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Gräber in Kirchheim sind stumme Zeugen der Vergangenheit

Eine archäologische Besonderheit: In Kirchheim ist ein Doppelgrab ausgegraben worden. Fotos: Alfred Drossel
Eine archäologische Besonderheit: In Kirchheim ist ein Doppelgrab ausgegraben worden. Fotos: Alfred Drossel
Ein ungestörtes Frauengrab.
Ein ungestörtes Frauengrab.

Auf dem Laiern in Kirchheim sind nun archäologische Grabungen abgeschlossen worden, die vorangegangene Untersuchungen ergänzen. Bei der Rettungsgrabung auf einem privaten Grundstück in der Friedrichstraße wurden 22 Gräber aus der Merowingerzeit mit teilweise reichen Beigaben freigelegt und gesichert. Eine Besonderheit dabei war ein Doppelgrab mit zwei Holzkammern von einem Mann und einer Frau.

Kopfloses Pferdeskelett gibt Rätsel auf

In den Reihengräbern, die relativ flach unter der Erdoberfläche lagen, wurden die Menschen seinerzeit in ihrer Tracht begraben. Erhalten geblieben sind Skelette, Metallteile, Glasperlen und Tonbeigaben. In einem Frauengrab fand sich ein christliches Symbol in Form eines Kreuzes, das auf den Beginn der Christianisierung hinweist. Rätsel gibt das Skelett eines Pferdes ohne Kopf auf.

Gräber meist geplündert

Der technische Grabungsleiter Dr. Stefan Weber und sein Team haben zwar einige Funde gesichert, die „meisten Gräber seien jedoch schon hundert Jahre nach der Bestattung geplündert“ worden – einige jedoch fanden die Archäologen noch ungestört vor.

Das Gräberfeld in Kirchheim war vor 1200 bis 1400 Jahren angelegt worden. Damals war das Neckartal von Franken und Alemannen besiedelt. Die Zeitepoche war nach einem fränkischen Königsgeschlecht der Merowinger bezeichnet. Und deren Gräber fallen durch viele Beigaben, wie Schmuck und Waffen, auf, was sich bei den aktuellen Grabungen in Kirchheim bestätigt hat.

Die Ausgrabungen des frühmittelalterlichen Bestattungsplatzes in Kirchheim wertete Dr. Dorothee Brenner vom Referat Denkmalpflege, Inventarisation Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit vom Regierungspräsidium Stuttgart als einen „wichtigen Beitrag zur Erforschung der Zeit des Frühmittelalters. Die Befunde werden nach der Dokumentation ausgewertet und die Funde wissenschaftlich untersucht.“ Um Kirchheim gebe es „zahlreiche Beerdigungsplätze“. Dorothee Brenner geht davon aus, dass es „mehr als tausend Gräber in und um die Gemeinde“ gibt, viele seien „durch die Bebauung zerstört“ worden.

Beigaben im Alten Schloss in Stuttgart zu sehen

Ein reiches Frauengrab wurde 1964 bei Kanalisationsarbeiten in Kirchheim entdeckt. Neben den wertvollen silbernen Armringen, den beiden silbervergoldeten Bügelfibeln und dem Perlrandbecken fiel vor allem eine große, silbervergoldete Riemenzunge auf, die zum Zeitpunkt der Grablege bereits etwa 100 Jahre alt war.

Die Beigaben des Kirchheimer Frauengrabes sind nun in der Schausammlung „Legendäre Meisterwerke“ im Alten Schloss ausgestellt.