Logo

IHK-Rebellen verlieren klar

Deutlich weniger Vertreter der Kaktus-Initiative in der Voll- und auch Bezirksversammlung

Für die Firmen im Bezirk der IHK Ludwigsburg bleibt das wirtschaftliche Umfeld fragil. Foto: Ramona Theiss
Für die Firmen im Bezirk der IHK Ludwigsburg bleibt das wirtschaftliche Umfeld fragil. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg/Stuttgart. Der vergangene Donnerstag war kein guter Tag für die Kaktus-Initiative, den Kritikern innerhalb der IHK Region Stuttgart. Am Abend hatte der Wahlausschuss das Ergebnis für die Wahlen zum IHK-Parlament und den Bezirksversammlungen in den umliegenden Landkreisen bekanntgegeben. Dabei haben die Kakteen überraschend schlecht abgeschnitten. Sie haben von den Wirtschaftsvertretern der Mitgliedsfirmen nicht die erhoffte Unterstützung bekommen. Im Gegenteil.

In der 100-köpfigen Vollversammlung, die Vertreter aus allen Bezirkskammern umfasst, sind von der Kaktus-Initiative künftig nur noch 14 Personen vertreten, gingen also mehr als die Hälfte der Sitze verloren; bisher waren es 34. „Wir sind brutal eingebrochen“, räumt Clemens Morlok aus Ditzingen die Niederlage der sogenannten IHK-Rebellen ein. Ihr ursprüngliches Ziel, gar Richtung 50 Prozent der Sitze in der Vollversammlung zu kommen, hätten sie klar verfehlt. Neben den 14 Mandaten für dieses Parlament erzielten die Kakteen lediglich noch 13 Sitze für die fünf Bezirksversammlungen in den Kammern in den Landkreisen.

Auch bei der Wahl der Wirtschaftsvertreter, die nur für die IHK-Bezirksversammlung in Ludwigsburg antraten, musste die Kaktus-Initiative Federn lassen. 33 Bewerber haben es für dieses Gremium geschafft, davon nur vier von den Kakteen. Insgesamt zählt die neue Bezirksversammlung 50 Mitglieder, denn die 17 Ludwigsburger Vertreter (davon vier Kakteen) in der Vollversammlung haben ebenso einen Sitz im Ludwigsburger Gremium.

Zufrieden zeigte sich dagegen die „Initiative pro Wirtschaft“, die aus 30 Unternehmern, Geschäftsführern und Führungskräften aus der Region besteht und die stets auf die Aufgaben und den Nutzen der IHK-Arbeit hinweisen und dafür in den vergangenen Wochen auch intensiv die Werbetrommel rührten. Letztlich sehen sie laut Mitteilung in den nun erreichten 86 Sitzen in der Vollversammlung (bisher 66), dass diese an Kandidaten gingen, „die die Arbeit der IHK konstruktiv unterstützen“.

„Jetzt wissen wir, wer ab 2021 Entscheidungen im Sinne der regionalen Wirtschaft trifft. Es freut mich dabei insbesondere, dass aus allen für unseren Landkreis wichtigen Branchen und diesmal auch aus allen Unternehmensgrößen, also klein und groß, Vertreterinnen und Vertreter dabei sind“, sagt Ludwigsburgs IHK-Präsident Albrecht Kruse, der selbst nicht mehr antrat und mit Ablauf der aktuellen Wahlperiode aufhört. Erfreut zeigte sich Kruse, dass der jetzige IHK-Ehrenpräsident und Vorstandschef der Kreissparkasse, Heinz-Werner Schulte, wieder im Gremium dabei ist, und für die Volksbank Ludwigsburg Vorstandschef Thomas Palus neu in der Bezirksversammlung vertreten ist.

„Besonders in der Industriewahlgruppe fällt ins Auge, dass sich die Wählerinnen und Wähler für Vertreterinnen aus sehr erfolgreichen Familienunternehmen wie Elisabeth Ruth Fischer, Carolin Rössle, Patricia Schüle, Birgit Werner-Walz und Xenia Troniarsky entschieden haben. Damit ist auch der Frauenanteil im Gremium sichtbar erhöht.“ Somit sind elf Frauen in der 50-köpfigen Bezirksversammlung Ludwigsburg.

Auch in der Vollversammlung steigt der Anteil der Frauen um 30 Prozent auf künftig 26 der 100 Sitze. Dennoch bleibe es laut IHK-Hauptgeschäftsführer Johannes Schmalzl eine „wichtige Aufgabe der IHK, den Anteil erfolgreicher Unternehmerinnen in den Gremien weiter zu erhöhen“. Ebenso gewährleiste das Wahlergebnis ein Abbild der regionalen Wirtschaft, „vom Ein-Personen-Betrieb bis zum großen Unternehmen mit Verantwortung für Tausende von Beschäftigten aus unterschiedlichen Branchen“, so Schmalzl. Auch die „Initiative pro Wirtschaft“ weist darauf hin, dass nun 26 der 100 Sitze an Kandidaten aus Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern gingen. Das sieht ebenso Kruse für den Kreis Ludwigsburg, „wo aus allen wichtigen Branchen, und diesmal auch aus allen Unternehmensgrößen, also groß und klein, Vertreterinnen und Vertreter dabei sind“. Die Kaktus-Initiative kritisierte hingegen, dass durch die Änderung der Wahlordnung vor der Wahl andere Branchenzuschnitte sowie die Größe der Unternehmen berücksichtigt wurden, was zulasten der Kleinen ging. „So standen von vornherein 56 Sitze für große Unternehmen zur Verfügung“, bemängelt Morlok. Für die Kakteen hat die niedrige Sitzzahl auch zur Folge, dass sie keine Sondersitzungen mehr beantragen kann. Dafür seien etwa in der Vollversammlung 20 Mandate erforderlich, was sie nun nicht mehr erreichen.

Autor: