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Gelöste Stimmung ohne Maske

Seit Montag müssen die Schüler im Unterricht keine Schutzmaske mehr tragen, wenn es an ihrer Schule zwei Wochen lang keine Corona-Infektion gegeben hat. An der Oscar-Paret-Schule war die neue Freiheit erst mal gefährdet. Gleich am ersten Tag der Lockerung hatte ein Mädchen zu Schulbeginn ein positives Testergebnis. Gestern Nachmittag dann die Entwarnung: Der PCR-Test war negativ.

Die Inzidenz macht es möglich: Seit Montag dürfen die Schüler im Landkreis Ludwigsburg ihre Masken im Unterricht abnehmen. Foto: David Pereiras/stock.adobe.com
Die Inzidenz macht es möglich: Seit Montag dürfen die Schüler im Landkreis Ludwigsburg ihre Masken im Unterricht abnehmen. Foto: David Pereiras/stock.adobe.com

Freiberg/Kreis Ludwigsburg. OPS-Schulleiter René Coels musste erst mal durchschnaufen, als ihm die Familie per Telefon von dem negativen PCR-Testergebnis berichtete. Wäre es positiv gewesen, hätte das nicht nur eine Corona-Erkrankung einer Schülerin bedeutet, was für sich alleine schon schlimm genug gewesen wäre. Gleichzeitig hätte es nach gerade mal zwei Tagen wieder eine Maskenpflicht für alle 1350 Schüler und ihre Lehrer bedeutet. „Es herrscht an der Schule eine große Freude über die Freiheit, die wir gewonnen haben – wir hoffen, bis zu den Ferien keinen positiven Fall mehr zu haben“, so Coels.

In drei Schichten kamen die Schüler am Montag zur Schule und wurden sofort getestet. Um 8.30 Uhr dann die Durchsage von René Coels, dass sie jetzt ihre Masken abnehmen dürfen und welche Regeln fortan gelten. Genau zu diesem Zeitpunkt war ein Kollege auf dem Weg zum Schulleiter, um ihm von dem positiven Selbsttest einer Schülerin zu berichten. Umgehend erfolgte die Kontaktaufnahme mit dem Gesundheitsamt und den Eltern des Mädchens. „Schließlich wollten wir schnellstmöglich ein PCR-Testergebnis haben“, so Coels. Das lag dann rund 30 Stunden später auch vor. Die Wartezeit sei spannend gewesen. Um so besser allerdings, dass das Ergebnis sehr schnell vorlag und die Geschichte „ein schönes Ende genommen hat“. Weil die Schüler der betreffenden Klasse zu dem Zeitpunkt des Selbsttests noch nicht lange zusammen waren und bis dahin komplett Masken trugen, durften sie sie danach wie alle anderen abziehen. Auch mussten sie folglich nicht nach Hause geschickt werden.

René Coels möchte dabei klarstellen, dass kein Druck auf Schülern lasten darf, wenn sie positiv getestet werden und in der Folge alle Mitschüler wieder für 14 Tage eine Maske tragen müssen. „Keiner kann etwas für sein Testergebnis. Und wenn jemand an Covid-19 erkrankt, ist das erst mal tragisch genug“, sagt der Schulleiter und mahnt, dass es wichtig sei, als Solidargemeinschaft zusammenzustehen. Für den Gesundheitsschutz seien alle gleichermaßen verantwortlich.

Auch wenn es einige Schüler und Lehrer an der OPS gibt, die auch weiterhin die Maske tragen, hat sich doch die große Mehrheit über die Lockerung gefreut. Es herrsche seither eine „gelöste Stimmung“, weil sich die Schüler viel freier fühlten. Ohne Maske sei der Unterricht auf einen Schlag viel lebhafter geworden. „Es ist schön, wieder lachende Gesichter zu sehen“, sagt Coels, der sich, wie sein Kollegium, mitunter an ganz neue Anblicke gewöhnen muss. So trägt ein Schüler plötzlich Bart, der nächste hat ein Piercing im Gesicht.

Oliver Schmider, Leiter der Erich-Bracher-Schule in Kornwestheim-Pattonville, ist zwiegespalten, was die Befreiung von der Maskenpflicht im Unterricht anbelangt. Bei sommerlichen Temperaturen sei es durchaus nachvollziehbar, das Tragen der Maske nicht mehr vorzuschreiben. „Gleichzeitig hätten wir es uns gut vorstellen können, die Pflicht aufrechtzuerhalten“, so Schmider. Wie an der Oscar-Paret-Schule dürfen auch bei ihm die Masken erst abgenommen werden, wenn die negativen Ergebnisse vorliegen. Da es in den vergangenen beiden Wochen an der kaufmännischen Schule keinen Coronafall gab, stand der Lockerung am Montag für die 1750 Schüler auch nichts im Wege. Auch wenn sich die Lehrkräfte einmal mehr vom Kultusministerium mehr Vorlaufzeit gewünscht hätten, sei der Unterricht für sie und die Schüler doch weniger beschwerlich. „Ein Unterricht mit Maske geht schon an die Substanz“, sagt Schulleiter Oliver Schmider.

Sehr pragmatisch wird die Lockerung der Maskenpflicht an der Glemstalschule in Schwieberdingen angegangen. „Wir können alles umsetzen, was das Land möchte, weil wir in den letzten 14 Tagen keinen Coronafall hatten“, sagt Silke Benner, Leiterin der Gemeinschaftsschule. Sie sei allerdings vor dem Hintergrund der Ausbreitung der Delta-Variante skeptisch. „Vielleicht wäre es besser gewesen, bis zu den Sommerferien durchzuhalten“, sagt sie. Sie hoffe daher, dass es bis dahin keine Covid-19-Erkrankungen an der Schule gibt. Die Befreiung von der Maskenpflicht außerhalb des Schulgebäudes sei weniger das Problem, weil dort das Ansteckungsrisiko für die rund 500 Schüler geringer sei. Im Kollegium sei bereits eine gute Herdenimmunität erreicht. Nur noch wenige Lehrer würden auf ihre Zweitimpfung warten.

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