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Große Unterschiede bei den Heimen

Seit Ende Dezember sind die mobilen Impfteams in den Senioren- und Pflegeheimen im Kreis Ludwigsburg unterwegs. Doch während in einigen Einrichtungen Bewohner und Mitarbeiter bereits beide nötigen Impfungen erhalten haben, warten andere Häuser noch auf einen Termin. Einige Beispiele verdeutlichen diese Situation im Landkreis.

Wer in ein Alten- oder Pflegeheim einzieht, ist im Gegensatz zu den meisten Bewohnern noch nicht geimpft. Statt – wie vom Sozialministerium empfohlen – darauf zu warten, dass 15 neue Impflinge zusammenkommen, setzen die Betreiber auf die Hausärzte.Ar
Wer in ein Alten- oder Pflegeheim einzieht, ist im Gegensatz zu den meisten Bewohnern noch nicht geimpft. Statt – wie vom Sozialministerium empfohlen – darauf zu warten, dass 15 neue Impflinge zusammenkommen, setzen die Betreiber auf die Hausärzte. Foto: stock.adobe.com

Besigheim/Mundelsheim. Die Schwiegermutter von Gérard Würfel ist 95 Jahre alt und lebt im Alexander-Stift in Mundelsheim. Wie viele andere Bewohner dort würde sie sich gerne impfen lassen, doch bisher war das noch nicht möglich. Gérard Würfel hat dafür kein Verständnis, zumal die Pflegeeinrichtung so weit vorbereitet ist, dass es jederzeit losgehen könnte. Aufklärungsgespräche wurden geführt, Einwilligungserklärungen unterschrieben. „Wir warten sehnsüchtig jeden Tag auf die Impfung“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Er kann nicht verstehen, warum in einigen Einrichtungen Bewohner und Mitarbeiter bereits beide nötigen Impfungen erhalten haben, in anderen Heimen dagegen noch nicht mal ein erster Termin feststeht.

Im Alexander-Stift in Mundelsheim habe es in der Tat Verzögerungen gegeben, erklärt Steffen Wilhelm von der Diakonie Stetten, die Trägerin der Einrichtung. Er verweist auf den immer noch knappen Impfstoff und die mobilen Impfteams, die zunächst nur vom Robert-Bosch-Krankenhaus aus Stuttgart kamen, um in den Pflegeeinrichtungen im Kreis zu impfen. Mittlerweile ist auch der Landkreis Ludwigsburg mit bis zu fünf eigenen Teams unterwegs, die an das Kreisimpfzentrum angegliedert sind.

Doch nach welchen Kriterien wird festgelegt, wann welche Einrichtung an der Reihe ist? „Oberstes Ziel bei der Festlegung der Reihenfolge war die schnellstmögliche Verimpfung des verfügbaren Impfstoffs. Dies hat sich maßgeblich auf die Planung ausgewirkt“, teilt der Pressesprecher des Landratsamts, Andreas Fritz, mit. Eine entscheidende Rolle habe dabei auch die Verfügbarkeit der Einrichtungen gespielt. „Der Impfstoffmangel hatte keine Auswirkungen auf die Reihenfolge, in der die mobilen Impfteams die Einrichtungen angefahren haben“, so Fritz weiter.

Die Teams würden unter erschwerten Bedingungen und mit eingeschränkten Ressourcen arbeiten, zeigt Steffen Wilhelm vom Alexander-Stift Verständnis dafür, dass nicht in allen Senioren- und Pflegeeinrichtungen gleichzeitig geimpft werden könne. Wenngleich man ebenfalls auf einen baldigen Termin für das Mundelsheimer Haus hoffe. Und der wird noch im Zuge unserer Recherchen bekanntgegeben: Am morgigen Samstag sollen die Impfungen beginnen.

Und wie sieht es in den anderen Senioreneinrichtungen in der Region aus? „Bei uns hat es gut angefangen, jetzt ist es leider etwas ins Stocken geraten“, sagt Kleeblatt-Geschäftsführer Stefan Ebert. Am 27. Dezember wurde im Kleeblattheim in Pattonville die Impfkampagne im Landkreis gegen das Coronavirus gestartet. Mittlerweile haben Bewohner und Mitarbeiter von elf der 26 Kleeblatt-Häuser beide Impfungen erhalten, darunter sind beispielsweise die Einrichtungen in Erligheim und Gemmrigheim. In Asperg und Freudental haben sich die mobilen Impfteams in den nächsten Tagen angekündigt. Ihn erreichten täglich Anfragen von Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern, wann es endlich losgehe, berichtet Ebert. Doch für einige Häuser gibt es noch keinen Termin.

Sehr gut läuft es dagegen bei der Evangelischen Heimstiftung, die unter anderem das Robert-Breuning-Stift in Besigheim, das Haus am Bürgergarten in Walheim und das Karl-Ehmer-Stift in Ingersheim betreibt. In allen drei Einrichtungen hätte die erste Impfung bereits stattgefunden, sagt Pressesprecherin Alexandra Heizereder. Die Impfbereitschaft bei den Bewohnern sei sehr hoch und steige auch bei den Mitarbeitern. Eine Entwicklung, die sich in vielen anderen Heimen in der Region beobachten lässt.

Impfen lassen möchte sich vor allem auch, wer bereits eine Corona-Infektion überstanden hat, weiß Alexandra Heizereder. Doch diejenigen werden mitunter nicht berücksichtigt. „Wenn eine Infektion noch nicht lange zurückliegt, wird man aktuell nicht geimpft“, sagt die Pressesprecherin. Es werde davon ausgegangen, dass diese Personen noch immun seien. Im Robert-Breuning-Stift in Besigheim betrifft das Bewohner und Mitarbeiter. „Sie sind natürlich enttäuscht, dass sie sich jetzt nicht impfen lassen können“, sagt Alexandra Heizereder. Die Evangelische Heimstiftung verstehe, dass die Abwägung getroffen werden müsse, „trotzdem hätten wir es sehr begrüßt, wenn alle, die möchten, auch geimpft werden könnten“.

Die Entscheidung darüber fällen aber nicht die Impfteams: „Wem eine Impfung angeboten werden kann, richtet sich jeweils nach der aktuellen Empfehlung der Ständigen Impfkommission, die für die Kreisimpfzentren bindend ist“, heißt es aus dem Landratsamt. Bis Ende Januar sei die Vorgabe gewesen, dass bereits an Covid-19 erkrankte Personen zunächst nicht geimpft werden sollten. Mittlerweile haben sich die Richtlinien allerdings geändert. Wer eine Infektion überstanden hat, kann nun ebenfalls geimpft werden, etwa sechs Monate nach der Genesung. Möglich ist das aktuell für diejenigen, denen laut Priorisierung eine Impfung zusteht – also auch Bewohner von Pflegeheimen.

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