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Bildung

Hartmut Engler als Gesicht fürs Lesen und Schreiben

Kultusministerin Susanne Eisenmann hat gestern Hartmut Engler als Baden-Württembergs neuen Botschafter für Alphabetisierung vorgestellt. Der in Ingersheim geborene Sänger der Band Pur soll auf das Problem Analphabetismus aufmerksam machen.

Setzt sich in Zukunft auch für die Weiterbildung von Analphabeten ein: Pur-Sänger Hartmut Engler. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Setzt sich in Zukunft auch für die Weiterbildung von Analphabeten ein: Pur-Sänger Hartmut Engler. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Kreis Ludwigsburg. Bei einem Aufenthalt in Moskau ist es Hartmut Engler bewusst geworden, wie schwer man sich orientieren kann, wenn die Schriftzeichen unbekannt sind. „Da muss man erst in einen Laden hineingehen, um zu wissen, was darin verkauft wird“, sagte der Sänger und Songwriter. In dieser Situation seien Analphabeten immer, so Kultusministerin Susanne Eisenmann. Deshalb hat ihr Ministerium es sich zur Aufgabe gemacht, Hilfe anzubieten. „Wir wollen zeigen: Es ist nicht schlimm, wenn man etwas nicht kann. Wichtig ist, zu wissen, wo man Hilfe bekommt“, machte Eisenmann deutlich. Eine Chance, die Betroffenen zu erreichen, sieht die Ministerin in Hartmut Engler als Botschafter für die Alphabetisierung. „Er hat eine hohe Authentizität“, so Eisenmann.

Engler war geschockt, als er hörte, dass jeder zehnte Erwachsene in Deutschland nicht richtig lesen und schreiben kann. „Sprache hat mich schon immer fasziniert“, so der Sänger. Die gehöre schließlich zum Singen dazu. Er hofft, dass er als Botschafter Betroffene und Angehörige erreichen kann. „So weit, dass ich ‚Komm mit mir ins Alphabetisierungsland‘ singen werde, ist es aber noch nicht“, sagte Engler lachend. Dennoch sei es möglich, Eindrücke seiner neuen Aufgabe in ein Lied einfließen zu lassen. Singen wird er als Botschafter vorerst nicht. Stattdessen möchte das Kultusministerium mit Videobotschaften und Interviews für Weiterbildungsmöglichkeiten werben.

Zustimmung für das Programm gibt es von der SPD-Fraktion im Landtag. „Es ist richtig, das Thema ins Zentrum der öffentlichen Diskussion zu rücken“, sagte SPD-Bildungsexperte Daniel Born. Ein prominentes Gesicht für die Kampagne könne dabei nur helfen. Der Erfolg hänge jedoch von den Strukturen und der Qualität der Förderungen ab, so Born weiter. Dazu zähle etwa die bessere Ausstattung der Weiterbildungsträger durch das Land.

Auch Jürgen Schmiedel, Leiter der Schiller-Volkshochschule, begrüßt die Entscheidung, Hartmut Engler als Botschafter einzusetzen. „Der Kampf gegen den Analphabetismus ist eine Riesenaufgabe“, so Schmiedel. Dass sich ein Prominenter dafür zur Verfügung stellt, sei super. Auch die VHS selbst wolle helfen, die Zahl der Analphabeten zu verringern. Neben Kursen für Betroffene bietet sie auch Seminare für Multiplikatoren an. Das sind etwa Erzieher und Lehrer, die Möglichkeiten aufzeigen können, wenn Verdacht auf Analphabetismus besteht.

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