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IHK braucht neue Präsidiumsspitze

Wahl für Parlament startet am 6. Juli – Im Landkreis Ludwigsburg hören einige prominente Wirtschaftsvertreter auf

Mit Bezirkskammerpräsident Albrecht Kruse und Vize-Präsidentin Nicole Porsch (von links) hören zwei langjährige IHK-Vertreter auf. Dafür will es jetzt Heinz-Werner Schulte noch einmal wissen. Fotos: Holm Wolschendorf/privat
Mit Bezirkskammerpräsident Albrecht Kruse und Vize-Präsidentin Nicole Porsch (von links) hören zwei langjährige IHK-Vertreter auf. Dafür will es jetzt Heinz-Werner Schulte noch einmal wissen. Foto: Holm Wolschendorf/privat
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Foto: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. Die Wirtschaftsvertreter der Mitgliedsfirmen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart können vom 6. Juli bis 28. Juli ihr Parlament (Vollversammlung) und die Bezirksversammlungen in den umliegenden Kreisen wählen. Dabei werden auf den Kandidatenlisten dieses Mal viele prominente Unternehmer nicht mehr dabei sein – auch im Kreis Ludwigsburg. Dort muss die Bezirksversammlung der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg nach den Wahlen sogar fast ein neues Präsidium auf die Beine stellen.

Während der Vize-Präsident der Ludwigsburger IHK-Bezirkskammer und Chef der Hohensteiner Institute in Bönnigheim, Stefan Mecheels, wieder für die Vollversammlung kandidiert, ziehen sich der IHK-Bezirkskammerpräsident Albrecht Kruse und seine bisherige Vize-Präsidentin Nicole Porsch zurück und treten nicht mehr für ein IHK-Ehrenamt an. Somit muss nach den Wahlen eine neue Spitze fürs Präsidium gefunden werden.

Die Chefin der Ludwigsburger Weinhandlung Bronner wolle sich nach mehr als 20-jährigem Engagement bei der IHK Ludwigsburg ehrenamtlich nur noch auf ihre kommunalpolitische Arbeit in Stuttgart konzentrieren, sagte sie auf Anfrage. Dort sitzt sie für die CDU seit 2014 im Gemeinderat sowie in diversen Ausschüssen und auch in Aufsichtsräten. Die 52-Jährige Mutter einer 14-jährigen Tochter will außerdem auch „mehr Zeit für die Familie haben“ und hat sich deshalb entschlossen, nicht mehr für die IHK zu kandidieren. Auch beim Handelsverband habe sie ihr Engagement aufgegeben. „Ein Wechsel in den Gremien tut ganz gut“, sagt sie. Die Arbeit bei der IHK habe ihr „viel Freude und persönliche Bereicherung“ gebracht. Gerade auch der Austausch unter Unternehmerkollegen sei wertvoll „und bringt einen weiter“, sagt sie rückblickend.

„Viel gelernt und erfahren“ aus den Begegnungen mit Unternehmerkollegen aus dem Landkreis hat auch der amtierende IHK-Bezirkskammerpräsident Albrecht Kruse, der ebenfalls aufhört. „Ich werde Mitte der nächsten Amtsperiode bei Sata aus dem aktiven Dienst ausscheiden“, erklärte der Geschäftsführer von Sata, Hersteller von Farbspritzpistolen in Kornwestheim, zu seinen Beweggründen, nicht anzutreten. Gewählt werden die IHK-Vertreter für vier Jahre. „Im Falle einer Wahl schon nach zwei Jahren wieder aufzuhören, widerspricht meiner Haltung, vor der Wahl etwas vorzugaukeln“, sagt Kruse. Denn in die IHK-Gremien sollen Wirtschaftsvertreter gewählt werden, die auch beruflich tätig sind.

Kruse, der beim Ausscheiden aus Sata Ende 2022/Anfang 2023 dann fast 67 Jahre alt ist, betonte: „Man darf nicht weitermachen, wenn man nicht ein Organ eines Mitgliedsunternehmens ist.“ Wenn Kruse sein Präsidentenamt abgibt, war er dann 15 Jahre lang für die IHK Ludwigsburg ehrenamtlich aktiv, sowohl in der Bezirks- als auch in der Vollversammlung. Davon war er acht Jahre Vizepräsident der Ludwigsburger Bezirkskammer und seit 2017 deren Präsident. Er löste damals in diesem Amt Heinz-Werner Schulte, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ludwigsburg, ab. „Ich hoffe, dass ich einen Beitrag leisten konnte für die regionale Wirtschaft und auch die Arbeit bei der IHK“, so Kruse rückblickend.

Schulte, der bereits Ehrenpräsident der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg ist, will es nach vier Jahren Abstinenz von der aktiven Kammerarbeit nochmals wissen. Wie er gegenüber unserer Zeitung sagt, sei es für einige Vertreter der heimischen Wirtschaft wichtig gewesen, „dass künftig die Kreissparkasse Ludwigsburg wieder in der IHK-Bezirksversammlung vertreten ist. Der Bitte komme ich gerne nach und bewerbe mich um ein Mandat.“ Immerhin kann er auf langjährige IHK-Erfahrung zurückblicken: Von 2005 bis 2017 war er Präsident der IHK Bezirkskammer Ludwigsburg, von 2009 bis 2017 stellvertretender Präsident der IHK Region Stuttgart. Und seit 2017 ist er Ehrenpräsident.

Allerdings tritt Schulte nicht für die Vollversammlung an, sondern nur für die Bezirksebene, weshalb er im Falle des Einzugs in die Bezirksversammlung „nicht wieder als Präsident gewählt werden kann“, so Schulte. Dieser muss auch der Vollversammlung angehören. Außerdem sei ein Ehrenpräsident auch nicht kraft Amtes Mitglied des Präsidiums. Allerdings kann sich ein Präsidium durchaus externen Rat einholen, so auch von Ehrenpräsidenten. Schulte: „In der Tradition der IHK-Bezirksversammlung Ludwigsburg ist es schon immer so gewesen, dass sich der aktuelle Präsident mit seinen Amtsvorgängern ausgetauscht hat.“

Wie bei der Vollversammlung, wo wie bereits berichtet Helmut Ernst (Lotter, Ludwigsburg), Frank Hofmeister (Möbel Hofmeister, Bietigheim-Bissingen) und Mathias Kammüller (Trumpf, Ditzingen) aufhören, treten auch für die Bezirksversammlung einige prominente und langjährig engagierte Firmenvertreter nicht mehr an. So etwa die frühere Chefin von Oberpaur Ludwigsburg, Birgit Geiger, die inzwischen im Ruhestand ist. Oder Filiz Albrecht, die als Geschäftsführerin für Mann+Hummel in dem Bezirksgremium vertreten war und inzwischen zu Bosch gewechselt ist. Mit Claus-Dieter Meyer, dem Ludwigsburger CDU-Stadt- und Kreisrat sowie bisherigem Chef der Mylius-Apotheke, tritt ein weiteres langjähriges Kammermitglied nicht mehr an. Er hat sich im vergangenen Herbst aus dem Geschäft zurückgezogen und die Apotheken an seinen Neffen Alexander Meyer übergeben, der wiederum nun für die Bezirksversammlung als Kandidat antritt.

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