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Gegen Jahresende wird es eng

Blicken einer unsicheren Zukunft entgegen: Ilse Riedl, Theodor Eisele und Brigitte Bregler (von links) in der Schwaben-Bühne. Foto: Holm Wolschendorf
Blicken einer unsicheren Zukunft entgegen: Ilse Riedl, Theodor Eisele und Brigitte Bregler (von links) in der Schwaben-Bühne. Foto: Holm Wolschendorf
Die Schwaben-Bühne in Asperg kämpft wegen Besuchermangels ums Überleben

Asperg. Es gab schon deutlich bessere Zeiten für die Schwaben-Bühne: In den vergangenen Jahren war das auf Mundarttheater spezialisierte Laienensemble, das seit 1993 im ehemaligen Gasthaus Hirsch im Herzen Aspergs beheimatet ist, stets vom Erfolg verwöhnt, der Saal mit bis zu 140 Zuschauern nicht selten ausverkauft. Dann kam Corona. Dass während der Lockdowns reihenweise Vorstellungen ausfielen, der Proben- und Spielbetrieb monatelang ruhte – ärgerlich, aber kaum zu ändern, so auch die Sicht des fünfköpfigen Vereinsvorstandes. Doch nun macht den Verantwortlichen ein neues Phänomen zu schaffen, mit dem die gesamte Kulturbranche seit Monaten zunehmend hadert: dem verlorenen Publikum. Die Zahlen sprechen für sich: Während in den drei Jahren vor Corona der Zuschauerschnitt je Vorstellung noch bei rund 100 lag, hat er sich seither etwa halbiert.

Das bereitet Ilse Riedl (1. Vorsitzende) Theodor Eisele (Finanzvorstand) und Brigitte Bregler (Schriftführerin), die zum Gespräch mit unserer Zeitung gekommen sind, zunehmend Kopfschmerzen. „Ohne die Corona-Zuschüsse wären wir schon längst tot“, erklärt Eisele. Etwa 90 Prozent der Fixkosten, also in erster Linie die nicht eben günstige Miete für die Räumlichkeiten, wurden dem Verein in den Krisenjahren zum Glück ersetzt. „Das ist aber keine Dauerlösung“, sagt die Vorsitzende Riedl, „wir brauchen einfach Zuschauer – die Uhr tickt.“ Immerhin spielen die Schauspieler – allesamt Vereinsmitglieder – traditionell ohne Gage.

Auch Bregler ist ratlos: „Wie es weitergeht? Wir wissen es nicht.“ Laut dem Business-Plan für die nächsten Monate müssten durchschnittlich 60 bis 70 Zuschauer kommen, erklärt sie – was angesichts des Trends der letzten Zeit fast schon ambitioniert wirkt. Seit Januar dieses Jahres pendelt der Zuschauerschnitt zwischen 40 und 60, seit der Sommerpause mussten – nach einem kurzen Hoch bei „Mariettas Vermächtnis“ – gleich zwei Vorstellungen abgesagt werden. Für eine wurden nur sechs Tickets verkauft – für die andere gar keines. 30, so heißt es seitens des Vorstands, sei das Minimum, um zu spielen. Alles darunter wäre nicht gut – weder für die Akteure auf der Bühne noch für die Stimmung im Saal.

Während Corona haben sich die Gewohnheiten des Publikums geändert, hinzu kommt beim Vorverkauf die Unsicherheit: Wie wird der Herbst in Sachen Pandemie? Und angesichts der steigenden Preise ist auch das Geld natürlich ein Argument, manch einer muss sich die Frage stellen: Ins Theater gehen oder doch lieber das Auto tanken? Die Schwaben-Bühne versucht, mit verstärkter Werbung und Preisnachlässen gegenzusteuern. Denn es hilft ja nichts: „Wenn der Schnitt so bleibt, wird es schwierig“, sagt Riedl. „Bekommen wir die ausstehenden Coronahilfen nicht, ist 2023 Schluss – ansonsten halten wir zumindest noch ein halbes Jahr durch.“ Die Folge wäre, den Mietvertrag für das erst vor zwei Jahren auf Spendenbasis renovierte Haus zu kündigen und den Verein mit seinen 74 Mitgliedern aufzulösen. Aber soweit möchte eigentlich niemand denken. 2024 feiert die Schwaben-Bühne, einst in Stuttgart gegründet, ihr 50-jähriges Bestehen. „Das wollen wir noch erleben“, betont Eisele. „Aber nicht um jeden Preis.“