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Hier ist alles doppelt preiswert

Der Hemminger Zwillingsbasar zieht nicht nur Käufer in Scharen an, auch die Nachfrage seitens der Verkäufer ist groß. Diese reisen mit unter von weit her an.

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Einkaufen im Doppelpack: Zum 17. Mal geht in Hemmingen ein Zwillingsbasar über die Bühne. Die Kunden schätzen das Angebot auch deshalb, weil sie unkompliziert miteinander ins Gespräch kommen. Fotos: Karin Rebstock
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Ludwigsburg. Samstagvormittag, kurz vor zehn Uhr vor dem Gemeindezentrum der Süddeutschen Gemeinschaft in Hemmingen: Für Autos gibt es kaum ein Durchkommen. Quer über die Alte Schöckinger Straße geht die Schlange der Wartenden. Nur für Schwangere sind die Türen des Gemeindezentrums bereits seit einer halben Stunde geöffnet. Alle andere drängeln sich mehrreihig davor. Dann endlich ist es so weit: Sie dürfen hinein.

„Der Zwillingsbasar wird sehr gut angenommen“, sagt Ruth Keck, eines der Mitglieder des Organisationsteams. Es ist das 17. Mal, dass der SV-Förderverein Zwillingsbasar Hemmingen den Markt veranstaltet, der jedes Jahr zweimal – im Frühjahr und im Herbst – stattfindet. Sie hätten einfach gemerkt, dass es für solch einen Kleidermarkt Bedarf gibt, berichtet Ruth Keck von den Anfängen. „Es ist schon teuer, alles neu zu kaufen: Autositze, Kinderwagen und so weiter“ – zumal man alles doppelt brauche. Sie ist selbst Mutter von Zwillingen. Da sei man froh, wenn man etwas günstig bekomme und nicht mehr benötigte Sachen auch wieder verkaufen könne, um neue Anschaffungen tätigen zu können. Zudem biete ein Kleiderbasar im Gegensatz zum Einkauf im Internet die Möglichkeit, sich die Waren vorher anzuschauen, sagt ihr Mann Andreas Keck: „Deswegen kommen die Leute lieber hier her.“

Doch nicht nur seitens der Käufer ist das Interesse groß. 30 Verkaufstische haben sie in zwei Räumen im Erd- und Untergeschoss aufgestellt. Darüber hinaus steht noch ein Zimmer für Kinderwagen, Fahrräder und ähnliches zur Verfügung. Mehr geht nicht. „Auch wenn wir etwa doppelt so viele Bewerber hatten“, berichtet Andreas Keck.

Diese kommen längst nicht nur aus Hemmingen und Umgebung. Aus dem gesamten Landkreis Ludwigsburg sowie aus dem Raum Stuttgart, aber auch aus Pforzheim, Heidenheim an der Brenz und sogar aus dem Allgäu seien Verkäufer angereist, zählt Ruth Keck auf. Und die Nachfrage wachse auf beiden Seiten. Schließlich gebe es auch immer mehr Zwillinge, so die Beobachtung der Kecks. Inzwischen bekämen sie zudem auch Anfragen von Drillingseltern.

Neben der Möglichkeit, günstig einzukaufen, bietet der Basar indes noch etwas Wichtiges, vor allem für werdende Zwillingseltern: Erfahrungsaustausch mit anderen. So geben die Verkäufer nicht nur bereitwillig Auskunft auf Fragen wie etwa, wie lange der Nachwuchs diese oder jene Kleidergröße tragen kann, und ob ein Flaschenwärmer eine sinnvolle Anschaffung ist, sondern auch Tipps für das künftige Leben mit Kind. „Ich gebe immer den Rat, möglichst viel vorzuschlafen“, sagt Heinz Fiedler aus Vaihingen-Roßwag, Vater von Zwillingsmädchen. Das gelte zwar für werdende Eltern generell, aber für jene von Mehrlingen besonders. „Denn eines von beiden schreit immer“, fügt seine Frau Kesi hinzu.

Und wie läuft das Geschäft? Sehr gut, so die Fiedlers, etwa 20 Prozent ihrer Ware sei schon weg – und dabei hat der Basar ja erst begonnen. Noch besser ist es für Kathrin Widmann aus Korb (Rems-Murr-Kreis) gelaufen. Nur noch wenige Stücke liegen auf ihrem Verkaufstisch, wo sich bis vor wenigen Minuten noch Kleiderstapel türmten. Das Geheimnis ihres Verkaufserfolgs? „Ich habe viele Markensachen“, antwortet sie. „Und Jungssachen“, wirft eine Tischnachbarin ein. Denn ansonsten würden auf dem Zwillingsbasar vor allem Mädchenkleider angeboten. Für sie jedenfalls habe sich die weite Fahrt hierher gelohnt, konstatiert die Jungsmama Kathrin Widmann und lobt die gute Organisation und Bewirtung der Veranstaltung: „Das sucht seinesgleichen.“ Damit ist sie nicht allein. „Wir sind begeistert von der Organisation“, so die Fiedlers.

Der Erlös aus der Bewirtung (und die Tischmiete) gehen übrigens nicht in die Taschen der Veranstalter. „Das spenden wir an ein missionarisches Kinderprojekt in Malawi“, sagt Ruth Keck. Zudem biete man Verkäufern die Möglichkeit, nicht verkaufte Sachen ebenfalls einem guten Zweck zukommen zu lassen. Vom Hemminger Freundeskreis Flüchtlingshilfe kommt am Ende des Basars jemand vorbei und nimmt die Kleider mit.

 

Info: Der Termin für den nächsten Hemminger Zwillingsbasar des SV-Fördervereins steht bereits fest. Dieser findet am 14. Oktober von 10 bis 12 Uhr an der Alten Schöckinger Straße statt.