch daran, dass ihn ein Kind verloren haben könnte. Mit ein wenig Recherche stieß sie auf Beate Prinzbach, ebenfalls Hirschlanderin und in dem Ditzinger Stadtteil nicht unbekannt, da sie in der örtlichen Grundschule als Sprachhelferin arbeitet.

Prinzbach hat die „Gäustones“ vor einem Jahr gegründet, als sie herausfand, dass es mehrere Wandersteingruppen wie die „Albstones“ in anderen Regionen gibt. Der Name „Gäustones“ ist Programm: Die Steine werden hier kreiert und ausgewildert. Mitte April konnten die „Gäustones“ schon ihr 400. Mitglied begrüßen. „Dass es so viele werden, hätte ich nie gedacht“, lacht die quirlige Mutter zweier (fast) erwachsener Kinder.

Schummer findet, die Aktivität sei „ideal für Erwachsene und Kinder, den ungewohnten fremden und neuen Alltag in der Pandemie durch die Steine ein bisschen bunter zu machen“. Gerade für die Kinder der Gruppe wäre es wunderschön, wenn ihre Kunstwerke bekannter werden.

Kreative um Beate Prinzbach bemalen geeignete Steine, die dann etwa in Ditzingen und seinen Stadtteilen, in Vaihingen, Nussdorf, Korntal, Münchingen und Eberdingen am Wegesrand, im Vorgarten, am Hauseingang oder im Wald platziert werden. Unter den Gestaltern findet sich auch Lokalprominenz wie Jürgen und Pamela Glemser aus Nussdorf. Aber es dürfen laut Schummer auch gerne weitere Künstler mitmischen: „Aktive Mitarbeit ist sehr erwünscht!“ Ihren Lieblingsstein ziert übrigens ein Krümelmonstermotiv. „Das darf sich hier jetzt etwas aufwärmen, bekommt Kekse zur Stärkung und darf dann weiterwandern“, postete die Finderin freudig in die Facebook-Gruppe. „Das hat mich so gefreut, das ist für mich die netteste Geschichte“, erzählt Alexandra Schummer, die in einem Bioladen arbeitet. Mit der Zeit ist eine lebendige Community auf der „Gäustones“-Facebookseite entstanden, da wirkt das geteilte Jagdfieber wahrlich ansteckend.

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