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Große Impfbereitschaft an der OPS

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Dort herrscht in dieser Woche Aufbruchstimmung: Die Lehrkräfte erhalten nicht nur Schnelltests, sondern werden auch geimpft.

Eine Apothekerin zieht einen Astrazeneca-Impfstoff auf. Auch die Lehrkräfte der OPS können damit geimpft werden. Foto: picture alliance/dpa
Eine Apothekerin zieht einen Astrazeneca-Impfstoff auf. Auch die Lehrkräfte der OPS können damit geimpft werden. Foto: picture alliance/dpa

Freiberg. Den 5. März wird Schulleiter René Coels wohl ewig in Erinnerung behalten. Es ist der Tag, an dem er seine Corona-Impfung erhält. Eine satte Dosis des Impfstoffs von Astrazeneca, der derzeit in Deutschland nur Menschen unter 64 Jahren verabreicht werden darf. Sozialminister Manfred Lucha hat ihn vor wenigen Tagen auch für Lehrer und Erzieher freigegeben (wir berichteten). Was seine Person anbelangt, sieht der Schulleiter der OPS der Impfung mit gemischten Gefühlen entgegen. Freilich ist seine Freude groß. „Das unterstützt unser Anliegen, die Schulen zu öffnen und gleichzeitig Sorge für die Sicherheit der Lehrer und Schüler zu tragen“, sagt Coels und wird aber auch nachdenklich: „Es gibt mir schon zu denken, dass ich noch vor meinem eigenen Vater geimpft werde.“ Ein gutes Gefühl gibt es ihm aber dennoch, weil der Impfstoff seinem Vater aus Altersgründen ohnehin nicht verabreicht werden darf. Und: „Es kann helfen, die Schulen weiter zu öffnen, ohne sie gleich wieder schließen zu müssen“, sagt der Schulleiter.

Nachdem er seine Kollegen über die Nachricht informiert hat, hätten sie sich „beinahe im Minutentakt“ bei ihm gemeldet und sich über die Vorgehensweise informiert. Die sieht folgendermaßen aus: Auf der Internetseite des Sozialministeriums gibt es Bescheinigungen zum Herunterladen. Diese füllt die jeweilige Schule für jede impfwillige Lehrkraft aus und bestätigt damit, dass sie dort beschäftigt ist. Gleich am Dienstag seien die Bescheinigungen an die OPS-Lehrer ausgegeben worden. „Die Impfbereitschaft unserer Lehrerschaft ist überdurchschnittlich groß und überwältigend“, freut sich Coels. Wie er selbst haben sich seine Kollegen sofort um einen Impftermin gekümmert. Die einen haben es über die Hotline versucht, die anderen online. Er selbst kam sehr zügig bei der 116117 durch und bekam sogar mehrere Termine zur Auswahl. „Ich bin einer der statistischen Glückspilze“, stellt der Mathematiklehrer fest.

Einen großen Einfluss auf den Unterricht wird es derweil nicht haben, dass die meisten OPS-Lehrer bald geimpft sind. Beim Singen im Musikunterricht wird weiterhin eine Plexiglasscheibe zwischen Schüler und Lehrer sein, und Sportunterricht wird es immer noch nicht geben. Doch einigen Schülern und Lehrern werde damit die Sorge genommen, wieder in den Präsenzunterricht zurückzukehren, sagt Coels. Der Impfstoff schützt auch nicht vor Quarantäne. Sprich: Wird ein Schüler positiv auf das Coronavirus getestet, muss neben den Klassenkameraden auch die Lehrkraft zu Hause bleiben – auch wenn sie eine Impfung erhalten hat.

Zweimal pro Woche einen Schnelltest zu erhalten und jetzt auch noch geimpft zu werden, „nimmt den Druck im Bereich der Infektionsgefahr raus – das kommt zur richtigen Zeit“, sagt der Schulleiter. Jetzt hoffe er, dass bald auch alle anderen Teile der Bevölkerung getestet werden können, um mehr Schüler in die Präsenz zurückholen zu können.

Froh ist René Coels auch darüber, dass aktuell kein Lehrer über 64 Jahren an der OPS beschäftigt ist, der aufgrund seines Alters keinen Anspruch auf den Impfstoff hat (siehe Zusatzartikel). „Das wäre für mich ein besonders gefährdeter Kollege, den ich aus dem Präsenzunterricht nehmen würde“, sagt er. Dennoch halte er es für „wichtig, dass hier Klarheit geschaffen wird“.

Wie das Sozialministerium auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, gibt es in Baden-Württemberg rund 1160 aktive Lehrkräfte ab 65 Jahren, die auch im Präsenzunterricht tätig sind. Das entspreche einer Schachtel Biontech-Impfstoff. „Das klingt nicht viel. Aber das ist die derzeitige Wochenration Biontech/Pfizer, die wir einem Kreisimpfzentrum liefern können. So knapp ist der Impfstoff noch“, sagt ein Sprecher des Ministeriums. In der Personengruppe der über 80-Jährigen gebe es im Zusammenhang mit dem Coronavirus die meisten Todesfälle. Deshalb werde dieser Impfstoff derzeit noch dringend gebraucht, um ihn den besonders vulnerablen Ü-80-Jährigen sowie Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen zu verabreichen. „Leider bedeutet das, dass sich Lehrer und andere aus den berechtigten Berufsgruppen ab 65 im Moment noch gedulden müssen. Wir sehen aber das Problem und sind hierüber in Gesprächen, auch mit dem Bund“, so der Ministeriumssprecher.

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