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Grünes Band quer durch den halben Landkreis

Mitte der 1990er Jahre wurde die Grüne Nachbarschaft gegründet. Von Remseck über Ludwigsburg bis nach Bietigheim-Bissingen sollte im Landkreis ein grüner Streifen entstehen. Mit Ausdauer machte man sich daran, den Plan umzusetzen. Bis heute – nach 25 Jahren – sind zahlreiche Projekte entstanden. Und das mit einem Büro, in dem nur eine Person sitzt.

Der Planetenweg von Bietigheim nach Ludwigsburg demonstriert die Abstände zwischen den einzelnen Himmelskörpern. Archivfoto: privat
Der Planetenweg von Bietigheim nach Ludwigsburg demonstriert die Abstände zwischen den einzelnen Himmelskörpern. Foto: privat

Kreis Ludwigsburg. Das Gründungsjahr war eine Zeit des Umbruchs in der Region. Ein Jahr zuvor wurde in der Landeshauptstadt der Verband Region Stuttgart gegründet. Er kümmerte sich unter anderem um die Raumplanung rund um Stuttgart. Das war notwendig geworden, weil in der Region ein immer größer werdender Flickenteppich aus Gewerbegebieten und Siedlungsflächen entstanden war.

Auch im Landkreis wollten damals einige Kommunen ihren Teil dazu beitragen und schlossen sich in der Grünen Nachbarschaft zusammen. Dies waren Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen, Freiberg, Tamm und Remseck. Zwei Jahre später kam auch noch die Gemeinde Ingersheim in der Gruppe an. Vom Neckar bis an die Enz sollte sich mehr Grün durch den Landkreis ziehen. So der Plan damals.

Doch der Anfang war nicht einfach, denn die Landwirte wollten nicht mitmachen. Sie befürchteten, ein Landschaftspark sollte errichtet werden, und das hätte Auswirkungen auf die Bewirtschaftung ihrer Felder gehabt. „Es waren viele Gespräche notwendig, bis wir die Bauern überzeugt hatten, dass wir einen Naturraum planen, in dem auch sie ihren Platz haben“, sagt Gabriele Heusel-Voraus.

Kommunen wachsen zusammen

Sie ist Landschaftsarchitektin und Leiterin der Geschäftsstelle. Und damit hat sich der Personalstamm der Grünen Nachbarschaft auch schon erschöpft. Es bleibt bei einer Person. In der Region Stuttgart leben 2,7 Millionen Menschen. Im Landkreis Ludwigsburg über 500000 Bürger. Bei einem so verdichteten Raum ist Grünplanung wichtig. Einst lagen grüne Flächen zwischen den einzelnen Orten, heute wachsen die Kommunen immer mehr zusammen.

„Es wurden viele Baumreihen gepflanzt, um die wertvollen Flächen in der ausgeräumten Landschaft zu verbinden. Es wurde ein Obstgarten bei Tamm ebenso angelegt wie ein Planetenweg von Bietigheim nach Ludwigsburg“ erzählt Heusel-Voraus.

Dabei ging es nicht nur darum, der Natur etwas zurückzugeben, sondern die Natur auch für die Bürger interessant zu machen. Ein großes Projekt war das Freizeitgelände und der Obstgarten bei Tamm. Die Grüne Nachbarschaft legt auch Obstwiesen und Ackerrandstreifen an, um Insekten und Kleintieren einen neuen Lebensraum zu schaffen.

Im Jahr 2018 verabschiedete sich die Stadt Remseck aus dem Verbund. Finanzielle Engpässe waren der Grund. Sollte es besser gehen, wollte man wieder zurückkommen, hieß es. Doch in Coronazeiten wird das wohl eine Zeit lang dauern. Die Grüne Nachbarschaft hat einen jährlichen Etat von 80000 Euro. Darüber werden die Personalkosten und die Projekte bestritten.

Inzwischen ist man dazu übergegangen, publikumswirksam Wettbewerbe auszuloben oder sich und die Projekte in der Ludwigsburger Casa Mellifera vorzustellen. Coronabedingt fällt das Feiern in diesem Jahr aus. Doch die Flächen mit Wildrosen sollen die Mitgliedskommunen auf jeden Fall noch bekommen.

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