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Handwerk zeichnet Azubi-Elite aus

Bundessieger: Deutschlands bester Weintechnologe hat seine Ausbildung bei der WZG in Möglingen gemacht

„Wein ist ein ganz einzigartiges Produkt, bei dem man durch den Ausbau ganz unterschiedliche Geschmacksnuancen erzielen kann“, sagt Bundessieger Tobias Joos. Foto: privat
„Wein ist ein ganz einzigartiges Produkt, bei dem man durch den Ausbau ganz unterschiedliche Geschmacksnuancen erzielen kann“, sagt Bundessieger Tobias Joos. Foto: privat

Ludwigsburg/Berlin. Drei junge Handwerker aus der Region Stuttgart gehören zur Elite der Auszubildenden im deutschen Handwerk, einer von ihnen ist bei der Württembergischen Weingärtner Zentralgenossenschaft in Möglingen ausgebildet worden. Bei Europas größtem Berufswettbewerb, der in diesem Jahr coronabedingt unter besonderen Bedingungen virtuell stattfand, wurden sie als erste Bundessieger ausgezeichnet. Darüber hinaus wurden im Landkreis Ludwigsburg auch zwei der zweiten Bundessieger und ein dritter Bundessieger ausgebildet.

Alle Preisträger hatten sich bereits als Landessieger qualifiziert. Die Festrede bei der Schlussfeier des 69. bundesweiten Leistungswettbewerbs hielt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

„Das erfolgreiche Abschneiden beim Leistungswettbewerb ist die logische Konsequenz der hervorragenden Ausbildungsleistung im Handwerk der Region“, stellte Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, fest. „Hinter jedem Sieger steht ein Topbetrieb, der den Berufsnachwuchs ausbildet. Dieses Engagement war Basis für die Gesellen, dieses hohe Leistungsniveau zu erreichen.“

Erste Bundessieger: Mit der bundesweit besten Abschlussprüfung schaffte es Tobias Joos auf den Spitzenplatz bei den Weintechnologen. Der 21-Jährige aus dem Fellbacher Stadtteil Schmiden hat seine Ausbildung bei der Württembergischen Weingärtner Zentralgenossenschaft e.G. (WZG) in Möglingen gemacht. Tobias Joos liebt alle Facetten des Rebensaftes, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. „Wein ist ein ganz einzigartiges Produkt, bei dem man durch den Ausbau ganz unterschiedliche Geschmacksnuancen erzielen kann“, betont Joos. Seinen Ausbildungsgang könne er nur empfehlen. „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich“, sagt der Weintechnologe. Man arbeite mit den Trauben als Grundprodukt, begleite aber auch alle Produktionsprozesse – von der Verkostung, über die Laborarbeit mit chemischen Analysen bis hin zum kellertechnischen Teil.

Mittlerweile hat Tobias Joos sein Studium der Internationalen Weinwirtschaft in Geisenheim im Rheingau (Hessen) aufgenommen. Als nächste Etappe strebt er zunächst ein Auslandspraxissemester in Kalifornien an.

Als beste Holzblasintrumentenmacherin überzeugte Laura Claassen aus Waiblingen. Sie hat ihre Lehre in der Meisterwerkstätte für Holzblasinstrument GmbH von Bernd Moosmann (Waiblingen) absolviert. Die Ausbildung als Systemelektroniker schloss der Bundessieger Ben Bubeck aus Ostfildern beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart ab.

Zweite Bundessieger: Den zweiten Platz in seinem Handwerk belegte der Stuttgarter Felix Finn Brenner. Der 22-Jährige, bei dem das Glaserhandwerk eine lange Familientradition hat, absolvierte nach dem Abitur seine Ausbildung als Glaser bei der Strobel GmbH in Ludwigsburg. Brenner schätzt an seinem Beruf die abwechslungsreichen Tätigkeiten, die einen auch vor unerwartete Herausforderungen stellen. Bei Strobel hat er alles gelernt, angefangen bei der Produktion jeglicher Fensterarten, in individuellen Ausführungen und in allen Materialien: Holz, Kunststoff und Aluminium. Nicht selten müsse man „individuelle Lösungen“ finden. Für sehr wichtig hält er auch die Montage. „Viele Betriebe montieren nur noch industriell gefertigte Fenster“, sagt er. Dabei sei gerade der Bau individueller Fenster besonders interessant. Zudem seien so auch die Lieferzeiten kürzer. Im nächsten Sommersemester möchte Brenner an der Uni Stuttgart ein Bauingenieur-Studium beginnen. Ebenfalls als zweite Bundessiegerin wurde die Sattlerin Cheyenne Jilke aus Remseck ausgezeichnet. Die 20-Jährige hat ihre Ausbildung bei der Königherz GmbH in Steinheim an der Murr gemacht. „Super, damit habe ich nicht gerechnet“, sagt die Sattlerin zu ihrer Auszeichnung, die sie für ihren Autositz für einen BMW E36 erhalten hat. Jilke schätzt die Vielseitigkeit an ihrem Beruf, der sowohl Polsterei wie auch Sattlerei umfasst – Autositze, Türverkleidungen oder auch Motorradsitze. „Am liebsten habe ich das Polstern, sagt die 20-Jährige. Man arbeite an der Nähmaschine, müsse mal zum Hammer greifen, sich selbst eventuell auch ein passendes Werkzeug bauen oder umformen. Mit ihrem Preis habe sie die Chance eines Stipendiums bekommen, die sie nutzen werde. Cheyenne Jilke will nun bei Königherz ihren Meister machen.

Auch Jessica Mayer aus Grafenau wurde zweite Siegerin. Sie lernte ihren Beruf als Orgel- und Harmoniumbauerin bei der Mühleisen GmbH Werkstätte für Orgelbau in Leonberg.

Dritter Bundessieger: Gießereimodelle gehören zum Beruf von Hans Knoll, der als Technischer Modellbauer einen Platz als dritter Bundessieger in der Fachrichtung Gießerei erzielte. Ausgebildet hat den 19-Jährigen die Reisinger Modellbau GmbH in Erligheim. Es geht um das Programmieren, Fräsen, Drucken, Schleifen, den Entwurf sowie Bau von Gießereimodellen und nicht zuletzt um CNC-Maschinen. „Vor allem Gießereimodelle sind kompliziert“, sagt Knoll, der die Auszeichnung für eine kleinere Modell-Gießerei-Einrichtung erhielt. Der 19-Jährige schätzt die Vielseitigkeit in seinem Beruf. Die nächste Etappe: Im Herbst 2021 will er im Fachbereich Maschinenbau seine Techniker-Ausbildung starten.

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