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Geldsegen für das reiche Erbe

Das Keltenmuseum erhält als einer von fünf Orten einen Zuschuss vom Land als Teil der neuen Keltenkonzeption. Damit soll modernisiert und ein Anbau errichtet, aber auch inhaltlich erweitert werden.

Als Schmuckstück des Keltenmuseums in Hochdorf gilt die Grabkammer, deren Bedeutung auch das Ministerium hervorhebt.Archivfoto: Ramona Theiss
Als Schmuckstück des Keltenmuseums in Hochdorf gilt die Grabkammer, deren Bedeutung auch das Ministerium hervorhebt. Foto: Ramona Theiss

Eberdingen. Denkt man an die Kelten, so kommen vielen Menschen sicher gleich zwei ganz bestimmte Vertreter in den Sinn: Asterix und Obelix, die Bewohner des berühmten gallischen Dorfes. Doch ganz so weit bis an die Atlantikküste muss man gar nicht schauen. Denn die richtigen Kelten haben auch hierzulande spannende Spuren hinterlassen. Dieses Erbe will das Land Baden-Württemberg nun stärker präsentieren, und gibt dafür in den kommenden Jahren zehn Millionen Euro aus. Profitieren soll davon auch der Kreis Ludwigsburg. Denn das Keltenmuseum in Hochdorf erhält eine halbe Million Euro für seine Modernisierung, die Intensivierung des Vermittlungsangebots sowie die bessere Vernetzung, die Gemeinde beteiligt sich mit derselben Summe. Nach der Zusage darf man sich nun zu den fünf ersten „Hotspots“ der sogenannten Keltenkonzeption zählen, geht aus einer Mitteilung des Wissenschaftsministeriums hervor.

„Es ist ein Riesenerfolg für alle Beteiligten“, sagte der Grünen-Wahlkreisabgeordneten Markus Rösler dazu. Und auch Peter Schäfer – quasi der Majestix der Gemeinde Eberdingen – dürfte die am Freitag verkündete Mitteilung mit großer Erleichterung vernommen haben. Denn der Bürgermeister wirbt schon seit längerem um finanzielle Unterstützung, vor allem, seit Anfang 2019 erstmals groß von den Plänen für die Keltenkonzeption die Rede war. Doch dann wurde es ihm offenbar zu ruhig, was ihn in der Haushaltsberatung im März, als es um die ersten Baupläne ging, zu der Sorge veranlasste, sein Aushängeschild könnte leer ausgehen.

Grund war zum einen die Befürchtung, dass das Land nur auf ganz neue Projekte setzen könnte. Zudem ist die Konkurrenz stark und aktuell wohl mehr im Bewusstsein: Die Heuneburg (Fürstensitz bei Sigmaringen) werde schon lange gehätschelt und gepflegt, auch für die spätkeltische Siedlung Heidengraben bei Bad Urach gebe es Zusagen von EU und Land, hatte Schäfer mit Blick auf die Pläne für ein fünf Millionen Euro teures Museum gesagt. Für beide Orte gab es am Freitag ebenfalls Förderzusagen.

Ganz so teuer wie dort sind die Hochdorfer Bauvorhaben nicht. Für geschätzt 100..000 Euro soll energetisch saniert werden, vor allem durch die Arbeiten an der Glasfassade erhofft man sich bei extremen Temperaturen Verbesserungen. Zudem sind 300..000 Euro für einen Anbau kalkuliert, in dem Vorträge für Gruppen und Filmvorführungen laufen sollen – dann könnte es das auch im Winter geben, denn bislang wird ein Teil des Pädagogikprogramms im nicht beheizbaren Keltenhaus abgehalten. Dazu kämen Ausgaben für die Museumspädagogik, wie der – noch recht neue – Leiter Thomas Knopf bei der Pressekonferenz des Ministeriums am Freitag sagte, besonders für die Digitalisierung und die stärkere Einbeziehung der Besucher. Zudem geht es ihm um eine stärkere Vernetzung des „Ankerpunkts“ Hochdorf mit anderen Fundorten im Kreis, als Beispiel nannte er einen Radweg. Insgesamt aber, sagte er, hoffe er, dass sich die Pläne trotz Corona weiterverfolgen lassen.

Die Folgen der Krise hätten zumindest den Zeitplan für den Anbau und Umbau des bisherigen Vorführraums fast gekippt. Schäfer wollte von seinem Gemeinderat grünes Licht für die Beauftragung eines Architekten, der die Baupläne erarbeiten soll. Doch da regte sich Widerstand, weil die Umsetzung gerade in diesem Jahr mit so vielen Unsicherheiten schwierig sei. Schäfer aber beruhigte: Zum einen sei man durch Corona nicht so betroffen wie andere Kommunen, zudem habe man vor über 30 Jahren entschieden, das Museum zu bauen – und das verpflichte auch, etwa mit dem jährlichen Zuschuss über 200.000 Euro. „Wir erfüllen diese gigantische Aufgabe der Vermittlung über die Kelten seit 30 Jahren alleine“, so Schäfer mit Blick auf die Unterstützung des Landes für den Museumsbetrieb an der Heuneburg.

Eine Verpflichtung sieht man nun aber auch beim Land. „Das spannende keltische Erbe kann nicht nur an einigen zentralen Fundstätten und Museen studiert werden, sondern prägt flächenübergreifend das ganze Land“, wie Kunststaatssekretärin Petra Olschowski (Grüne) bei der Pressekonferenz am Freitag sagte. „Wir wollen eine Geschichte erzählen von einer längst vergangenen Zeit, deren oft geheimnisvolle Spuren bis heute im ganzen Land zu entdecken sind.“ Das reiche Erbe solle sichtbar gemacht werden.

Auch in Hochdorf. „Ohne Frage zählt das frühkeltische Fürstengrab zu den wichtigsten europäischen Keltenfunden überhaupt“, so der Grüne Rösler. Zudem seien die jahrzehntelange, vorbildliche Arbeit des Museums und das kommunale Engagement entscheidende Faktoren für die hohe Förderung gewesen, sagte er – und versprach, weiterhin bei der Suche nach Geldgebern zu unterstützen.

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