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Großer Umbau: Die Enz bekommt eine zweite Chance

Unterhalb der Wasserkraftanlage wird umgestaltet – Neue Lebensräume – Angelsportler setzten vor dem heutigen Beginn der Baumaßnahmen Fische um

Die Angelsportler beim Umsetzen der Fische .Foto: Alfred Drossel
Die Angelsportler beim Umsetzen der Fische . Foto: Alfred Drossel

oberriexingen. Flächen schaffen, in denen die Fische „einstehen können“, wie der Fachausdruck dafür heißt. Bisher ist dies nicht möglich, sagt Experte Uli Streicher, auch weil häufige Hochwasser den Grund immer wieder verändert. In strömungsberuhigten, warmen und flachen Bereichen finden Jungfische Nahrung und Schutz.

Die Arbeiten finden seit heute auf einer Strecke von rund 700 Metern Länge unterhalb der Wasserkraftanlage in Oberriexingen statt. Sie sollen die ökologische Funktion des Gewässers verbessern. Anlegt werden Kiesinseln, die wie Hindernisse in der Mitte des Flussbetts wirken. Sie werden unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten und Wassertiefen erzeugen – wie ein lebendiges Gewässer. Damit sollen auch neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen, wie Groppen, Eisvögel und Wasserhahnenfuß geschaffen werden.

Im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie soll damit ein guter ökologischer Zustand des Gewässers erreicht werden, teilt das Regierungspräsidium mit. Dieser „gute Zustand“ zeige sich an einem weitgehend natürlichen Vorkommen von Pflanzen und Fischen, an der Durchgängigkeit für alle Lebewesen sowie einer naturbelassenen Uferzone.

An den Ufern sollen teilweise vom Wasser bedeckte Kiesbänke entstehen, die Fische die Möglichkeiten zum Laichen bieten. Buhnen aus Steinmaterial dienen der gezielten Strömungslenkung und schaffen tiefere Wasserbereiche. Auch werden Steine abgelagert. So soll der Enz die Möglichkeit zurückgegeben werden, sich ein Stück weit eigendynamisch zu verändern. Kies kann an steilen Uferbereichen abgetragen werden und an flachen Stellen wieder anlanden.

Als Baustoff wird natürliches, standorttypisches Gesteinsmaterial verwendet. Es komme durch die Veränderungen zu keiner Verschlechterung des Hochwasserschutzes, versichert das Regierungspräsidium in einer Mitteilung.

Auch werde weiterhin das Kanufahren in diesem Bereich möglich sein, so Uli Streicher, der sich allerdings auch wünscht, dass manche Kanufahrer in Zukunft mehr Rücksicht auf die Natur auf der Enz nehmen würden. Zwei Wochen werden Bagger in der Enz arbeiten. Oberriexingen weist darauf hin, dass die Sperrung der Enz wichtig ist. Bei Nichtbeachtung der Sperrstrecke drohe Lebensgefahr. Zur Vorbereitung wurde im Winter ein Zugang zwischen den Gehölzen geschaffen. Die restlichen Uferbereiche bleiben unberührt.(ad/red)