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„Hangeln uns von Woche zu Woche“

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Heute äußert sich Schulleiter René Coels zur Schulschließung bis 31. Januar.

Bis Ende Januar ist für die meisten Schüler der OPS digitaler Fernunterricht angesagt. Foto: Uli Deck/dpa
Bis Ende Januar ist für die meisten Schüler der OPS digitaler Fernunterricht angesagt. Foto: Uli Deck/dpa
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Freiberg. Wenn sich René Coels an den Computer setzt, um einen Elternbrief zu verfassen, geht es längst nicht mehr nur um ganz allgemeine Informationen rund um den Schulbetrieb. Seit Beginn der Coronapandemie informiert er die Eltern spätestens alle ein bis zwei Wochen vorwiegend über die Umsetzung der neuesten Regelungen des Landes. Wie viele Briefe es seit Mitte März des vergangenen Jahres waren, hat der Schulleiter der OPS nicht mitgezählt. „Es dürften so um die 25 gewesen sein“, schätzt er. Das neueste Schreiben ging am Donnerstagnachmittag raus und bot einmal mehr umfangreichen Lesestoff. Genau 22 Seiten waren es, die er dieses Mal per E-Mail an die Eltern schickte.

„Wir haben festgestellt, dass die aktuellen Regelungen bei den Eltern für Verwirrung darüber gesorgt haben, was in den Schulen passiert“, sagt Coels im Gespräch mit unserer Zeitung. Kein Wunder, schließlich bedeutet die neueste Verordnung für viele der Beteiligten eine Hängepartie. Klar ist, dass die Schulen bis 31. Januar geschlossen bleiben und die Schüler an weiterführenden Schulen – so auch in der OPS – ab Montag Fernunterricht haben. Unklar ist dagegen, wie es am 18. Januar für die Abschlussklassen weitergeht. Denn für sie soll es dann „nach Möglichkeit mit dem Präsenzunterricht weitergehen“, wie es in den Rahmenbedingungen heißt, die das Kultusministerium vorgelegt hat. Dazu werde es kommende Woche auf der Basis dann vorliegender Daten erneut Gespräche geben.

„Es ist alles andere als gut, dass wir uns von Woche zu Woche hangeln müssen“, kritisiert Schulleiter Coels diese Vorgehensweise. Sicherlich müsse das Infektionsgeschehen in Betracht gezogen werden. Doch für Schüler, Eltern und Schulen sei es problematisch, erst am Wochenende zu erfahren, wie zum Wochenbeginn verfahren werden soll. Immerhin müssten viele Eltern die Betreuung ihrer Kinder organisieren und dafür mit dem Arbeitgeber verhandeln. Für die Schüler sei es wichtig, zu wissen, wie die nächsten Wochen hinsichtlich Projekten und Klassenarbeiten aussehen. Sie seien somit einer Stresssituation ausgesetzt, „die ihnen auch noch den letzten Halt nimmt“, sagt Coels. Die Schulen selbst könnten so kurzfristig kaum ordentlich planen, was am Ende nicht vorteilhaft für eine qualitativ hochwertige Arbeit sei.

Neben der Infektionsgefahr beim Präsenzunterricht treibe die Schüler insbesondere die Sorge um, wie und wann entfallene Klassenarbeiten nachzuholen sind. Hier kann der Schulleiter beruhigen. „Wir haben bis Ende Februar Zeit, die Halbjahreszeugnisse auszugeben“, so Coels. Die Schule hätte für die Abschlussklassen einen vorbehaltlichen Prüfungsplan für die Zeit vom 18. bis 30. Januar erstellt, laut dem kein Schüler mehr als drei Klassenarbeiten pro Woche zu schreiben hat. Bei den anderen Schülern sei die Situation entspannter. Bei ihnen hänge die Halbjahresinformation nicht von einer bestimmten Anzahl geschriebener Arbeiten ab. „Der Prüfungsplan könnte allerdings Makulatur sein, da noch nicht klar ist, ob die Abschlussklassen am 18. Januar in die Präsenz zurückkehren oder weiterhin online unterrichtet werden“, so Coels.

Für Schüler der Klassen 5 bis 7, deren Eltern auf eine Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind, wird eine Notbetreuung eingerichtet. Diese muss schriftlich beantragt werden. Dazu ist eine Unabkömmlichkeitserklärung des Arbeitgebers vorzulegen. Für die Schüler in der Notbetreuung sind vormittags Lehrer in der Schule. Die Kinder bekommen dort einen PC für die Teilnahme am Fernunterricht zur Verfügung gestellt. „Wir sind für den digitalen Unterricht glücklicherweise gut aufgestellt und haben für unsere Schüler und Lehrer genügend Geräte zur Verfügung“, sagt der Schulleiter. „Die Infrastruktur steht.“

Die Hausaufgabenbetreuung an der Oscar-Paret-Schule wird im Verlauf des Schuljahres 2020/21 zwar generell weiter angeboten, muss laut Coels jedoch im Monat Januar aufgrund der aktuellen Verordnungen geschlossen bleiben.

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