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Gute Leistungen trotz Corona

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Heute geht es darum, wie sich die Leistungen der Schüler nach fast einem Jahr Pandemie entwickelt haben.

Rund 600 Zeugnisse muss Schulleiter René Coels unterschreiben. Foto: Holm Wolschendorf
Rund 600 Zeugnisse muss Schulleiter René Coels unterschreiben. Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg. Wenn an der Oscar-Paret-Schule die Verteilung der Zeugnisse und Halbjahresinformationen ansteht, glühen bei Gesamtschulleiter René Coels (Abteilung Gymnasium), Timo Kuschnier (Abteilung Realschule) und Petra Schwinghammer (Abteilung Gemeinschaftsschule) die Füllfederhalter. Denn insgesamt 1350 Dokumente müssen unterschrieben und gestempelt werden. Allein René Coels muss bei 600 Nachweisen über die Leistungen der Schüler im vergangenen Halbjahr seinen Namen setzen. Dafür darf er gut und gerne einen kompletten Arbeitstag einplanen. „An diesem Tag mache ich nichts anderes“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bis Dienstag, 18 Uhr, haben die Notenkonvente an der OPS gedauert. Dabei musste das Kollegium mehr Zeit als sonst investieren, da durch die Coronakrise eine ganz neue Situation entstanden war. So mussten die Lehrkräfte nicht nur über die schriftlichen und mündlichen Noten im Präsenzunterricht sprechen, sondern auch die Leistungen der Schüler im digitalen Fernlernen mit einbeziehen. Und da hat der OPS-Schulleiter durchaus Besonderheiten zu vermelden: „Es gibt introvertierte Kinder, die im Fernunterricht geradezu aufblühen, sowie lebhafte Kinder, die sich zuhause eher verstecken“, weiß Coels. Zudem gebe es einige Schüler, die Schwierigkeiten mit dem selbstständigen Lernen haben, was im Homeschooling eine der Grundvoraussetzungen schlechthin ist. Macht ein Schüler im Präsenzunterricht nicht mit, habe die Lehrkraft die Möglichkeit, direkt zu ihm hinzugehen „und auch mal ein Schweigen auszuhalten“. Im Fernunterricht komme es dagegen schon mal vor, dass ein Schüler außer der Kamera auch das Mikrofon einfach nicht anmacht. „Da bleiben viele leider hinter ihren Möglichkeiten zurück“, bedauert Coels. Wenn sich ein Kind im digitalen Unterricht wegduckt und die Mitarbeit verweigert, dürfe man das keineswegs ignorieren. Dann wendet sich die Lehrkraft direkt an den Schüler und sucht das Gespräch. Funktioniert das nicht, kontaktiert die Schule die Eltern. Sind diese tagsüber nicht zuhause und das Kind ist sich selbst überlassen, sind auch den Lehrern die Hände gebunden. „Dann hören unsere Möglichkeiten auf“, sagt Coels.

Und wie haben die Schüler während der Pandemie im Vergleich zum Vorjahr abgeschnitten? „Die Beurteilung fällt nicht schlechter aus“, so der Schulleiter, der sich die Mühe gemacht hat und in jeder Klassenstufe die Leistungen mit denen im vergangenen Schuljahr vergleichen hat. Das Ergebnis: In jeder Klassenstufe blieb das Leistungsniveau der Schüler gleich oder war sogar um ein Zehntel besser, Eine positive Überraschung auch für die Lehrkräfte, wie Coels sagt: „Wir hatten uns wegen möglicher Defizite schon Sorgen gemacht, doch die waren in Bezug auf die Lerninhalte nahezu nicht existent.“ Die Zahl der versetzungsgefährdeten Schüler habe auch nicht zugenommen.

Doch wie lässt sich das erklären? Laut Coels „ist bei den Schülern mehr Unterricht angekommen als im Vorjahr“. Sprich: Der Krankenstand war deutlich geringer und außerschulische Programme von der Klassenfahrt über die Skiausfahrt bis hin zum Schüleraustausch fanden nicht statt. Diese durch Corona hinzugewonnene Zeit wurde für den Unterricht genutzt – auch wenn er momentan digital stattfindet. Außerdem, so Coels, haben die Schüler hinsichtlich des Arbeitens im Homeschooling deutlich dazugelernt.

Dennoch haben die Lehrkräfte der OPS bei den Schülern auch Defizite insbesondere bei der Methodik festgestellt. So lässt sich beispielsweise das Arbeiten mit dem Geodreieck im Präsenzunterricht besser demonstrieren als digital. Auch das Zitieren im Fach Deutsch ließ mitunter zu wünschen übrig, so wie die sprachlichen Fertigkeiten in den Fremdsprachen. Hier möchte die OPS ebenso ansetzen wie bei der Persönlichkeitsbildung der Schüler, die im Lockdown zu kurz kommt. So fehlt der Kontakt mit Gleichaltrigen, der normalerweise viele Effekte auf die Jugendlichen hat wie zum Beispiel beim verbalen Ausdruck, beim Verhalten aber auch beim Knüpfen von Freundschaften. Deshalb sei geplant, solche Aktivitäten wie Ausfahrten und dergleichen, die in diesem Schuljahr zu kurz kommen, im nächsten wieder vermehrt in Angriff zu nehmen.

Wie die Leistungen der Schüler sind auch die Zahlen bei der Nachhilfe – zumindest in der hauseigenen Lernwerkstatt – nahezu unverändert geblieben. „Erfahrungsgemäß gehen hier die Zahlen im zweiten Halbjahr hoch, wenn beim einen oder anderen Schüler der Abschluss in Gefahr geraten ist“, weiß Coels. Auch in diesem Bereich habe die Schule ihre Angebote auf Digital umgestellt.

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