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Gute Absicht trifft auf Wirklichkeit

Schüler gelten pauschal als getestet, doch das wird nicht überall akzeptiert – Stadt will auf Vereine und Veranstalter zugehen

Immer wieder werden Kinder und Schüler zum Testen geschickt, obwohl sie nicht müssen. Foto: Holm Wolschendorf
Immer wieder werden Kinder und Schüler zum Testen geschickt, obwohl sie nicht müssen. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Seit Montag sind Coronatests nicht mehr kostenlos. Für Kinder und Jugendliche gibt es aber Ausnahmen: Noch nicht Eingeschulte sind von der Testpflicht ausgenommen, wer noch keine zwölf Jahre alt ist, muss weiterhin nichts bezahlen und bei unter 18-Jährigen bleibt es bis zum Ende des Jahres bei der freien Testung. Doch müssen Schüler überhaupt eine Teststation aufsuchen? Eigentlich nicht, sagt das Sozialministerium.

Statt einer Testbescheinigung reicht laut aktueller Coronaverordnung des Landes Baden-Württemberg bei Schülern allein der Nachweis aus, dass sie eine Bildungseinrichtung besuchen, um die Anforderungen an die 3G-Regelung (geimpft, getestet oder genesen) zu erfüllen. Das Sozialministerium nennt auf Nachfrage unserer Zeitung die Vorlage eines Schülerausweises, einer Schulbescheinigung, einer Kopie des letzten Jahreszeugnisses, eines Schüler-Abos oder eines sonstigen schriftlichen Nachweises der Schule. Der Grund für diese Ausnahmeregelung für Schüler: Sie werden ohnehin dreimal die Woche in der Schule auf Corona getestet.

200 Schüler kommen jede Woche zum Test vorbei

Doch die Realität sieht anders aus. Laut Gregor Kern von der Tübinger Firma KME, die im Ratskellerpavillon eine Teststation betreibt, kommen hier pro Woche rund 200 unter 18-Jährige zum Coronatest. Denn ob Schwimmtraining, Sportwettkampf oder der Besuch eines Freizeitparks, oft werde für Teilnahme beziehungsweise Eintritt ein negativer Test verlangt, der Schülernachweis reiche den Veranstaltern nicht aus.

Die Stadt Ludwigsburg will deshalb nochmals auf Ludwigsburger Vereine und Gewerbetreibende zugehen und die geltenden Regelungen erläutern. „Offensichtlich akzeptieren einige Vereine, Veranstalter und andere Einrichtungen des öffentlichen Lebens diese rechtlich eindeutige Situation nicht“, stellt die Stadt fest und macht nochmals deutlich:

Für den Besuch von Örtlichkeiten des öffentlichen Lebens mit 3G-Regelung, genüge bei Schülern unter anderem ein Nachweis des Alters. Dies könne zum Beispiel durch ein amtliches Dokument, aber auch aufgrund des Erscheinungsbildes des Kindes belegt werden.

Der geschäftsführende Schulleiter aller Ludwigsburger Grundschulen, Bernhard Bleil, betont, dass es nicht üblich sei, für Grundschüler Schülerausweise auszustellen. Wie unsere Zeitung erfuhr, hatte eine Ludwigsburger Grundschule das aber angeboten, um den Kindern die Teilnahme an außerschulischen Aktivitäten zu erleichtern, ist aber vor allem wegen des Verwaltungsaufwandes inzwischen wieder zurückgerudert.

Ratlos zurück bleiben die Eltern. „Entweder gelten Schüler als pauschal getestet und dürfen ihren Freizeitaktivitäten nachgehen oder aber die Schulen müssen die Tests bescheinigen“, fordert eine Mutter. Das Sozialministerium wirbt derweil um mehr Pragmatismus. Gregor Kern von KME glaubt indes, dass auch weiterhin Kinder und Jugendliche zum Testen kommen, da seiner Einschätzung nach die bloße Tatsache, Schüler zu sein, für Zoobesuch und Co. wohl auch künftig nicht ausreicht.

Ungelöst ist nach wie vor ein weiteres Problem, über das unsere Zeitung bereits im Sommer berichtet hatte: Kinder bis 16 Jahre sind in Deutschland gar nicht ausweispflichtig, doch das Bundesgesundheitsministerium fordert laut aktueller Verordnung einen „amtlichen Lichtbildausweis zum Nachweis der Identität“ oder bei Minderjährigen einen „sonstigen amtlichen Lichtbildausweis“, um sich offiziell testen lassen zu können. Eine schwammige Formulierung, die Kern juristisch prüfen ließ. Das Ergebnis: Er müsse von Minderjährigen auch weiterhin einen Kinderausweis verlangen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Der werde in den meisten Fällen auch vorgelegt, so Kern.

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