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Gleich in erster Sitzung nach Wahl Kritik an Trost

Die Lunte legte ein Bürger, am Ende der vierstündigen Gemeinderatssitzung platzte die Bombe: CDU-Rätin Heike Breitenbücher kritisierte Bürgermeister Jan Trost scharf für sein Verhalten. Er habe sich (wieder mal) nicht vor einen Mitarbeiter gestellt.

Marbach. Der Anlass war eine Lappalie: Ein Anwohner der August-Lämmle-Straße hat Schwierigkeiten, aus seiner Tiefgarage zu kommen. Die Straße werde als Abkürzung missbraucht, die Fahrer würden „rasen wie die Ochsen“. Er attackierte Ordnungsamtsleiter Andreas Seiberling. Der „beste Mann der Stadt“ (ironisch gesprochen) habe ihm eine Verkehrszählung versprochen, passiert sei nichts. Ob der Mann nur auf seinem Sessel sitze und nichts tue? Bürgermeister Jan Trost reagierte nicht, fragte nur, ob Seiberling Stellung nehmen wolle. Dieser verneinte. Auf weitere Krakeelereien in Richtung Seiberling reagierte Trost ebenfalls nicht, bot dem Mann dagegen einen Ortstermin an.

„Ich habe mir überlegt, ob ich es öffentlich anspreche, aber ich will das so nicht stehen lassen“, meldete sich CDU-Fraktionschefin Heike Breitenbücher am Ende der Sitzung, die Trosts erste als wiedergewählter Bürgermeister war. In der Bürgerfragestunde sei unsachliche Kritik an einem Mitarbeiter geäußert worden. „Es ging um den Ton. So etwas sollten wir nicht dulden, sonst werden wir nur noch beschimpft.“ Der Gemeinderat stehe nicht hinter der Kritik an Seiberling, sondern wolle sich vor die Mitarbeiter stellen. „Und darum bitten wir auch unsere Führung, sich solchen Beleidigungen entgegenzustellen“, sprach sie Trost direkt an. „Eine Bürgerfragestunde ist nicht die Möglichkeit, jemanden unter der Gürtellinie zu treten.“ Auf eine Reaktion von Trost wartete der Gemeinderat allerdings vergeblich.

Bereits zuvor hatte Grünen-Stadtrat Sebastian Engelmann Jan Trost scharf kritisiert. Es ging um Marbachs Beitritt zum Klimaschutzpakt zwischen dem Land und den kommunalen Landesverbänden. „Gegen die Klimakrise gibt es keinen Impfstoff, wir müssen jetzt handeln“, betonte Engelmann. Der Erklärung fehle aber die Substanz. Von der Verwaltung gebe es keine konkreten Vorschläge oder eine Strategie, wie die Verwaltung bis 2030 klimaneutral werden wolle. Es gebe keinen Maßnahmenkatalog, wie man den Energieverbrauch senken wolle. Klimaschutz sei mehr als Gebäudesanierung. Mit dem Nahwärmenetz sei man zwar auf einem guten Weg, beim Thema Mobilität tue sich aber nichts. Auch gebe es weder Energietage noch ein Solarkataster. Man brauche kein Büro, das den Verbrauch messe, sondern ein Gesicht, einen Organisator. „Herr Trost, Sie haben acht Jahre lang nichts gemacht. Und plötzlich entdecken Sie im Wahlkampf das Thema Klimaschutz. Hat sich das Thema Klima über Weihnachten so zugespitzt?“, ging er Trost direkt an. Es gebe keine Vorschläge vom Bürgermeister. „Wir erwarten von Ihnen eine realistische Strategie. Das war Ihr Wahlkampfthema. Sonst sind Ihre Aussagen nur Lippenbekenntnisse“, so Engelmann.

Man sei dran, das Papier mit Leben zu füllen, entgegnete Trost. Es gebe den Energiebericht, die Gebäudesanierungen und das Nahwärmenetz, auch in Rielingshausen sei man am Thema dran.