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ICE-Lehrer liebt seine Züge

Werner Staufner war ICE-Lehrlokführer – Im Ruhestand fahren bei ihm kleine Züge auf einer Großanlage

Werner Staufner inmitten seiner kleinen Eisenbahnwelt. Der ICE spielt in seinem beruflichen Leben eine ganz besondere Rolle. Foto: Alfred Drossel
Werner Staufner inmitten seiner kleinen Eisenbahnwelt. Der ICE spielt in seinem beruflichen Leben eine ganz besondere Rolle. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Als Deutschlands schnellster Zug noch gar nicht so oft auf der Strecke war, wurde der ICE immer mal wieder am Bahnhof Bietigheim geparkt. Ausgestiegen ist Werner Staufner, einer der Ausbildungs- und Lehrlokführer der Deutschen Bahn. Der 76-Jährige ist noch immer Lokführer, und zwar auf seiner Modell-Großanlage unterm Dach seines Reihenhauses.

Als der in Esslingen geborene Werner Staufner sechs Jahre alt war, hat seine Eisenbahnkarriere begonnen. Vom Vater bekam er den ersten Zug auf die Schienen einer Modellanlage gestellt. Der Wunsch des Buben, Lokführer zu werden, hat sich im Laufe seines Berufslebens voll und ganz erfüllt. Dabei war Werner Staufner bei der epochalen Umstellung des Bahnverkehrs, nämlich beim Einsatz der superschnellen Züge, voll dabei. Zuerst war er Ausbildungslokführer und hat junge Kollegen auf dem ICE geschult. Später war er Lehrlokführer. Der Unterschied liegt darin, dass der Lehrlokführer über weite Strecken mitfährt und den Lokführer dabei überwacht und prüft.

Staufner war auf den Schnellstrecken in ganz Deutschland unterwegs und er hat Züge in der Hamburger Werft abgeholt. Der ICE 1 war der erste in Serie gefertigte Hochgeschwindigkeitszug in Deutschland und der erste von inzwischen sechs Typen von Intercity-Express-Triebzügen.

Die seit 1991 im Fahrgastbetrieb mit bis zu 280 Stundenkilometern eingesetzten Triebzüge werden planmäßig aus zwei Triebköpfen (Baureihe 401) und bis zu 14 Mittelwagen der Baureihen 801 bis 804 gebildet. Die Triebzüge sind bei einer Länge von bis zu 411 Metern und bis zu rund 800 Sitzplätzen die längsten ICE-Einheiten, die bislang gebaut wurden.

Neben seinen Beruf bei der Bahn ist Werner Staufner auch nach Feierabend seit 26 Jahren Lokführer. Als er sein Haus in der Bietigheimer Sandsiedlung, nur wenige Meter von der Eisenbahnstrecke Bietigheim-Besigheim entfernt, gebaut hatte, begann er, unterm Dach seine Eisenbahnwelt aufzubauen.

Auf einer Fläche von zehn auf zehn Meter fahren dort auf einem 200 Meter langen Schienennetz auf mehreren Ebenen gleichzeitig bis zu 20 Züge, die der Modellbahner teilweise auch digital steuert. Klar, dass „seine ICEs“ einen bevorzugten Platz einnehmen. Seine erste vom Vater geschenkte 52 Mark teure Dampflok hat unter den 180 Lokomotiven aller Baureihen einen Ehrenplatz.

Werner Staufner liebt die Details. So hat ein Teil seiner Anlage eine filigrane Oberleitung erhalten und aus einem Reisewagen ertönt Discomusik. Hundert kleine Lämpchen leuchten auf der Anlage. Der 76-Jährige muss gelenkig bleiben, wenn er unter seiner Anlage technische Arbeiten durchführen muss. Unterm Dach des Reihenhauses geht es eng zu, weil jeder Winkel für die Modellbahn ausgenutzt wurde.

Der Lokführer im Ruhestand interessiert sich noch immer für alles, was die Eisenbahn betrifft. Gar nicht einverstanden ist er mit der Verkehrspolitik. Viel mehr Güter müssten auf die Schiene, sagt er, um die Straßen zu entlasten. Das hat er auch schon dem baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann bei einer öffentlichen Anhörung gesagt. Dem Eisenbahner missfällt auch, dass immer mehr private Eisenbahngesellschaften auf den Schienen unterwegs sind. „Früher waren in Stuttgart 120 Lokomotiven stationiert und heute sind es gerade noch eine Handvoll“, sagt Staufner verärgert.

Um die Zukunft seiner Anlage ist es ihm nicht bange, denn sein jetzt zehnjähriger Enkel zeigt sich sehr interessiert an den kleine Zügen. So hofft der 76-Jährige, dass die Eisenbahn-Familientradition eine Fortsetzung findet.

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