Logo

Grünfläche für alle gewünscht

Reges Interesse an Befragung zum neuen Baugebiet Bottwarwiesen – Nicht autofrei, aber verkehrsberuhigt

Eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe wünschen sich die Bürger bei einer Onlinebefragung.Archivfoto: Andreas Becker
Eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe wünschen sich die Bürger bei einer Onlinebefragung. Foto: Andreas Becker

Oberstenfeld. Familienfreundlich und seniorengerecht, nicht autofrei, aber verkehrsberuhigt, eine für alle Oberstenfelder zugängliche Grünanlage und ein Mix aus Wohnen und Gewerbe: 809 Bürger haben ihre Wünsche und Anregungen in der Onlinebefragung der Wüstenrot Haus- und Städtebau im Auftrag der Gemeinde zum neuen Baugebiet Bottwarwiesen auf dem ehemaligen Werzalit-Gelände abgegeben. „Es soll kein XY-Baugebiet werden, sondern ein neues, modernes, zukunftsorientiertes Projekt“, betonte auch Bürgermeister Markus Kleemann bei der Vorstellung der Ergebnisse in der Gemeinderatssitzung.

Die Mehrheit der Teilnehmer, rund 60 Prozent, war zwischen 31 und 59 Jahre alt, der Anteil der 19- bis 30-Jährigen von mehr als 18 Prozent zeige aber auch, dass auch der jüngeren Bevölkerung die Entwicklung Oberstenfelds als Wohnstandort wichtig ist, betonte Julia Model von der Wüstenrot Haus- und Städtebau bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Familien mit Kindern, Paare sowie Senioren werden als die größten Zielgruppen gesehen, der Bedarf an Wohnraum für Studenten wird eher als gering eingeschätzt. Auch der Ruf nach bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum würde häufig genannt, ebenso der soziale Mix mit Mehrgenerationenwohnen. Auch Seniorenwohnungen mit entsprechenden Zusatzangeboten wünschten sich 56 Prozent. Den Bedarf für Baugruppen sahen nur wenige. „Das lag vielleicht auch daran, dass viele nicht wussten, was damit gemeint ist. Bei solchen Projekten bauen mehrere Interessenten ein Haus nach ihren Wünschen“, erklärte Julia Model. In den Anmerkungen kam außerdem noch der Wunsch nach Tiny Houses, also den kleinen und beweglichen Häusern, auf.

Im Bereich Mobilität bekam eine nachbarschaftliche Plattform mit Mitfahrgelegenheiten oder Bringdienst 45 Prozent Zustimmung, aber auch ein Mitfahrbänkle und Sharingmodelle von E-Autos oder E-Bikes wurden positiv gesehen. Auch Garagenstellplätze und Ladestationen waren ein großes Thema. Der Wunsch nach sicheren Fuß- und Radwegeverbindungen ist mit Blick auf die Nähe zur Landesstraße L1100 mehr als verständlich. Ein sicherer Weg in die Ortsmitte ist ein großer Wunsch. Auch die Sorge um Lärm und zu wenig Parkplätze wird häufig erwähnt. Der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs ist vielen ein Anliegen, auch unter dem Stichwort Bottwartalbahn.

Eine Grünanlage soll für alle Oberstenfelder nutzbar sein, ein Spielplatz ist unverzichtbar, ebenso Bewegungsraum für Senioren. Weniger Zustimmung bekommen gemeinschaftlich genutzte Gärten. Einer ansprechenden Beleuchtung wird mit 76 Prozent ein hoher Stellenwert eingeräumt. Klima- und Umweltschutz wird ebenso häufig genannt, der Schutz der Bottwar ist vielen wichtig, gleichzeitig könnte sie aber auch genutzt werden, so die Anregung.

Neben Wohnen wünschen sich viele eine Kindertagesstätte im Gebiet, eine ärztliche Versorgung und die Ansiedlung eines Bäckers oder Kiosks. Auch nicht störendes Gewerbe wie Handwerksbetriebe kann man sich vorstellen. Ein Drogeriemarkt oder Lebensmitteldiscounter wird eher kontrovers diskutiert, da auch zu viel Verkehr befürchtet wird.

Für eine klimafreundliche Energieversorgung sahen die meisten Solarenergie, Stromspeicherung und ein Nahwärmenetz als geeignet an. Als positiv für das Welt- und Stadtklima wurden Begrünung und Belüftung, aber auch der sinnvolle Umgang mit Regenwasser angesehen. „Ein sprichwörtlich grünes Quartier wird stark befürwortet“, so Julia Model. Ein Viertel der Befragten unterstützte ein autofreies Quartier, die Tendenz ging aber eher zu einer Verkehrsberuhigung.

Gastronomie und Kultur wurden bei den Anmerkungen häufig genannt, auch ein Raum für Vereine. Viele wünschten sich auch, dass die Jugendlichen in den Plänen berücksichtigt werden.

Die vier Planungsbüros, die sich nun um die Ausgestaltung des Rahmenplans kümmern werden, bekommen die Wünsche aus der Onlinebefragung übermittelt und können loslegen. Drei Büros stammen aus Baden-Württemberg, das vierte Büro aus Berlin zog kurzfristig zurück, dafür wurde ein Kölner Büro als Ersatz gefunden. „Ich hätte gerne mehr Infos zu dem neuen Büro gehabt“, bemerkte Michael Meder, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, er sei schon bei dem Berliner Büro skeptisch gewesen, da es doch „sehr abgespaced“ sei. Man habe sich durch die Beauftragung eines Büros von außen noch einen anderen Blickwinkel gewünscht, argumentierte Kleemann. Der Inhaber des neuen Büros habe eine Professur in Aachen und sei in Stadtentwicklung und Architektur erfahren. „Wir erhoffen uns neue Ideen und Innovationen“, so Kleemann.

Autor: