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Ihr Aufgabengebiet ist vielfältig

Verschiedenste Nationen leben in den Flüchtlingsunterkünften Im Wasen. Menschen, die sich zuvor meist nicht kannten, wohnen auf engem Raum zusammen, teilen sich Küche und Bad. Dass es dabei mal zu Konflikten kommt, dürfte nicht überraschen. Doch „sie lassen sich meistens mit Gesprächen aus der Welt schaffen“, sagt Ann-Katrin Fischer. Denn diese „Nachbarschaftskonflikte“ entstünden auch, weil es Sprachbarrieren gebe. Die Bewohner kommen beispielsweise aus Somalia, Afghanistan, Indien, Iran, Syrien und Mazedonien, da ist die Verständigung untereinander nicht leicht. Religiöse Konflikte gebe es nicht, die „ganz normalen Streitereien haben nicht unbedingt mit dem kulturellen Hintergrund zu tun“.

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Ann-Katrin Fischer. Foto: Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Fischer selbst fühlt sich wohl in dem Flüchtlingsheim, wo sie montags bis donnerstags jeweils von 9 bis 14, 15 Uhr arbeitet. „Es ist nicht schrecklich, hier als Frau zu arbeiten“, sagt sie und lacht. Sie habe hier keinerlei Einschränkungen, ziehe sich ganz normal an. Den Handschlag habe ihr auch noch keiner der Bewohner verweigert, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. Monika Miller, die bei der Caritas die Leitung Existenzsicherung und Integration innehat, kommt auf die Bedenken und Sorgen zu sprechen, die manche haben, wenn ein Flüchtlingsheim in ihrer Nähe geplant werde. „Sobald die Leute dann da sind, ändert sich die Stimmung.“ Aber man müsse schon Aufklärungsarbeit leisten – bei den Einwohnern und bei den Flüchtlingen. Das sei auch die Aufgabe eines Sozialarbeiters.

Offiziell ist Ann-Katrin Fischer nur für die Anschlussunterbringung zuständig, ihre beiden Kollegen Uschenna Ndibe und Teddy Hinderer kümmern sich um die Bewohner der Erstunterbringung. Dort leben die Flüchtlinge, die noch nicht anerkannt sind. Doch die drei arbeiten eng zusammen, vertreten sich im Urlaubsfall. „Es sind auch oft die gleichen Aufgaben, die anfallen“, sagt Fischer. Wobei die wichtigsten Aufgabengebiete natürlich strikt getrennt blieben.

Dass es, wie in Fischers Fall, einen zusätzlichen Sozialarbeiter für die Menschen in der Anschlussunterbringung gibt, ist laut Monika Miller eine Seltenheit. Ohnehin mache es Sinn, Erst- und Anschlussunterbringung näher zusammenzulegen – so wie in Besigheim. Insgesamt vier Häuser wurden auf dem Areal beim Freibad errichtet, um das eine kümmert sich die Stadt, für die anderen drei ist das Landratsamt zuständig. Die drei Sozialarbeiter teilen sich ein Büro. Miller findet, so ein offener gestaltetes Modell hätte Zukunft. Denn der Übergang vom Status „nicht anerkannt“ zu „anerkannt“ sei schwierig, ergänzt Fischer. Wenn ein Flüchtling anerkannt wird, muss er eigentlich aus der Erstunterbringung ausziehen. „Da kommen so viele Sachen und Probleme auf einen zu, das schafft niemand allein.“ Anträge müssen gestellt und Formulare ausgefüllt werden. Umso besser sei es, wenn das in der Hand von Menschen sei, die man bereits kenne.

Generell, so sagt die Sozialpädagogin Miller, finde in der Flüchtlingsbetreuung bei Integrationsfragen ein Umdenken in den Rathäusern statt – „langsam, aber es geht“. In immer mehr Kommunen gebe es mittlerweile feste Ansprechpartner, teils würden auch eigene Stellen hierfür geschaffen. Dennoch: Ohne Ehrenamtliche wäre das alles nicht zu schaffen. Etwa, wenn ein Flüchtling zum Arzt begleitet werden muss. Oder wenn Mitglieder des Besigheimer Freundeskreises Asyl einige Bewohner abholen, um mit ihnen in die Kleiderkammer nach Bietigheim zu fahren. Während Fischer drinnen, im Gemeinschaftsraum, über ihre Arbeit spricht, laufen draußen zwei Kinder vorbei. Das Areal hat derzeit noch Baustellen-Atmosphäre. „Ein Kinderspielplatz wäre schön“, sagt die Sozialarbeiterin. Ihre Chefin nickt und meint, auch ein kleiner Acker, auf dem Gemüse und Obst angebaut werden können, wäre gut.

Ihre Arbeit in Besigheim sei gut angelaufen, sagt Ann-Katrin Fischer. Da die Kapazität der Häuser mit ihren rund 360 Plätzen noch lange nicht ausgeschöpft ist, ergänzt sie: „Es wird sich natürlich noch zeigen, wie es ist, wenn hier voll belegt ist.“ Wenn das Engagement des Freundeskreises weiterhin so hoch sei, habe sie wenig Bedenken.

 

Dolmetscher sind wichtig

32 Flüchtlinge leben derzeit in der städtischen Anschlussunterbringung Im Wasen. Laut Sozialarbeiterin Ann-Katrin Fischer leben weitere 48 im Stadtgebiet – hiervon sind zehn noch nicht anerkannte Flüchtlinge. Diesen Status haben auch die sechs Asylbewerber, die derzeit in Ottmarsheim leben. In der Erstunterbringen Im Wasen, für die der Landkreis zuständig ist, wohnen momentan 50 Flüchtlinge – und ein afghanisches Baby, das vor wenigen Tagen im Krankenhaus in Bietigheim auf die Welt gekommen ist. In diesem Fall hat sich auch gezeigt, wie wichtig Dolmetscher sind, denn es musste ein Kaiserschnitt gemacht werden. Wie Monika Miller von der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz sagt, sei die Sprache schon noch ein Problem. Vor allem die persisch sprechenden Dolmetscher seien derzeit sehr gefragt. (kau)