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Geburtstagsfeier für einen Bildungsort

Angefangen hat die Geschichte der Bibliothek in einer Erdgeschosswohnung, in der die Bücher an der Theke bestellt wurden (im Bild: Gründer Erwin Ackerknecht). Foto: Archiv
Angefangen hat die Geschichte der Bibliothek in einer Erdgeschosswohnung, in der die Bücher an der Theke bestellt wurden (im Bild: Gründer Erwin Ackerknecht). Foto: Archiv
Heute ist die Stadtbibliothek ein moderner Bildungsort für Bürger in jedem Alter. Foto: Archiv
Heute ist die Stadtbibliothek ein moderner Bildungsort für Bürger in jedem Alter. Foto: Archiv
Die Stadtbibliothek Ludwigsburg wird an diesem 17. Juni 75 Jahre alt. Was in einer Erdgeschosswohnung in der Bahnhofstraße begann, hat sich in einem Dreivierteljahrhundert zu einem modernen Bildungs-, Lern-, und Begegnungsort entwickelt. Gedruckte Bücher spielen noch die Hauptrolle, sind aber schon lange nicht mehr allein.

Ludwigsburg. Als Erwin Ackerknecht 1945 mit nur einem Rucksack aber dafür sehr viel Erfahrung nach Ludwigsburg kam, gab es keine öffentliche Bibliothek für die knapp 50000 Einwohner. Das muss für den 65-jährigen Ackerknecht, der sein Berufsleben als Direktor der Stadtbibliotheken Stettin verbracht hatte, ein großer Missstand gewesen sein. Beim damaligen Oberbürgermeister Dr. Karl Frank regte er die Gründung einer städtischen Bibliothek an. Und so erhielt er nicht nur den Auftrag, eine Volkshochschule zu gründen, sondern durfte auch die Stadtbibliothek aufbauen. Zur Eröffnung vor 75 Jahren gelang es Ackerknecht, der auch Direktor des Schiller-Nationalmuseums in Marbach und Vorsitzender der Deutschen Schillergesellschaft war, über Bücherspenden und seine Kontakte zu Autoren und Verlagen 2000 Bücher zusammenzubekommen.

75 Jahre nach der Gründung hat sich nicht nur die Zahl der Einwohner fast verdoppelt. Mehr als 200000 Medien stehen physisch zur Ausleihe zur Verfügung, ein breites digitales Angebot ergänzt diese. An die Erdgeschosswohnung von einst, wo die Bücher ausschließlich an der Theke ausgegeben werden konnten, erinnert in der Bibliothek im Kulturzentrum heute nichts mehr. Ältere Ludwigsburger werden sich noch an die zweite Station der Bibliothek in der Reinhardtkaserne erinnern. Eine damals sehr moderne Bibliothek mit freiem Zugang zu allen Beständen, Lesesaal und einer Kinder- und Jugendabteilung wurde dort 1953 eröffnet. Die Idee einer Bibliothek als Ort der Begegnung, des Austausches und der Wissensvermittlung wurde etabliert und seit 1969 am Standort im Kulturzentrum ausgebaut.

Heute ist die Stadtbibliothek im Kulturzentrum aus dem Herz der Stadt nicht wegzudenken, verdankt ihre hohe Besucherfrequenz sicher neben dem attraktiven Angebot auch der zentralen Lage. „Wir sind sehr stolz auf die qualitätsvolle Arbeit unserer Bibliothek“, lobte die Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz gestern bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Festprogramms.

Auch wenn die Pandemie für einige Auflagen bei den Veranstaltungen sorgen wird: Bibliotheksleiter Thomas Stierle freut sich, dass nach einem Jahr pandemiebedingter Pause wieder ein gedrucktes Programmheft mit Lesungen und Veranstaltungen rund um den Geburtstag und darüber hinaus vorliegen wird. Zur Geburtstagsfeier, die mit dem Aktionstag am Sonntag, 4. Juli, begangen wird, kommt (virtuell) der bekannte Wissenschaftsjournalist und Autor Ranga Yogeshwar hinzu. Er wird die Besucher mitnehmen auf eine Reise in die Zukunft der Bibliotheken. Yogeshwar selbst ist Enkel eines bekannten indischen Bibliothekswissenschaftlers. Die Veranstaltung wird um 15.30 Uhr für 40 bis 60 Personen zugänglich sein und gleichzeitig im Internet übertragen. Zu Ehren des Bibliotheksgründers und ersten Leiters Erwin Ackerknecht soll eine Gedenktafel enthüllt werden.

Für Kinder wird um 17 Uhr erstmals ein hybrides Veranstaltungsformat ausprobiert. Der mehrfach ausgezeichnete Autor Saša Stanišic schaltet sich live aus Hamburg in den Großen Saal zu, um sein erstes Kinderbuch vorzustellen. Auf dem Rathaushof wird derweil die neue mobile Maker-Zone eingeweiht: Eine mobile Medienwerkstatt, in der programmiert und gebastelt wird. Denn die Bibliothek ist in ihren 75 Jahren mit der Zeit gegangen und hat neue Medien und Techniken (wie den 3-D-Drucker) erfolgreich in ihr Angebot integriert. „Auch wenn die Exklusivität der Bibliothek durchs Internet teilweise verloren gegangen ist, die Liebe der Menschen zu Geschichten ist geblieben“, sagt Stierle. Auch während der Coronapandemie habe er anhand der Nutzerzahlen keineswegs ablesen können, dass das Interesse am Lesen abgenommen hat. Im Gegenteil. Ein Grund mehr zum Feiern.

Info: www.stabi-ludwigsburg.de