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Genkinger-Fans müssen noch warten

Blick in das Obergeschoss des Kunsthauses, in der Mitte eine von Genkingers bekannten Sportgrafiken. Das zweite Foto zeigt eine Außenansicht des Gebäudes von der Torgasse aus.Fotos: Andreas Becker/privat
Blick in das Obergeschoss des Kunsthauses, in der Mitte eine von Genkingers bekannten Sportgrafiken. Das zweite Foto zeigt eine Außenansicht des Gebäudes von der Torgasse aus.Fotos: Andreas Becker/privat
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Die Mitglieder des Freundeskreises Fritz Genkinger hatten sich den heutigen Tag im Kalender ganz dick rot markiert. Denn heute sollte das von dem kleinen Verein unter ziemlichen Mühen ins Leben gerufene Kunsthaus in der Marbacher Altstadt eröffnet werden. Doch Corona verschiebt den Termin auf ungewisse Zeit.

Marbach. Manfred Knappe, Vorsitzender des 70 Mitglieder zählenden Vereins und Spiritus Rector des jüngsten Marbacher Museums, ist emotional ein bisschen zerrissen: „Einerseits bin ich traurig, weil wir parat stehen, aber die Eröffnung nicht stattfinden kann, andererseits bin ich ein wenig euphorisch, weil der Film über das Museum fertig und einfach toll geworden ist.“ Den Film hat die Marbacher Filmemacherin Sabine Willmann gefertigt, er soll die Wartezeit auf die Eröffnung verkürzen und gleichzeitig neugierig auf einen Besuch des Kunsthauses am Göckelhof machen.

Mit seinem Museum will der erst vor acht Jahren gegründete Freundeskreis das Werk des Künstlers Fritz Genkinger für die Nachwelt bewahren. Genkinger, 1934 geboren, lebte von 1974 bis 1995 in Rielingshausen, Manfred Knappe war 30 Jahre lang mit ihm befreundet. Genkinger „hatte sich ja total aus dem Kunstmarkt zurückgezogen“, erinnert sich der Marbacher Architekt. Aus Sorge, dass Genkingers Werk in der Versenkung verschwinden könnte, rief Knappe 2012 den Freundeskreis ins Leben. „Wir haben Bücher und Kalender produziert und irgendwann gemerkt, dass das nicht ausreicht“, beschreibt er rückblickend, wie die Idee entstand, ein Museum zu bauen.

Den ambitionierten Plänen des kleinen Vereins gab ein glücklicher Umstand Schub: Knappe konnte ein sanierungsbedürftiges Haus kaufen, nur wenige Meter unterhalb des Tobias-Mayer-Museums. Der Verein ist inzwischen Mieter, soll das Kunsthaus aber langfristig komplett übernehmen. „Momentan ist das noch nicht machbar“, räumt Knappe unumwunden ein, trotz der großen, auch finanziellen Unterstützung, die der Freundeskreis von verschiedenen Sponsoren für sein Projekt erhalten hat.

Der Verein hat laut Knappe im Museum das Ziel umgesetzt, Genkingers Werk in seiner Vielfältigkeit zu zeigen. Das Leitmotiv im Erdgeschoss sind die Sportbilder des HAPGrieshaber-Schülers, der unter anderem zur Fußballweltmeisterschaft 1974 großformatige Plakate und Briefmarken für Paraguay entworfen hat. Für den VfB Stuttgart gestaltete Genkinger sogenannte Seriegrafien.

Der auch musikalisch hoch talentierte Künstler bereiste in den 1970er Jahren Südamerika und hielt seine Eindrücke in Bildern fest. Sie werden im Kunsthaus ebenso gezeigt wie Flöten, die Genkinger aus verschiedensten Materialien geschaffen hat. „Unter dem Titel Wandlung hat er zum Beispiel aus einem Gewehrlauf eine Flöte gemacht. Auf ihr hat Fritz Genkinger auch selbst gespielt“, weiß Manfred Knappe.

160 000 Euro hat der Freundeskreis für den Ausbau der Räume aufgebracht, Eichenböden, helle Räume und moderne Lichttechnik bestimmen das Interieur. Und auch wenn der Eröffnungstermin für das Kunsthaus noch in den Sternen steht: „Die Leute können sich auf die Werke eines Menschenfreunds freuen“, ist sich Manfred Knappe sicher.