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Gesünder wohnen mit Seegras

Ein Gymnasiast aus Markgröningen forscht an der Schülerakademie des WWF und macht eine verblüffende Entdeckung

„Seegras hat erstaunliche Fähigkeiten“: Der Markgröninger Gymnasiast Johannes Bertsch zu Hause an seinen Rechnern. Für die Schülerakademie des World Wide Fund For Nature entwickelt er Ideen, wie das Wohnen der Zukunft aussehen kann. Foto: Holm Wolsch
„Seegras hat erstaunliche Fähigkeiten“: Der Markgröninger Gymnasiast Johannes Bertsch zu Hause an seinen Rechnern. Für die Schülerakademie des World Wide Fund For Nature entwickelt er Ideen, wie das Wohnen der Zukunft aussehen kann. Foto: Holm Wolschendorf

Markgröningen. Urlauber an der See beobachten gerade wieder, wie Tonnen an Seegras und Algen an die Strände gespült werden. Für Hunde sind Seegrasbälle Spielzeug, die betroffenen Küstenkommunen dagegen müssen den natürlichen Rohstoff für viel Geld entsorgen. Für Johannes Bertsch, 17, Schüler des Markgröninger Hans-Grüninger-Gymnasiums, ist Seegras zum Forschungsobjekt geworden. Er hat es an die Uni in Wuppertal geschickt und anzünden lassen.

„Seegras hat erstaunliche Fähigkeiten“, sagt der Schüler, der im nächsten Jahr sein Abitur machen will. „Es brennt wahnsinnig schlecht.“ Aber nicht nur das: Die nachwachsende Ressource, die Fischen als Kinderstube dient und Seepferdchen, Krebstiere oder Schnecken beherbergt, verrottet nicht, ist resistent gegen Schimmelbildung und gilt als allergikerfreundlich. Eingeweihte wie Johannes Bertsch haben Seegras längst als tauglichen Dämmstoff ausgemacht, der die Immobilienbranche neu aufstellen könnte.

Auf der Straße für das Klima

Zutage gefördert hat der Markgröninger diese Erkenntnis mit 20 weiteren Jugendlichen aus Deutschland an der Schülerakademie „Zwei-Grad-Campus“ des World Wide Fund For Nature (WWF). Seit 2012 ruft die Umweltorganisation im Jahresrhythmus Schüler auf, Ideen gegen den Klimawandel zu entwickeln. Es gibt vier Themenfelder: Mobilität, Wohnen, Energie und Ernährung. Begleitet werden sie von Lehrenden an Universitäten. Die Nachwuchswissenschaftler kommen dann zu Ostern, im Sommer und Herbst zusammen – nur in diesem Jahr wegen Corona nicht.

„Ich habe in den vergangenen Monaten viel Zeit mit meinem Team verbracht“, sagt Bertsch. Leibhaftig haben wir uns allerdings noch nicht gesehen.“ Er ist ein bisschen traurig, dass auch aus einem Treffen in Berlin nichts geworden ist. Für den Herbst ist dafür ein Meeting in Bayreuth angesetzt.

Bertsch ist ein Kind der Fridays-for-Future-Bewegung. In Ludwigsburg ist er auf Demos für ein besseres Klima mitgelaufen. Am Hans-Grüninger-Gymnasium sitzt er im Vorstand der Schülermitverantwortung. Die Bewahrung der Schöpfung hält der 17-Jährige für das Megathema der Menschheit im 21. Jahrhundert. „Es muss noch viel mehr in die Gesellschaft getragen werden“, sagt Bertsch. Seit Anfang des Schuljahres arbeitet er zudem im Jugendbeirat der Stadt Markgröningen mit. Dort wollen die Teilnehmer mit der Kommunalpolitik zum Beispiel für bessere Radwege sorgen.

Bertsch ist es nach eigenen Angaben wichtig, über den Tellerrand zu schauen – darum hat er sich auch unter fast 100 Jugendlichen bei der Schülerakademie des WWF beworben und ist ausgewählt worden. „Ich will an die Uni gehen und sehen, wie Forschung funktioniert“, sagt der Schüler. Sein Themengebiet: Naturwissenschaften. Das haben ihm wohl seine Eltern mitgegeben. Am Hans-Grüninger-Gymnasium belegt Bertsch die Leistungsfächer Mathe, Physik und Chemie. „Es begeistert mich, Thesen aufzustellen, ihnen nachzugehen, sie zu belegen oder zu verwerfen – und die Welt ein bisschen besser zu machen.“

An der Schülerakademie des WWF haben die jungen Forscher nicht nur Seegras anzünden lassen, sondern auch gewöhnliches Material wie Holzfaserplatten, das brannte natürlich besser. Im Hinterkopf immer die Frage: Behindern Brandschutzaspekte die Verwendung nachwachsender Rohstoffe beim Wohnen?

Lektion in Öffentlichkeitsarbeit

Der World Wide Fund For Nature will die Ergebnisse der diesjährigen Schülerakademie bald publizieren. In den Herbstferien sollen die Absolventen wie Johannes Bertsch lernen, wie sie ihre Resultate am besten in die Öffentlichkeit tragen und gegen Einwände verteidigen.

Bis dahin landen an den Küsten weiter Tonnen an Algen und Seegras, das einmal dafür sorgen könnte, im Sommer Wärme zu speichern, damit das eigene Haus schön kühl bleibt.

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