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Gegen den Bremsstaub

Verkehrsstaatssekretärin Zimmer informiert sich beim Filtrationsspezialisten Mann+Hummel

Kaum hörbar summt der Luftreiniger Qur Air von Mann+Hummel vor sich hin. Eingestellt ist das Gerät der SQ-Reihe auf Klassenzimmerstärke. Jan-Eric Raschke, Direktor Luftreinigung (links), und Aufsichtsratschef Thomas Fischer (rechts) erklären Elke Zim
Kaum hörbar summt der Luftreiniger Qur Air von Mann+Hummel vor sich hin. Eingestellt ist das Gerät der SQ-Reihe auf Klassenzimmerstärke. Jan-Eric Raschke, Direktor Luftreinigung (links), und Aufsichtsratschef Thomas Fischer (rechts) erklären Elke Zimmer, baden-württembergische Verkehrsstaatssekretärin (Grüne), den Aufbau und die Funktionsweise des Geräts, das mit Hepa-14-Filtern ausgestattet ist. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Saubere Luft, sauberes Wasser und eine saubere Mobilität sind für den Menschen lebenswichtig. Das alles zählt zu den Geschäftsfeldern des Filtrationsspezialisten Mann+Hummel. Verkehrsstaatssekretärin Elke Zimmer (Grüne) hat sich in der Ludwigsburger Firmenzentrale, die zugleich der wichtigste Forschungsstandort ist, brandneue und bewährte Filtertechniken und -systeme des Weltmarkführers genau angesehen. Und Anregungen für Filtrationslösungen für saubere Mobilität sowie Lösungen zur Luftreinhaltung in Ballungsräumen weltweit mit zurück in die Landeshauptstadt genommen.

26 verschiedene Filter pro Sekunde werden in den weltweit 80 Werken produziert, wie Jan-Eric Raschke, der Direktor Luftreinigung, ausführte – insgesamt 21 Millionen Stück, dazu 14,5 Millionen Ölfilter und 20 Millionen Plastikteile im Jahr. Mit 21480 Mitarbeitern hat das Unternehmen, das vor 80 Jahren gegründet wurde, 2020 einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro erwirtschaftet. 90 Prozent des Geschäfts wird bisher im Automotive-Sektor gemacht.

„Bis 2030 wollen wir aber die Nicht-Automotive-Bereiche auf 25 Prozent steigern“, sagte Thomas Fischer, der Aufsichtsratsvorsitzende von Mann+Hummel. Alternative Treibstoffe seien weltweit im Kommen, so Fischer. Das chinesische Mobilitätskonzept sehe zum Beispiel einen Mix vor, in dem Alternative Treibstoffe sowie Wasserstoff künftig eine wichtige Rolle spielten. Auch in anderen Staaten Asiens sieht er dies voraus. An eine ähnliche Entwicklung hierzulande mag die Verkehrspolitikerin jedoch nicht glauben. Doch das ist Sache des Bundes und der Europäischen Union.

Für Raschke ist klar, dass Filtersysteme bei allen Antriebssystemen gebraucht werden. Dass das Ludwigsburger Familienunternehmen in der „Antriebswende“ Chancen sieht, hört die Grünen-Politikerin gern. „Wenn ich in Städten mit einer hohen Luftbelastung in einem Auto sitze“, spielt Zimmer auf die Mega-Cities Asiens an, „habe ich ein Interesse daran, im Auto saubere Luft zu atmen“. Wobei auch die Fahrzeuge sauberer werden müssten.

Zimmer steht mit Raschke und Fischer an einem Qur-Air-Filter, der in Klassenzimmer-Lautstärke säuselt. „Das Gerät eignet sich für einen Raum mit 80 Quadratmetern und drei Meter Raumhöhe“, erklärt der Direktor Luftreinigung. Ein Filterwechsel werde hier nur alle zwei Jahre fällig. Etwas lauter bläst ein stärkeres Gerät aus der Baureihe vor sich hin, das der frühere Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg signiert hat. Darüber ein zweiter, teils transparenter Demo-Würfel, in dem UV-C-Leuchten Keime und Viren aller Art zu nahezu 100 Prozent abtöten. „Nach dem automatischen Abschalten des Geräts dauert dies fünf Minuten“, sagt Raschke mit einem Hinweis auf den höheren Energiebedarf solcher UV-Lampen. „Eine umweltfreundliche Lösung“, findet Zimmer. Gerade die stärkere Gerätevariante eigne sich für U-Bahn-Stationen, so Raschke. Denn dort sei die Luftbelastung bis zu zehn Mal höher als im Außenbereich an einer Straße. Die Autofahrer, die im Bereich des Neckartors in Stuttgart und der B27 in Ludwigsburg an den Filter Cubes von Mann+Hummel vorbei fahren, werden dies gerne hören.

Auch in Kombination mit Werbevitrinen gibt es solche Luftreiniger, die am Stuttgarter Bahnhof aufgestellt werden sollen. Die Luft wird dabei von unten angesaugt. Mann+Hummel hat im Rahmen eines Pilotprojekts bereits eine Metro-Station in Paris damit ausgerüstet. Weitere sollen folgen, das System auf das U-Bahn-Netz ausgerollt werden, erfährt die Staatssekretärin auf ihre Frage. Zudem können die Züge schon bald mit Bremsstaubfiltern von Mann+Hummel ausgestattet werden. Auch für Lastwagen und Autos hat das Ludwigsburger Unternehmen solche Bremsstaubfilter, die den Bremsenabrieb direkt am Rad in einem geschlossenen System sammeln, im Angebot. „Warum muss ich Filtertürme aufbauen, wenn man den Feinstaub schon am Fahrzeug absaugen kann“, fragt sich Zimmer. „Was kostet so ein System?“ Raschke und Fischer gehen von 300 bis 350 Euro Nachrüstkosten für ein Auto aus. Ein deutscher Premiumhersteller will das System auch in Neuwagen einbauen. Besonders geeignet ist das Bremsstaub-System für Elektroautos, denn sie produzieren durch ihr hohes Drehmoment beim Anfahren, durch Reifenabrieb und das Bremsen genauso viel Feinstaub und Mikroplastik – oder sogar mehr. Die Experten wissen da mehr: „Der Reifenverschleiß ist bei E-Autos auf die ersten 10000 Kilometer Faktor zwei höher“, sagen sie. Dabei seien es häufig Frauen, die einem Porsche an der Ampel gerne mal die Rücklichter zeigen wollen. Elke Zimmer sieht es als die Aufgabe der Fahrschulen, auf das Verhalten der Fahrer einzuwirken. Eines ist für die Staatssekretärin klar: „Es muss alles schnell gehen, unser Klima hat keine Zeit mehr.“

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