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Hoffnungsschimmer trotz Pandemie

Im September sind nicht nur die Arbeitslosenzahlen im Landkreis gesunken, sondern auch die Anträge auf HartzIV. Wie nachhaltig diese Entwicklung ist, mag aber noch niemand belastbar prophezeien.

Jobcenter des Kreises Ludwigsburg: Die Hartz-IV-Welle ist hier deutlich abgeebbt. Foto: Ramona Theiss
Jobcenter des Kreises Ludwigsburg: Die Hartz-IV-Welle ist hier deutlich abgeebbt. Foto: Ramona Theiss

Kreis Ludwigsburg. Die Hartz-IV-Welle erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt im August. Im Jobcenter an der Hindenburgstraße zählen die Sachbearbeiter fast 9500 Bedarfsgemeinschaften im Kreis Ludwigsburg. Die Leiterin Kathrin Falke erinnert: „In den Spitzenzeiten mussten wir wöchentlich mehr als 200 Anträge auf ArbeitslosengeldII bearbeiten.“ Besonders betroffen sind Kleinunternehmer wie Gastronomen, Friseure oder Künstler, aber auch Menschen, die mit ihrem Kurzarbeitergeld nicht über die Runden kommen. Bei den Arbeitsaufnahmen tut sich vor den Beamten ein Delta auf. „Uns fehlen 500 im Vergleich zum Vorjahr“, sagte Falke jetzt im Sozialausschuss des Kreistags – und alles wegen Corona.

Im Oktober 2020 hat sich die hektische Betriebsamkeit im Jobcenter glücklicherweise gelegt. Die Zahl der Hartz-IV-Familien nimmt zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie wieder ab. Derzeit liegt sie bei weniger als 9400. Pro Woche gehen im Jobcenter nur noch etwas mehr als 50 Anträge ein. Die Arbeitsbelastung ihrer Kollegen beschreibt Falke derzeit als „in Ordnung“. Sie sagt aber auch: „Sollten wieder mehr Kunden kommen, müssten wir über zusätzliches Personal nachdenken.“

Wie diese Entwicklung nun zu bewerten ist, darüber gehen die Ansichten in der Kreispolitik auseinander. Der Bietigheim-Bissinger Pfarrer und Sozialdemokrat Thomas Reusch-Frey sagt: „Es ist erfreulich, dass wir den Höhepunkt der Krise überwunden haben – und es wieder in Richtung Normalität geht.“ Doch so weit scheint es noch nicht zu sein. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann niemand sagen, wie nachhaltig die Erholung ist“, so die Expertin Falke. „Wir sind weiter von der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt abhängig.“

Letzterer zeigt sich ebenfalls erholt. Laut der Ludwigsburger Arbeitsagentur ging die Erwerbslosigkeit wieder leicht zurück. Die Arbeitslosenquote verringerte sich im September um 0,1 Prozentpunkte und lag bei 3,9 Prozent (Vorjahr 2,9 Prozent). Damit weist der Landkreis Ludwigsburg aktuell die geringste Arbeitslosigkeit in der Region Stuttgart auf, die auf eine Quote von 4,8 Prozent kommt (wir berichteten).

Der Freie Wähler und ehemalige Hemminger Bürgermeister Werner Nafz rechnet aber damit, dass sich in den kommenden zwölf Monaten noch einiges ändern werde. „Hoffen wir, dass die Arbeit für die Mitarbeiter im Jobcenter zu bewältigen bleibt und den Menschen, die oftmals in Not und verzweifelt sind, geholfen werden kann“, sagte er im Sozialausschuss.

Ein düsteres Bild zeichnet die Korntal-Münchinger FDP-Kreisrätin Viola Noack. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir die Krise schon überwunden haben“, sagte sie. Mit Sorge blickt Noack auf die hohe Anzahl der Kurzarbeiter im Kreis. Laut der Arbeitsagentur zeigten im September 32 Unternehmen im Landkreis für 222 Arbeitnehmer Kurzarbeit an. Damit gingen von April bis September fast 5700 Anzeigen für mehr als 93700 Menschen hierzulande ein.

Keine großen Auswirkungen hat der Anstieg bei den Hartz-IV-Anträgen wohl auf den Kreishaushalt. Die Jobcenterchefin Falke kalkuliert zwar mit höheren Ausgaben für Regelleistungen und Unterkunft und Heizung. Allerdings springe hier der Bund ein, der infolge der Pandemie seine Zuschüsse auf mehr als 50 Prozent erhöht habe. Laut Falke macht das für den Landkreis rund zwölf Millionen Euro aus. „Das ist schon eine Menge, damit können wir die Coronafolgen ausgleichen“, prognostiziert die Expertin.

Landrat Dietmar Allgaier kündigte im Sozialausschuss trotzdem an, dass sein Haus Mitte des Monats noch einmal einen Finanzzwischenbericht vorlegen und über die Lage im Kreis informieren werde.

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