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Hilferuf an den Ministerpräsidenten

Jetzt soll Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Zustände auf der Frankenbahn zur Chefsache machen. Das zumindest hoffen die Unterzeichner eines offenen Briefs, in dem gefordert wird, die gestrichenen Zughalte zwischen Heilbronn und Bietigheim-Bissingen wieder in den Fahrplan aufzunehmen. Das Verkehrsministerium sieht jedoch keinen Grund für eine Änderung.

Besigheim/Kirchheim/Walheim. Seit Dezember ist der Frust der Frankenbahn-Pendler, die morgens vom nördlichen Landkreis in Richtung Stuttgart möchten, größer geworden. Wie mehrfach berichtet, sind zum Fahrplanwechsel zunächst drei Zughalte zwischen Heilbronn und Bietigheim-Bissingen gestrichen worden. Nach Protesten wurde vor einigen Wochen zumindest eine Verbindung wieder aufgenommen. Das Verkehrsministerium sprach von einem Kompromiss, die Vertreter der betroffenen Kommunen – Besigheim, Walheim, Kirchheim sowie Nordheim und Lauffen im Heilbronner Landkreis – ebenfalls, allerdings von einem, den sie nur mit Zähneknirschen angenommen hätten. Eine Onlinepetition, die sich dafür einsetzt, dass wieder alle Züge an den Bahnhöfen halten sollen, hat inzwischen mehr als 2700 Unterstützer. Wie deren Initiator Christian Schäuffele mitteilt, sei das Verkehrsministerium aber „leider nicht mehr gesprächsbereit“, weshalb nun ein offener Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann verfasst wurde. Die Liste der Unterzeichner liest sich wie ein „Who-is-who“ der hiesigen Kommunalpolitik: Die Bürgermeister aus Besigheim, Walheim, Kirchheim, Lauffen, Nordheim, Bietigheim-Bissingen, Löchgau, Gemmrigheim, Mundelsheim, Erligheim, Cleebronn, Brackenheim und Neckarwestheim haben unterschrieben. Zudem haben Fraktionsvorsitzende des Kreistags unterzeichnet sowie die weiteren Petition-Initiatoren Fabian Gramling, CDU-Landtagskandidat Tobias Vogt und Achim Schober. Sie fordern Kretschmann auf, sich der Sache anzunehmen und „mit einer Rücknahme der Fehlentscheidung die erheblichen gesundheitlichen Risiken, die nach Beendigung des Lockdowns in den Zügen zu entstehen drohen, einzudämmen“.

Die Unterzeichner halten es für grundfalsch, dass die Zughalte gestrichen wurden. Wie berichtet, kam das Verkehrsministerium damit dem Wunsch von Heilbronnern Pendlern nach, die eine schnellere Verbindung nach Stuttgart möchten. Doch durch die Minimierung der zur Verfügung stehenden Zugverbindungen zwischen Heilbronn und Bietigheim-Bissingen, so das Argument der Kritiker, würden die Pendler in überfüllte Züge gezwungen – und das in Coronazeiten. Die Konsequenz: Immer mehr Pendler stiegen aufs Auto um. Die Streichung der Zughalte sei aus gesundheitlichen, ökonomischen und ökologischen Gründen eine Fehlentscheidung. Wenn sich am Fahrplan nichts ändere, sei das Chaos auf der Frankenbahn spätestens nach dem Lockdown programmiert.

Auch Tayfun Tok, Landtagskandidat der Grünen, kann den Unmut der Pendler nachvollziehen. Er nehme die Situation sehr ernst: „Gerade in der Pandemie ist es wichtig, im Berufsverkehr die maximale Kapazität darzustellen.“ Zweitkandidatin Dr. Anne Posthoff, die für das BMU im Besigheimer Gemeinderat sitzt, meinte, „wir unterstützen die Petition“.

Das Verkehrsministerium verweist auf Nachfrage unserer Zeitung abermals darauf, dass die Haltepunkte zwischen Heilbronn und Bietigheim-Bissingen halbstündlich angebunden seien, zudem halte morgens teils der Regionalexpress. Die Fahrplanänderung hätte besonders in der Politik zu massiven Protesten geführt – „die Anzahl der direkt eingegangenen Beschwerden durch Fahrgäste hält sich dagegen in Grenzen“. Die Landesregierung sehe sich auch den Pendlern aus dem Raum Heilbronn verpflichtet, teilt eine Behördensprecherin mit. Und: „Im Sinne eines ausgewogenen Angebots wird das Verkehrsministerium daher am gemeinsam gefundenen Kompromiss festhalten.“

Die Unterzeichner des offenen Briefs liefern auch eine langfristige Lösung, um das Problem auf der Frankenbahn beheben zu können: eine S-Bahn-Verlängerung von Bietigheim nach Lauffen. Eine Verbesserung würde das nach Auskunft des Ministeriums jedoch nicht bringen. Die Sprecherin verweist auf den Metropolexpress, der alle Halte nördlich des S-Bahn-Gebiets bediene. Darüber hinaus seien mit Stuttgart21 weitere Angebotsverbesserungen geplant, die aber erst mit der neuen Infrastruktur realisiert werden könnten. „Eine S-Bahn-Verlängerung würde erst viele Jahre später umgesetzt werden“, und sie bringe den Pendlern keinen echten Mehrwert. Denn für sie würde sich die Fahrtzeit nach Stuttgart verlängern: „Grund dafür sind die vielen Zwischenhalte zwischen Bietigheim-Bissingen und Stuttgart.“

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