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Herausforderer gibt Bewerbung ab

Timo Jung will Bürgermeister in Marbach werden.Foto: Denise Claus Fotografie/p
Timo Jung will Bürgermeister in Marbach werden.Foto: Denise Claus Fotografie/p
Timo Jung will Jan Trost den Bürgermeisterposten streitig machen – 31-Jähriger findet Marbach „enorm reizvoll“

Marbach. Einen Durchmarsch in die zweite Amtszeit wird es für Marbachs Bürgermeister Jan Trost nicht geben: Am Freitag hat der 31-jährige Timo Jung seine Bewerbung abgegeben und fordert damit den 45-jährigen Amtsinhaber am 24. Januar heraus.

Die im Laufe des Jahres gestiegene Unzufriedenheit von Teilen des Gemeinderats vor allem mit Trosts verwaltungsinterner Arbeit hat also doch noch einen Gegenkandidaten hervorgebracht – auch wenn Jung im Gespräch mit unserer Zeitung beteuert, „nicht hergeholt“ worden zu sein. Der gebürtige Ravensburger ist zwar Sozialdemokrat, sieht sich aber als „überparteilicher Kandidat“. Mit Abgabe seiner Bewerbung habe er auch die Fraktionen im Gemeinderat informiert und ihnen Gespräche angeboten. Ob sich daraus eine Unterstützung oder Wahlempfehlung für ihn entwickle, müsse man sehen.

Gleichwohl hat der 31-Jährige, der derzeit beim Städtetag in Stuttgart die Stabsstelle Zentrale Dienste leitet, schon vor seiner Entscheidung Gespräche geführt und das Terrain sondiert. Es dürfte kein Zufall sein, dass der Diplom-Verwaltungswirt auf seine „umfangreiche Verwaltungs- und Führungserfahrung“ verweist und im Fall seiner Wahl die weitere Entwicklung der Stadtverwaltung als einen seiner Schwerpunkte nennt. „Aufgaben priorisieren, strukturelle Entlastungen schaffen, aber auch die Digitalisierung sind für mich die wichtigsten Punkte“, sagt Jung. Mangelnde Priorisierung und eine Überlastung vieler Mitarbeiter kreiden umgekehrt Trosts Kritiker dessen Amtsführung an.

Außerhalb der Rathausmauern sieht der Kandidat Themenschwerpunkte bei der Verkehrsbelastung, bei der weiteren Entwicklung des Gesundheitscampus auf dem Krankenhausareal und in einer „lebendigen Innenstadt“. Dafür wolle er mit den Marbachern Ideen entwickeln. „Ich werde in den nächsten Wochen den Menschen zuhören, fragen, was sie bewegt und darauf aufbauend mein Programm formulieren“, beschreibt Jung seine Strategie.

Das Amt des Bürgermeisters sei eines der spannendsten, das die Politik in Baden-Württemberg zu bieten habe, sagt der Absolvent der Verwaltungshochschule in Ludwigsburg, und das sei enorm reizvoll. So reizvoll wie Marbach als Stadt, die ihn „hundertprozentig“ anspreche mit ihrem kulturellen Angebot, der Altstadt und den zahlreichen ehrenamtlich Engagierten.

Und weil Marbach ihn und seine Partnerin so anziehe, habe er sich auch entschieden, gegen den Amtsinhaber anzutreten und trotz der Corona-Pandemie, die auch andere Wahlkampfideen erfordert. „Die Ausgangsposition ist nicht einfach“, räumt der 31-Jährige ein, aber er wolle einen Wettbewerb um die besten Ideen für Marbach eröffnen. Am Donnerstagabend habe er Jan Trost persönlich über seine Kandidatur informiert; beide seien sich einig, einen fairen Wahlkampf führen zu wollen.

Eher konventionell werden Infostände auf dem Wochenmarkt und in den Stadtteilen sein; schon heute ab 8.30 Uhr will sich Jung in der Fußgängerzone dem Wahlvolk vorstellen. Coronakonform plant er im Januar Spaziergänge in kleinen Gruppen zu verschiedenen Stationen, „das eignet sich gut für den Austausch“, findet er.

Auftritte in vollen Hallen wird es nicht geben, dafür mehr digitale Formate. Online-Sprechstunden oder eine digitale Mitmachwerkstatt will Jung einrichten, dazu ist er in sozialen Medien wie Facebook oder Instagram unterwegs.

Dass er erst jetzt aus der Deckung kommt und damit die Zeitspanne, sich bekannt zu machen, nicht all zu groß ist, begründet Jung vor allem mit organisatorischen Fragen. Er hat für den Wahlkampf freigenommen, da gab es am Arbeitsplatz noch einiges zu organisieren, und „so ein Schritt muss wohl vorbereitet sein.

„Der Junge kann das“. Mit diesem Slogan trat Marian Schreier, 30 Jahre alt und SPD-Mitglied, bei der OB-Wahl in Stuttgart an und errang mehr als einen Achtungserfolg. Gab es einen „Schreier-Effekt“ bei Timo Jungs Entscheidung? Der Verwaltungsfachmann lacht, mit dieser Frage hat er fast gerechnet. Aber ja, „Marian Schreier hat bewiesen, dass unsere Generation Lösungen aufzeigen kann. Sein Erfolg hat mir noch mal Mut gemacht.“