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Gemischte Gefühle

Der Viertelstundentakt bei der S-Bahn erreicht im Dezember die Endstufe, in den Wochenendnächten verkehren künftig lange Züge. Allerdings kommt auf die Fahrgäste auch die Sperrung der Stuttgarter Stammstrecke zu.

Ab Dezember fährt die S-Bahn in der Region zwischen 6 Uhr und 20.30 Uhr im Viertelstundentakt. Foto: Daniel Maurer/dpa
Ab Dezember fährt die S-Bahn in der Region zwischen 6 Uhr und 20.30 Uhr im Viertelstundentakt. Foto: Daniel Maurer/dpa

Kreis Ludwigsburg. Auf einer Fahrplankonferenz in der nächsten Woche wollten der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler und die Bahntochter DB Regio eigentlich einen optimistischen Blick in die Zukunft der S-Bahn richten. „Wir hätten eine tolle Bilanz vorlegen können“, sagte Wurmthaler am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart. Doch wegen Corona wird daraus nichts, die Veranstaltung ist abgeblasen worden.

15-Minuten-Takt. Ab dem 13. Dezember soll die S-Bahn in der Region Stuttgart durchgängig von 6 Uhr bis 20.30 Uhr im Viertelstundentakt unterwegs sein. Damit setzt der Regionalverband die vierte und abschließende Stufe dieses Angebots um. „Der Takt kommt dann der Qualität einer U-Bahn oder Stadtbahn nahe“, sagt Wurmthaler. Die Regio-Grünen sprechen von einem Anlass zum Feiern.

Die SPD sieht nun auch die Landkreise in der Pflicht, ihre Buszubringer „an die neue Realität bei der S-Bahn“ anzupassen. Der Stuttgarter Regionalrat Thomas Leipnitz: „Die Landkreise müssen jetzt nachjustieren.“ Die Linke bewertet es positiv, dass „wir den ÖPNV auch in Coronazeiten verbessern, statt ihn einzuschränken“.

Zuglängen. Beachtliche Zuwachsraten beobachtet die Region seit Jahren beim Freizeitverkehr an den Wochenenden und in den Abendstunden. Die Politik hat deshalb beschlossen, den Komfort für S-Bahn-Fahrgäste zu erhöhen und ab Dezember montags bis freitags bis etwa 23.30 Uhr Vollzüge mit zwei Triebwagen auf den Linien 1 bis 6 einzusetzen. Der Kostenpunkt: eine Million Euro im Jahr.

Darüber hinaus ist entschieden worden, auf den Linien nach Marbach, Bietigheim sowie Ditzingen und Korntal am Wochenende auch nach 23.30 Uhr lange Züge aufs Gleis zu setzen. Ähnlich werde mit dem Frühverkehr an Sonn- und Feiertagen verfahren. Wurmthaler: „Im Freizeitverkehr ist die Akzeptanz für eine hohe Auslastung der Züge geringer als im Berufsverkehr während der Rushhour.“

Zusätzliche Fahrten soll es ab kommenden Juni auf der S4 zwischen Marbach und Backnang geben. Angedacht ist, den Halbstundentakt in beiden Richtungen von 20.30 Uhr um eine Stunde zu verlängern. Der Grund: Mehr Flexibilität für Fahrgäste aus Erdmannhausen, Kirchberg und Burgstall, die abends nach den Ladenschlusszeiten um 20 Uhr aus Stuttgart nach Hause fahren wollen.

Baustellen. Nach der Schnellfahrstrecke zwischen Stuttgart und Mannheim in diesem Jahr wird 2021 voraussichtlich die rund 60 Millionen Euro teure Sanierung des Stuttgarter S-Bahn-Tunnels dominieren. Die Arbeiten an der Stammstrecke sind bekanntlich für die drei nächsten Sommerferien angesetzt. Die Auswirkungen: enorm. „Der Fahrplan sieht eine Reduktion auf einen Halbstundentakt bei der S-Bahn vor und eine Bedienung des Hauptbahnhofs oben“, sagt Wurmthaler. Dazu werden die Züge wohl über die Panoramabahn umgeleitet. Auf einigen Teilstrecken, etwa ab Feuerbach, könne der 15-Minuten-Takt in den Außenbereichen jedoch aufrechterhalten werden.

Auf Beeinträchtigungen müssen sich S-Bahn-Fahrgäste in Asperg und Tamm am ersten Adventswochenende, 28. und 29. November, einstellen. Wegen Bauarbeiten müssen offenbar zwei der vier Gleise zwischen Ludwigsburg und Bietigheim gesperrt werden. Laut der Region komme es zwar nicht zu Zugausfällen, die Bahnhöfe in Asperg und Tamm werden an beiden Tagen aber nicht angesteuert. Stattdessen verkehren Busse.

Zumindest bei der Regio-SPD überwiegt jedoch die Freude: „Die Bauarbeiten zeigen, dass die Bahn in die Infrastruktur investiert“, so Leipnitz. Für die AfD sind das „Geburtswehen, durch die man muss“.

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