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Auszeichnung

Große Kleinkunst mit Rückenwind

Berta Epple werden Ende April mit dem Kleinkunstpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet. Die drei humorvollen Virtuosen wollen den Schwung mitnehmen und an alte „Tango Five“-Zeiten anknüpfen.

Fulminante Musiker mit gewitzten Programmen: Veit Hübner, Bobbi Fischer und Gregor Hübner (von links) erhalten für ihr Projekt Berta Epple Ende April in Mannheim den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg – und hoffen auf eine Rückkehr ins Stuttgarter The
Fulminante Musiker mit gewitzten Programmen: Veit Hübner, Bobbi Fischer und Gregor Hübner (von links) erhalten für ihr Projekt Berta Epple Ende April in Mannheim den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg – und hoffen auf eine Rückkehr ins Stuttgarter Theaterhaus. Foto: Holm Wolschendorf

Korntal-Münchingen. Ein wenig schwindelig kann einem als Zuschauer bei einem Auftritt von Berta Epple schon fast werden: Fulminante Musikeinlagen treffen auf klugen Witz und feine Gags, zu allem Überfluss werden zwischendurch auch noch fleißig die Instrumente gewechselt. Die Brüder Gregor und Veit Hübner sowie Karl Albrecht „Bobbi“ Fischer bilden das Trio, das elegant zwischen Latin, Jazz, Weltmusik und Chanson wandelt. In diesem Jahr erhalten sie einen der drei mit jeweils 5000 Euro dotierten Hauptpreise des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg. Möglicherweise zu alt, vielleicht auch zu speziell: Allerlei Selbstzweifel ließen sie in den vergangenen Jahren immer wieder Abstand von diesem renommierten Preis nehmen. Denn die Besonderheit ist, dass sich die potenziellen Preisträger selbst bewerben müssen. Im vergangenen Jahr schickten sie dann doch ein Video des aktuellen Programms „Die Rente ist sicher“ ein, aufgezeichnet im Kornwestheimer Casino, dessen Mitbetreiber Veit Hübner ist. Dann kam der erhoffte Anruf. „Sie singen Schwäbisch, Hochdeutsch und auch mal in fremden Sprachen. Das ist lustig, zum Brüllen komisch“, heißt es im Kommentar der Jury. „Im nächsten Moment jedoch kriecht die Melancholie in die Magengrube oder die Haut wird zur Gänsehaut.“

„Wir haben schon die Hoffnung, dass wir durch den Preis noch bekannter werden, mehr spielen“, sagt Sänger und Kontrabassist Veit Hübner. „Wir sind schließlich gerade richtig gut drauf.“ Der Preis sei „eine schöne Bestätigung“, sagt auch Fischer, der auf der Bühne an Klavier, Schlagzeug, Ukulele, Percussion und Akkordeon sowie als Sänger zu erleben ist. Der Dritte im Bunde, Gregor Hübner, lebt größtenteils in New York, hat aber auch eine Professur an der Hochschule für Musik und Theater in München. Bei Berta Epple spielt er Geige, Klavier, Mandoline, Percussion und singt.

Über zwei Jahrzehnte lang waren sie zuvor als „Tango Five“ in etwas größerer Besetzung unterwegs, Musiktheater mit viel Klamauk, aufwendig inszeniert mit Kostümen und Bühnenbild, sie spielten Shows im Stuttgarter Theaterhaus. Dann wurde es Zeit für etwas Neues. „Wir sind erwachsener geworden, sagt Veit Hübner schmunzelnd, „auch organisatorisch wurde es zu aufwendig.“ 2012 wurde also das Trio Berta Epple gegründet – benannt nach dem Stuttgarter Neckarschiff, das übrigens mittlerweile als edles „Le Signac“ durch Paris schippert. „Das Problem damals bei ‚Tango Five‘ war, dass die Leute teilweise irrtümlich zum Tanzen kamen“, erinnert sich Gregor Hübner. „Deshalb wollten wir einen Namen, der nichts aussagt.“ Berta Epple sei witzig, etwas widersprüchlich, man könne viel hineininterpretieren, ob man von dem schwäbischen Schiff nun wisse oder nicht.

In ihren Programmen befassen sich die drei Musiker mit Alltagsthemen. In ihrer aktuellen Show „Die Rente ist sicher“ geht es um das Thema Geld, um die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen, aber auch um das Thema Gesundheit. „Treiben sie bitte Sport! Denn Sport heißt das Losungswort. In der heutigen Zeit wird der Körper kasteit, auch wenn dabei der Geist mal verdorrt“, heißt es in einem Song munter und doppelbödig. Die Programme der drei, die alle in zahlreichen Ensembles und Projekten eingebunden sind und sich daher oft über längere Zeit gar nicht sehen, entstehen so, wie sie am Ende daherkommen: Jeder bringt etwas mit ein, Text oder Musik oder beides. Das laufe immer wieder anders, sagt Veit Hübner, aber grundsätzlich mache eigentlich jeder alles. Und: „Wir sind immer neugierig auf Neues – auf neue Musikstile und neue Themen.“ Berta Epple sei eine Band, bei der Freunde zusammenkommen, indes machen die beiden Brüder als Sprösse einer talentierten Familie natürlich schon seit ihrer Kindheit zusammen Musik. Aber nur zum Spaß machen Berta Epple es nicht: Die guten alten Zeiten im vollen Theaterhaus, sagen sie, dürften gerne wiederkommen.

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