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Großer Andrang bei Impfaktionen

Warten, warten, warten: Erst vor der Halle, dann bis zur Impfung drinnen. Die Spritze mit dem Vakzin ist schnell gesetzt. Fotos: Holm Wolschendorf
Warten, warten, warten: Erst vor der Halle, dann bis zur Impfung drinnen. Die Spritze mit dem Vakzin ist schnell gesetzt. Fotos: Holm Wolschendorf
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Die ersten mobilen Impfteams haben ihre Arbeit im Landkreis aufgenommen. Nach Affalterbach kommen am Montag mehrere Hundert Menschen und harren geduldig vor der Sporthalle aus.

Affalterbach. Um kurz vor 11.30 Uhr ist der Parkplatz vor der Herbert-Müller-Sporthalle voll. Menschen stehen in einer langen Schlange, die meisten halten schon ihren gelben Impfpass bereit, obwohl noch nicht einmal der Eingang zur Halle in Sicht ist. Geduld ist gefragt an diesem nasskalten Morgen. Während es für weitere geplante Impfaktionen in den Gemeinden zum Teil schon jetzt Terminvergaben gibt und dieser Service ab nächster Woche grundsätzlich angeboten werden soll, „war die Aktion heute ohne Terminvergabe schlicht der Schnelligkeit geschuldet“, sagt Bürgermeister Steffen Döttinger. „Wir wollten einfach rasch ein Angebot machen – und der Andrang zeigt ja, wie wichtig das ist.“ Am 6. Dezember wird übrigens in Affalterbach noch einmal geimpft, dann aber mit Terminvergabe.

In der Sporthalle ist am Morgen so etwas wie ein Mini-Impfzentrum entstanden: Gleich nach dem Eingang, an dem Mitarbeiterinnen der Gemeindeverwaltung die Impflinge in Empfang nehmen, stehen vier Reihen mit Stühlen, von dort geht es zur eigentlichen Registrierung. Mitarbeiter des Bauhofs haben Absperrgitter in die Halle gebracht, die mit blauer Sichtschutzfolie verkleidet sind. Dahinter impfen zwei Teams des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Dr. Kolepke und Kollegen aus Ludwigsburg.

Aus Sicht von Kreisbrandmeister Andy Dorroch, der mit seinem Team auf Landkreisebene die Impfaktionen koordiniert, ein Glücksfall: Denn in Affalterbach haben die Mediziner 500 Impfdosen dabei. Wenn vom 1. Dezember an sechs weitere mobile Impfteams des Klinikums Stuttgart eingesetzt werden, dann können diese immer nur 100 Dosen verimpfen. Denn diese Teams, erläutert Dorroch, werden vom Land geschickt, das auch die Zahl der zur Verfügung stehenden Impfdosen steuert. Das MVZ Kolepke muss sich seinen Impfstoff selbst organisieren, „in diesem Fall ist das ein Segen für uns“, sagt der Kreisbrandmeister. Bis zum 1. Dezember sind im Landkreis vier Teams des MVZ Kolepke, ein mobiles Impfteam (MIT) aus Heilbronn und ein MIT aus Stuttgart unterwegs. Die Teams, die das Land danach schickt, werden voraussichtlich in den Großen Kreisstädten eingesetzt.

Dorroch kündigt zudem an, dass der Landkreis einen ausrangierten Reisebus kaufen und diesen voraussichtlich ebenfalls ab der kommenden Woche auf Tour schicken wird. Damit würden die vier Säulen vervollständigt, auf denen die Strategie des Landkreises aufbaut: Kleine Impfzentren in den Großen Kreisstädten, mobile Impfteams und der Bus an wechselnden Orten, die niedergelassenen Ärzte und schließlich Sonderaktionen, wie es sie zum Beispiel im Breuningerland oder bei einem Spiel der Basketball-Riesen in der Ludwigsburger MHP-Arena schon gab.

Um 11.45 Uhr hat die erste Impfwillige in Affalterbach die Prozedur hinter sich; sie hat sich ihre Auffrischungsimpfung abgeholt. Aus dem gleichen Grund kommt eine andere Frau in die Herbert-Müller-Halle, die etwas später ihr Impfzertifikat in Empfang nimmt. Sie hat ihr Glück schon am Sonntag im benachbarten Rems-Murr-Kreis versucht, „aber nach einer Stunde anstehen haben wir aufgegeben, dort gab es auch weniger Impfstoff.“ In Affalterbach hat sie gut eineinhalb Stunden gewartet; die ersten Impfwilligen sind nach Beobachtungen von Steffen Döttinger schon um 9 Uhr vor der Halle gestanden. Koordinator Andy Dorroch geht übrigens davon aus, dass bei den mobilen Aktionen zwei Drittel Auffrischungsimpfungen und ein Drittel Erstimpfungen verabreicht werden.

Angesichts des Andrangs, der am Montag auch bei einem parallel in Erligheim organisierten Impftermin herrscht sowie bei Aktionen in Freiberg und Bietigheim-Bissingen am Wochenende, nimmt Andy Dorroch hinsichtlich der Ankündigung von Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn, den Biontech-Impfstoff rationieren zu wollen, kein Blatt vor den Mund: „Das ist absoluter Irrsinn, wenn zeitgleich überall die Systeme wieder hochgefahren werden. Vom Ablauf her ein Schuss ins Knie!“