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Im Ludwigsburger Klinikum sind alle Intensivbetten belegt

Weil die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen stark steigt, bereiten sich Kliniken im Südwesten zunehmend auf eine dritte Welle vor. Erste Krankenhäuser verschieben geplante Operationen, um Intensivbetten frei zu halten. Die Zahl der Covid-Kranken hat auch in Ludwigsburg und Bietigheim deutlich zugenommen.

Nimmt zu: Intensivbehandlung von Covidkranken. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Nimmt zu: Intensivbehandlung von Covidkranken. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Ludwigsburg. Im Verlauf einer Woche ist im Verbund der RKH-Kliniken mit Ludwigsburg, Bietigheim, Mühlacker, Bretten und Bruchsal die Zahl der Covidpatienten von 77 auf 118 Patienten angestiegen. Diese Zahlen haben die RKH-Kliniken übermittelt. Waren es in Ludwigsburg am Dienstag vor einer Woche neun Covidpatienten in Intensiv- und Überwachungsbetten, sind es diese Woche 15 geworden. In Ludwigsburg waren am Dienstag alle 56 Intensiv- und Überwachungsbetten belegt, so die Zahlen der RKH-Kliniken.

Auf Normalstation liegen in Ludwigsburg inzwischen 35 Covidkranke (Vorwoche 22). In Bietigheim hat sich die Zahl auf der Normalstation von 11 auf 22 verdoppelt, es sind nach wie vor drei Intensivpatienten.

Beim Blick aufs ganze Bundesland zeigt sich, dass die Zahl der Corona-Patienten im Vergleich zur Vorwoche um 20 Prozent gestiegen ist. Das berichtet der Koordinator der intensivmedizinischen Versorgung von Corona-Patienten in Baden-Württemberg, Götz Geldner. Landesweit sei bereits ein Drittel der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt, so Geldner, der zugleich Ärztliche Direktor der Ludwigsburger RKH-Kliniken ist.

„Wenn die Zahl der Intensivpatienten weiter steigt, haben wir in ein bis zwei Wochen ein Problem“, sagte Geldner. Sobald die Belegung in Richtung der 40 Prozent gehe, müssten in größerem Maße Operationen verschoben werden.

Seit Mitte März steigt die Zahl der Corona-Patienten in Intensivbehandlung im Südwesten stark an. Lag sie am 10. März noch bei 236, wurden am Mittwoch (Stand 16 Uhr) bereits 468 Menschen wegen einer Covid-19-Erkrankung intensivmedizinisch behandelt, wie aus den Daten des Divi-Intensivregisters hervorgeht.

Das Klinikum Mittelbaden etwa habe an seinen drei Standorten in Rastatt, Baden-Baden und Bühl alle verschiebbaren Operationen abgesagt, um die Kapazitäten zu bündeln, teilte eine Sprecherin mit. Ausgenommen davon seien Notfälle und dringliche Fälle wie Tumor-Operationen. „Die dritte Welle übertrifft an Heftigkeit leider alle bisherigen Corona-Wellen“, sagte der medizinische Geschäftsführer, Thomas Iber. Auch am Uniklinikum Ulm würden bereits seit vergangenem Dienstag gut planbare Operationen wieder verschoben, so eine Sprecherin.

Am Klinikum Stuttgart sind die Einschränkungen durch Corona-Patienten nach Angaben des medizinischen Vorstand Jan Steffen Jürgensen noch überschaubar. Das Problem könne jedoch in den kommenden Tagen wachsen, teilte er mit. Auf 23 der 115 regulären Intensivbetten lägen derzeit Covid-19-Patienten.

Die Krankenhäuser im Land sind in sechs sogenannte Cluster eingeteilt. In diesen Regionen helfen sich die Kliniken etwa bei Überlastung mit Patienten gegenseitig aus. Insbesondere das Cluster Stuttgart-Ludwigsburg sei derzeit sehr belastet, sagte Geldner, der die Cluster koordiniert. In der Region um Tübingen sei dagegen derzeit noch etwas Luft. Seine Prognosen gingen aktuell noch von einer sinkenden Zahl der Intensivpatienten aus, sagte Geldner. Doch das liege allein an den geringen gemeldeten Fallzahlen über Ostern. Weil auch nach einem Jahr Pandemie noch Meldelücken bestünden, seien die Zahlen nicht aussagekräftig. Mit Blick auf mögliche Maßnahmen zeigte sich der Intensivmediziner resigniert. „Was soll anders sein, als in der Welle davor? Jeder weiß, was jetzt passiert.“ Politiker und Bürger trügen nun gleichermaßen Verantwortung. Es fehle weiter ein Konzept, um der Pandemie Herr zu werden. Das jetzige Vorgehen nannte Geldner „ziel- und planlos“.

Ein wichtiger Weg aus der Krise ist für den Intensivmediziner das Impfen. Doch für den jetzigen starken Anstieg der Corona-Fallzahlen verspricht er sich davon keine Hilfe. Die Beschäftigten auf den Intensivstationen hätten seit der zweiten Welle nicht mehr durchatmen können, die Arbeit sei für sie sehr belastend. „Wir versuchen, das beste daraus zu machen“, sagte Geldner. (lsw/map)