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Gefängnis für Tochter, Bewährung für Mutter

Landgericht verurteilt falsche Polizistinnen, die ihre Opfer in den Kreisen Ludwigsburg und Heilbronn um viel Geld betrogen haben

Freiberg/Heilbronn. Das Landgericht Heilbronn hat am Dienstag zwei falsche Polizistinnen zu Freiheitsstrafen von einmal fünfeinhalb und einmal eindreiviertel Jahren verurteilt. Mutter und Tochter, die wegen Beihilfe und Mittäterschaft belangt wurden, hatten Menschen aus Freiberg, Heilbronn und dem Rheinland betrogen. Die gegen die 57-jährige Mutter verhängte kürzere Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Die 2.Große Strafkammer des Landgerichts erkannte bei der 28-jährigen Tochter auf direkte Beteiligung des schweren Bandenbetrugs, weil sie im Auftrag von Hintermännern aus einem Callcenter in Izmir Geld bei den Opfern abgeholt und teilweise auch in die Türkei abgeliefert hatte. Sie galt im Jargon als „Greiferin“. Ihre mitbeschuldigte Mutter sprachen die Richter lediglich wegen Beihilfe zum Betrug von betagten Menschen schuldig.

Mit dieser Entscheidung hat die Strafkammer einen der vielen gravierenden Fälle von falschen Polizisten in den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn aufgeklärt und gesühnt. In dem fast drei Monate dauernden Verfahren kamen vor allem die Praktiken der Hintermänner ans Licht – wie sie ältere Menschen anriefen und behaupteten, dass ihre Namen teilweise bei der rumänischen und russischen Mafia auftauchen würden – und ihren Opfer so Angst einjagten. Man habe ihnen zudem vorgemacht, dass in Kürze bei ihnen eingebrochen oder sie überfallen werden. Die Ansage: Wertsachen und vor allem Bargeld müsse in Sicherheit gebracht werden. Eine Kriminalbeamtin – im vorliegenden Fall die Angeklagte – würde die Wertgegenstände in Verwahrung nehmen.

In dem Prozess ging es um fünf Fälle, wobei ein 84-jähriger Rentner aus Freiberg um Goldbarren und Bargeld im Wert von nahezu 200000 Euro geschädigt wurde, die er im Glauben, die Polizei würde es sicher verwahren, vor die Tür legte. Auch eine Heilbronner Rentnerin war mit derselben Masche um 28000 Euro erleichtert worden. Bei ihr hatte sich sogar ein vermeintlicher Ludwigsburger Polizeipräsident am Telefon gemeldet und behauptet, dass ihr Betreuer bei der Bank es auf ihr Guthaben abgesehen habe. In weiteren Fällen wurden vor allem betagte Frauen um hohe Bargeldsummen, aber auch um Schmuck gebracht. In einigen Fällen hatten die Opfer den Braten jedoch gerochen und die echte Polizei eingeschaltet.

Die angeklagte 57-jährige Mutter hatte nach den richterlichen Feststellungen nicht aktiv an den Betrügereien mitgewirkt. Sie durfte den Heilbronner Gerichtssaal als freier Mensch verlassen, während ihre neben ihr sitzende Tochter hinter Gitter muss. Obendrein ordnete die Strafkammer ihre Unterbringung in eine Drogenentzugseinrichtung an. Beide Angeklagten hatten nach mehreren Prozesstagen ein Geständnis abgelegt.

Damit sind die Prozesse am Heilbronner Landgericht gegen falsche Polizisten noch nicht am Ende. Der Ex-Freund der Tochter, der als Anrufer die Opfer einschüchterte, soll sich bereits in Untersuchungshaft befinden.

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