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Hartes Gefeilsche um Zwillingsstillkissen

Wenn es doppelt Nachwuchs gibt: Hemminger Basar bietet alles vom Doppelbuggy bis zum Schneeanzug

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Ausstattung im Doppelpack: Auf dem Zwillingsbasar in Hemmingen werden Kinder, Eltern und Großeltern glücklich. Foto: Karin Rebstock

Ludwigsburg. Das ist wie Schlussverkauf zu seinen besten Zeiten. Wie in einem großen Kaufhaus nur für die Kleinen. Der Hemminger Zwillingsbasar ist beliebt wie eh und je. Das ist auch kein Wunder bei den Preisen. 

Schwangere bekommen beim Zwillingsbasar eine halbe Stunde Vorsprung. Bevor alle anderen das Haus der Süddeutschen Gemeinschaft an der Alten Schöckinger Straße stürmen, können sich die Frauen in Umständen schon einmal umschauen. Trotz Internethandels boomt der Gebrauchtwarenmarkt. „Hier kann ich mit meinen eigenen Augen sehen, in welchem Zustand das Angebot tatsächlich ist“, sagt eine werdende Mutter aus Ilsfeld. Eine andere aus Weissach pflichtet ihr bei: „Hier kauft man keine Katze im Sack.“ Männer sind da pragmatischer. Sie wollen ausprobieren, wie ein Zwillingskinderwagen zusammengeklappt wird – und ob er überhaupt in den Kofferraum der Familienkutsche passt.

Das Anbot ist riesig: von der Stillpumpe zum Kinderstuhl, von Flip-Flops bis zum Schneeanzug, vom Buch zur Erziehungsberatung bis zum Brettspiel. Es ist fast alles zu haben. Sogar das Zwillingsstillkissen.

Im Untergeschoss wird der Fuhrpark gehandelt. Laufräder und Tretroller, Dreiräder und Bobby-Cars. Zwillingskinderwägen und Doppelbuggies sind am begehrtesten und am schnellsten verkauft. Bis zu 70 Prozent können die Käufer gegenüber dem Neupreis locker sparen. „Einmal hatten wir schon einen Drillings-Wagen“, erinnert sich Andreas Keck, der seiner Frau Ruth assistiert.

Die Händler brauchen allerdings gute Nerven. Es wird auch unter Deutschen manchmal hart gefeilscht, wie auf einem orientalischen Basar. „Manche wissen den Wert der Ware gar nicht mehr zu schätzen“, sagt eine Anbieterin leicht frustriert, während eine andere sagt: „Meine Preise werden akzeptiert.“ Allerdings habe sie auch günstig kalkuliert. „Hauptsache ich werde alles los.“ Kleiderschränke, Keller und Garage würden nach Platz schreien. Drei Freundinnen um Ruth Keck haben vor über zehn Jahren in Hemmingen den Zwillingsbasar ins Leben gerufen. Zum einen, weil sie aus eigener Erfahrung wussten, wie teuer so eine Ausstattung im Doppelpack ist und zum anderen, wie schnell der Platz knapp wird.

Einkaufen darf hier jeder. Verkaufen aber nur die, die Zwillinge oder Drillinge haben – mindestens. 30 Stände sind es dieses Jahr geworden, mehr geht beim besten Willen nicht und die sind immer ganz schnell vergeben. Zehn Anbieter haben dieses Frühjahr eine Absage bekommen. Dennoch wollen die Organisatoren nicht in die Gemeindehalle umziehen. Es würde dort viel Atmosphäre verloren gehen, befürchten sie.

Neben dem Kaufen steht das Gespräch im Vordergrund. Mütter und Väter von Zwillingen und die, die es demnächst werden, tauschen sich aus. Die Kinder sind beim Schminken beschäftigt, oder sie basteln Tiere aus Papierbögen. Bei allem Andrang: Es geht überwiegend entspannt zu. Nur beim Parken der Autos ist es draußen manchmal etwas stressig.