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Grundstein für Gleiskarree gelegt

Seit fast 20 Jahren ist die Stadt Ditzingen damit beschäftigt, das abgewirtschaftete Areal um den Bahnhof umzugestalten. Jetzt befinden sich die millionenschweren Pläne auf der Zielgeraden. Bis 2023 kommen drei neue Wohn- und Geschäftshäuser an den Gleisen dazu.

Baugrube am Ditzinger Bahnhof: Bis zum Frühjahr 2023 soll hier das Gleiskarree entstehen – mit Wohnungen, Einzelhandel, Gastronomie und Grünflächen. Am Dienstag ist schon einmal der Grundstein gelegt worden. Foto: Ramona Theiss
Baugrube am Ditzinger Bahnhof: Bis zum Frühjahr 2023 soll hier das Gleiskarree entstehen – mit Wohnungen, Einzelhandel, Gastronomie und Grünflächen. Am Dienstag ist schon einmal der Grundstein gelegt worden. Foto: Ramona Theiss

Ditzingen. Als sich die Münchener Immobilienfirma Real I.S. mit dem Gedanken trägt, mehr als 20 Millionen Euro in ein Grundstück am Ditzinger Bahnhof zu investieren, müssen sich ihre Entscheidungsträger erst einmal über die Suchmaschine Google über die Kommune schlaumachen. Sie finden schnell heraus, dass Ditzingen in einer der prosperierendsten Regionen Europas liegt, landschaftlich viel zu bieten hat und gut über den ÖPNV an Stuttgart angebunden ist – ein Top-Asset, wie es Neudeutsch heißt, das gut ins Portfolio passt. So erzählt es zumindest der Real-I.S.-Manager Stephan Anderl am Dienstag vor Ort.

In den kommenden knapp zwei Jahren errichtet das Tochterunternehmen der Bayerischen Landesbank auf einer Fläche von rund 4700 Quadratmeter drei Gebäude und bringt dort Wohnraum, Büros und Flächen für Einzelhandel und Gastronomie unter. Darunter ist ein Wohnturm, der auf eine stattliche Höhe von rund 22 Metern kommt. Anderl verspricht, keine Betonwüste entstehen zu lassen. „Auf mehr als der Hälfte sollen Grünflächen angelegt werden, die frei zugänglich sind“, sagt er bei der Grundsteinlegung. „Wir sind keine Hasardeure, sondern langfristig denkende Kaufleute.“ Ihr Ditzinger Projekt hat das Unternehmen Gleiskarree getauft.

Der Ditzinger Oberbürgermeister Michael Makurath zeigt sich erfreut, dass die Runderneuerung am Bahnhof jetzt auf der Zielgeraden angekommen ist. Die Kommune beteiligt sich an dem Gleiskarree, das den zweiten und letzten Bauabschnitt am Bahnhof bedeutet, mit rund 4,5 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren hat die Stadt bereits gut zehn Millionen Euro in einen Zentralen Omnibusbahnhof, ein Parkhaus und eine Immobilie investiert, in Grün gehalten, die schon Geschäfte und Büroflächen beherbergt. Wie Anderl hat sich auch Makurath bei Google über seinen Vertragspartner informiert, wie er am Dienstag anmerkt. „Wir wollten sichergehen, dass Qualität entsteht und wir es nicht mit einer Eintagsfliege zu tun haben“, so der OB.

Das Bahnhofsareal bezeichnete er als das Eingangstor zur Stadt und zentralen, hochfrequentierten Ort, an dem seit langem „erheblicher Handlungsbedarf“ besteht. Seit Beginn der Nullerjahre geht in Ditzingen der Wunsch um, die Flächen des alten Güterbahnhofs umzubauen. Allerdings habe es zehn Jahre gedauert, der Eigentümerin Deutsche Bahn das Gelände abzukaufen – auch wenn die keine Pläne mehr für die Brache hatte.

Makurath ist überzeugt davon, dass sich das Gleiskarree zu einem Hingucker entwickeln wird, wenn es im zweiten Quartal des Jahres 2023 an den Start gehen soll. Die Vermarktung der Flächen hat längst begonnen. Corona habe zwar für eine nicht ganz einfache Ausgangslage gesorgt, allerdings ziehe die Konjunktur wieder an.

Einen Gastronomen, der das Ensemble bespielt, hat die Real I.S. bereits gefunden. Er heißt Epifanio Cardelia und ist Kennern vom Golfclub Schloss Nippenburg bekannt. Im Gleiskarree will er Pizza und Pasta servieren, die in einer offenen Showküche zubereitet werden. Dazu kommen Cocktails. Weitere Mietverträge könnten laut Anderl schon bald abgeschlossen werden, ohne konkreter zu werden. „Wir sind zuversichtlich“, sagt der Manager am Dienstag. Er glaubt, dass bald sogar die S21-geplagten Stuttgarter „voller Neid“ nach Ditzingen und das „attraktive Bahnhofsensemble“ dort schauen werden.

Alles, was sich die Stadt auf dem Areal vorgenommen hat, wird sie allerdings nicht umsetzen können. Aus finanziellen Gründen hat sie den Bau eines Fahrradparkhauses und einer Fußgängerbrücke geschoben. Zudem hat sich die Ansiedlung eines Hotels laut Makurath „bisher nicht realisieren lassen“. In der Ablage P sind diese Pläne aber offenbar nicht gelandet. Makurath hat in den vergangenen Jahren erlebt, dass am Bahnhof ein langer Atem gefragt ist.

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