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Gefährlicher Blick aufs Smartphone

Die 37-jährige Susanne Paret aus Ludwigsburg gewinnt Hauptpreis bei Kurzfilmwettbewerb der Stiftung Kinderland

Filmszene: Während die Mutter per Handy online einkauft, verunglückt die Tochter. Ausgedacht und inszeniert hat das die Ludwigsburgerin Susanne Paret. Fotos: privat
Filmszene: Während die Mutter per Handy online einkauft, verunglückt die Tochter. Ausgedacht und inszeniert hat das die Ludwigsburgerin Susanne Paret. Foto: privat
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Ludwigsburg. Die Mutter steuert mit ihrer kleinen Tochter den Spielplatz an. Während das Mädchen das hölzerne Klettergerüst mit Turm und Hängebrücke erobert, ist die auf der Bank sitzende Mutter in ihr Smartphone vertieft. Die von immer rasanter werdenden Trommelrhythmen untermalten Filmsequenzen beschreiben ein Drama, dessen tragischer Höhepunkt sich dann im Kopf des Betrachters abspielt: Das Kind träumt sich in eine optisch verfremdete Welt, in dem es fliegen kann, die Mutter sucht derweil beim Onlineshopping ein Einhorn-Kostüm für ihre Kleine aus. Es passiert, was passieren muss: Die Tochter wagt einen Schritt zu viel Richtung Abgrund, und man sieht nur noch, wie die Mutter von der Bank aufspringt, das Smartphone fällt zu Boden, eine Welt ist zerstört.

Knapp zwei Minuten dauert der Film mit dem Titel „Freiflug“, den Susanne Paret aus Ludwigsburg mit ihrem Handy gedreht und damit einen überzeugenden Beitrag zu verantwortungsvoller Mediennutzung geliefert hat. Beim Filmwettbewerb „Smart. Ohne Phone“ der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg holte sie damit einen Hauptpreis. Die fünf gekürten Siegerfilme werden nun landesweit allen Kindergärten und Kindertagesstätten zur Verfügung gestellt, um für das Thema zu sensibilisieren und deutlich zu machen, dass man auf das Kind achten sollte, statt ständig aufs Handy zu blicken.

„Ich habe mir lange überlegt, ob ich einen Film einreichen soll“, berichtet Susanne Paret im Gespräch mit unserer Zeitung. Die 37-Jährige, die mit ihren beiden Kindern und ihrem Mann in Ludwigsburg lebt, entschied sich schließlich für die Teilnahme und machte sich an die Arbeit. Als Szenografin, die nach dem Studium an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe schon in vielen Bereichen vom Bühnenbild bis zu Ausstellungsdesign Erfahrungen gesammelt hat und heute freiberuflich tätig ist, versteht sie es jedenfalls, Botschaften in Szene zu setzen. Der Wettbewerb hatte sich dabei an professionelle Filmschaffende, Amateure sowie Auszubildende und Studierende aus Baden-Württemberg gerichtet. Und da gute Planung alles ist, hat sie sämtliche Szenen zunächst am Schreibtisch entwickelt, bevor es in den Favoritepark sowie zum Spielplatz auf der Reichertshalde ging, wo der Film schließlich in rund fünf Stunden gedreht wurde.

Die Mutter wird dabei von einer Bekannten gespielt und Susanne Parets sechsjährige Tochter mimt das Mädchen, das sich beim Rennen und Klettern immer mehr in die Traumwelt des Fliegens hineinsteigert. Der Film hat jedenfalls die Fachjury, der unter anderem die aus dem Münster-Tatort bekannte Schauspielerin Christine Urspruch angehörte, überzeugt. Susanne Paret, deren Urgroßvater der Archäologe und Landeskonservator Oscar Paret aus Freiberg-Heutingsheim ist, war nach eigenem Bekunden baff, als sie vom Wettbewerbssieg erfuhr. „Damit habe ich nicht gerechnet“, gesteht sie. Umso mehr freut sich jetzt ihre Tochter: Sie bekommt als „Gage“ ein E-Piano.

Info: Die fünf Gewinnerfilme des Wettbewerbs, darunter auch „Freiflug“ von Susanne Paret, können im Internet auf YouTube angeschaut. Der Link: www.youtube.com/playlist?list=PLaNR0HrTkxw1hQmbJm2S7ViMFDFjHyrm

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