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Gewerkschaft und Eltern verlangen Strategie für Kitas

Verdi und Kitaverband fordern landesweite Testpflicht für Kinder und Personal – Kretschmann soll sicheren Betrieb der Einrichtungen zur Chefsache machen

Kreis Ludwigsburg. Elternvertreter, der Deutsche Kitaverband und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordern klare und nachvollziehbare Richtlinien für den weiteren Betrieb der Kitas. Während die Schulen am Montag zunächst in den Fernunterricht starten werden und die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts erst am 19. April lediglich in halben Klassen und unter der verbindlichen Voraussetzung von zwei Tests pro Woche erfolgen soll, fehlen bislang vergleichbare Regelungen für die Kindertagesstätten und Krippen. Das verunsichere Eltern und sei dem Betreuungspersonal nicht zu vermitteln, kritisieren Verdi und die Landeselternvertretung an Kitas.

Auch dort müsse umgehend eine Testpflicht für Kinder und Beschäftigte eingeführt werden, forderte Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross am Donnerstag vor Journalisten. Die Finanzierung müsse das Land übernehmen, die konkrete Umsetzung vor Ort organisiert werden, sagte seine Stellvertreterin Hanna Binder. Sie verlangte, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Thema „endlich zur Chefsache macht“. Die Kitas dürften vom Land nicht länger „als Begleitschiff der Schulen betrachtet oder gleich gar nicht mehr beachtet werden“.

Eine landesweite engmaschige Testung von pädagogischem Fachpersonal und Kindern – wie sie der Landkreis Böblingen derzeit in 26 Einrichtungen erprobt – kann aus Sicht der Gewerkschaft aber nur ein Baustein einer Gesamtstrategie sein, die es erlauben müsse, den Kitabetrieb in größtmöglichem Umfang aufrechtzuerhalten und ihn mit einem wirksamen Gesundheitsschutz für alle Beteiligten zu verbinden. „Gegenwärtig arbeiten wir unter risikoreichen und sich ständig verändernden Bedingungen“, sagte die Erzieherin, Mannheimer Personalrätin und Verdi-Fachgruppenvorsitzende Hansi Weber. Die konsequente Einhaltung von Maskenpflicht und Abstandsregeln sei in Kitas nicht möglich. „Ein Kind, das Trost braucht, hat Anspruch darauf, dass ich es in den Arm nehme“, erläuterte die Erzieherin Nadine Schunn. Gerade in den Randzeiten sei zudem wegen Personalmangels – den die Pandemieregeln generell verschärft hätten – eine strikte und durchgängige Trennung der Gruppen in den meisten Kitas so gut wie unmöglich. Das gelte auch für die Schülerbetreuung.

Verdi legte deshalb einen 13 Punkte umfassenden Forderungskatalog zum Kitabetrieb vor, der auch ein stringentes Quarantänekonzept und die Durchsetzung des Kohortenprinzips – also der Aufteilung in getrennte und in sich geschlossene Gruppen – verlangt. Ferner müsse mit ortsnahen Impfangeboten dafür gesorgt werden, dass das Kitapersonal auch wirklich von seiner Impfberechtigung Gebrauch machen könne. Er habe über 700 Telefonate geführt, bevor er einen Termin erhalten habe, der dann wegen der zeitweisen Aussetzung der Impfung mit Astrazeneca abgesagt wurde, erzählte ein Sozialpädagoge aus Radolfzell.

Außerdem verlangt Verdi verbindliche, am Infektionsgeschehen orientierte Regeln dafür, wann eine Kita vom Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen in den Notbetrieb wechseln und wann sie geschlossen werden muss. Im Notbetrieb müsse die Zahl der betreuten Kinder deutlich begrenzt werden – wie im ersten Lockdown etwa durch die Bevorrechtigung systemrelevanter Berufsgruppen. Die bloßen Appelle im zweiten Lockdown, Kinder möglichst zu Hause zu betreuen, hätten die Kitas kaum entlastet.

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