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Porträt

„Ich bin ein Ludwigsburg-Junkie“

Vom Städtebau zum Schreiben, vom großen Ganzen ins kleine Detail: Carola Krawczyk hat nach 25 Jahren ihren Beruf Architektin aufgegeben, um zu schreiben. Dabei zieht es die Stuttgarterin immer wieder nach Ludwigsburg. Sie bezeichnet sich selbst als „Ludwigsburg-Junkie“. In ihrem neusten Büchlein hat sie daher Geschichten über die Barockstadt veröffentlicht.

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Carola Krawczyk mit ihrem Werk „Barocke Blüte“.  Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Schon als Kind war Carola Krawczyk oft in Ludwigsburg, vor allem im Märchengarten. „Das war wichtig. Ludwigsburg war wichtig“, erzählt die 55-Jährige. Auch heute noch ist ihr die Stadt wichtig. „Ich bin immer wieder hier. Ludwigsburg steckt in mir.“ Viele ihrer Erzählungen sind in der Stadt verortet. „Geschichten zu Ludwigsburg sprudeln nur so aus mir heraus“, sagt die Stuttgarterin und lacht. Besonders fasziniert sie jene Epoche, in der die Stadt gegründet wurde. „Für mich ist der Barock eine ganz besondere Epoche, voll von Intrigen, Leid und Schein.“ Diese Zweiseitigkeit, dieses Doppelte zieht die Schreiberin an. Was ist Trug, was ist echt, und wo fängt Wahrheit an? Diese Fragen spielen für sie eine große Rolle. Mal sind ihre Geschichten gruselig, mal prächtig. „Ich habe das Gefühl, dass das barocke Leben in Ludwigsburg bis heute anhält, dass ich das heute noch spüre“, sagt Krawczyk. Inspirationen sammelt die Stuttgarterin auch auf der Straße. Sie fotografiert gerne Details: Spalten zwischen Pflastersteinen, Nahaufnahmen von Hecken im Blühenden Barock oder Risse an Mauern, etwa am Staatsarchiv. „Risse und wie sie sich entwickeln finde ich total spannend“, sagt Krawczyk. „Ich mag kleine Spuren.“
Diese Entdeckung des Details war auch ein Grund, warum sie sich vor eineinhalb Jahren dazu entschloss, ihren Beruf Architektin aufzugeben – nach 25 Jahren. „Es war ein Prozess, aufzuhören. Ich habe irgendwann gemerkt, dass es nicht mehr so passt“, sagt die 55-Jährige. Ihr Blick auf die Dinge hätte sich verändert. „Als Architektin hatte ich den Blick fürs Große. Aber ich fing immer mehr an, auf Feinheiten zu achten“, so Krawczyk.
Jahrelang war sie in einem großen Stuttgarter Büro tätig und für große Industrie- und Verwaltungsgebäude zuständig. Später arbeitete sie in mehreren kommunalen Bauämtern. So war Krawczyk etwa drei Jahre im Ludwigsburger Hochbauamt tätig, als eine Kaserne in der Mathildenstraße 29 umgebaut wurde. Dort befindet sich heute die Filmakademie. Schon als Architektin hatte sie das Schreiben für sich entdeckt. Seit zehn Jahren mischt sie beispielsweise beim Literaturfestival Ludwigsburg mit und ist auch jedes Mal in der Ludwigsburger Literaturzeitschrift Exempla vertreten. Nachdem sich die Stuttgarterin zusammen mit ihrem Mann vor mehreren Jahren ein Gartengrundstück auf dem Stuttgarter Hasenberg zugelegt hatte, fing sie an, intensiv zu schreiben. Denn gemeinsam mit anderen Gartenbesitzern produzierte das Paar von 2010 bis 2012 die Sendung „Gartenzwerg“ für das Freie Radio Stuttgart. Carola Krawczyk schrieb dafür viele Gartengeschichten.
Mit dem radikalen Schnitt, ihren Beruf aufzugeben, schaffte sie sich im vergangenen Jahr Freiraum, das zu tun, was ihr gefällt. „Oft werde ich gefragt, was ich den ganzen Tag mache“, erzählt Krawczyk. „Ich liebe es, unverplante Zeit zu haben.“ Sie sei zudem Vorsitzende eines Sportvereins und klettere gerne. Es kämen aber auch immer mehr Kulturereignisse hinzu wie Lesungen. Darüber hinaus gestaltet die 55-Jährige immer wieder kurze Porträts über Menschen im Kleinformat. „Ich bin gerade im Fieber“, sagt sie. „Es ist meine Passion.“ Man könne zwar nicht sagen, dass sie hauptberuflich schreibe, davon leben könne sie nämlich nicht. Sie lebe von Erspartem und sei sehr genügsam. „Ich bin Zeitmillionärin“, sagt Carola Krawczyk und lächelt.

Info: „Barocke Blüte“ ist im LKZ-Kundencenter, Körnerstraße 14-18, für 7 Euro erhältlich.