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Denkmal

Hohenecks Wahrzeichen wird aufgemöbelt

Höchste Zeit für die Sanierung des Heilbadturms – Morsche Holzstützen erhalten Metallschuhe

Wenn dem Turm die Füße gekappt werden, braucht es starke Stützen: Die provisorische Holzkonstruktion wird entfernt, sobald die Metallschuhe im Betonfundament sicher stehen. Fotos: Ramona Theiss
Wenn dem Turm die Füße gekappt werden, braucht es starke Stützen: Die provisorische Holzkonstruktion wird entfernt, sobald die Metallschuhe im Betonfundament sicher stehen. Foto: Ramona Theiss
Der Turm ist eingerüstet, die Zimmerer arbeiten weit oben in luftiger Höhe
Der Turm ist eingerüstet, die Zimmerer arbeiten weit oben in luftiger Höhe
Später wird das bemooste Dach mit Biberschwänzen neu eingedeckt.
Später wird das bemooste Dach mit Biberschwänzen neu eingedeckt.
Malereien am Torbogen bleiben erhalten.
Malereien am Torbogen bleiben erhalten.
Die Stützpfeiler sind mit Metallschuhen gesichert worden.
Die Stützpfeiler sind mit Metallschuhen gesichert worden.

Es ist ein kleines Dach, geradezu ein Dächlein, auf das die Zimmerleute steigen. In 18 Meter Höhe aber durchaus eine Herausforderung – zumindest für jeden, der nicht täglich am Abgrund arbeitet und sich über am Gerüst eingehängte wacklige Treppen nach oben müht. Was so niedlich nach Holzhütte aussieht, gehört zum Heilbadturm, der nicht nur ein Wahrzeichen des Heilbadstädtchens Hoheneck ist, sondern mit der Zeit auch ganz erheblich morsch geworden ist.

Das fängt schon unten an, wo vier stattliche Baumstämme seit 100 Jahren das denkmalgeschützte Bauwerk in der Senkrechten halten. Die Füße der Hölzer, die bis unter die Erde reichten, sind feucht geworden, vom Boden, aber auch von dem Solewasser, das aus dem Brunnen fließt. Es ist das Heilwasser, das damals wie heute viele in Flaschen und sonstigen Behältern abzapfen und trinken, um gesund zu werden oder gesund zu bleiben. Manchmal läuft auch was über. Die Trinkhalle, wie das Erdgeschoss des Turms genannt wird, ist nie ganz trocken.

„Einsturzgefährdet war der Turm allerdings nicht“, betonen die Verantwortlichen von der Stadt, die sich um dieses besondere Bauwerk kümmern. Bauleiter ist Stefan Haag vom Fachbereich Hochbau, der sich zusammen mit Teamleiter Harald Lenk und Gabriele Barnert, stellvertretende Fachbereichsleiterin, um die Sanierung kümmert. Haag ist täglich vor Ort, um nach dem Rechten zu sehen. Die Baumstämme, die tragenden Säulen des Turms, sind mit einem Metallschuh abgesichert worden, berichtet er gegenüber unserer Zeitung, die wissen wollte, wie es mit dem Hohenecker Denkmal vorangeht.

Der Metallschuh wurde in einem Betonfundament verankert, wofür der gesamte Turm mit einer aufwendigen Konstruktion abgestützt werden musste. „Vier Wochen muss das noch trocknen“, sagt Haag. Auch die Außenwände wurden auf eine kleine Betonmauer gestellt, um das Holz vor weiterer Fäulnis zu schützen. Denn auch die Fachwerkwände des Gebäudes waren morsch.

Später wird kaum jemand diesen technisch notwendigen Kniff mehr bemerken. Auch der Zugang zur Trinkhalle wird wieder vertraut sein – mit einer Treppe, die frisch saniert wird, mit dem historischen Geländer, das neu verankert wird, weil auch ihm die Füße weggerostet sind. Zudem bleibt die Fassadenmalerei mit den Weinblättern erhalten, die den Reiz des Torbogens ausmacht. Wer dann die Trinkhalle betritt, wird wieder auf einem Pflasterbelag aus Granit zum Brunnen gehen, der ebenfalls erneuert wird.

Doch nicht alles bleibt beim Alten. Vor allem eins wird in Hoheneck auffallen: Der Turm, der vorher dunkelbraun angestrichen war, bekommt eine unbehandelte, helle Holzverschalung. Seit Wochen werden zig Bretter angeschraubt.

Der Heilbadturm, mit hellem Naturholz und dunkelbraunem Sockel, dunkelbraunem Dach? Die Bretter anzustreichen – das kommt für die Fachleute nicht infrage. Auch wird bezweifelt, ob das ursprünglich so war. „Das Holz vergraut innerhalb kurzer Zeit“, sagt Gabriele Barnert, die überzeugt ist, dass der Farbunterschied später nicht mehr so auffällt. Die Sanierung, die sich die Stadt rund 200 000 Euro kosten lässt, soll möglichst dauerhaft sein und künftig wenig Unterhaltungskosten verursachen. Barnert: „Wir machen das jetzt so, dass es wieder möglichst lang hält.“

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