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Im Norden soll der Fluss erlebbarer werden

Die Arbeiten im südlichen Enzpark sind noch nicht beendet, da beschäftigt sich der Besigheimer Gemeinderat bereits damit, wie es mit dem nördlichen Areal weitergehen könnte. Noch sind es lediglich Ideen, mit deren möglicher Umsetzung sich jetzt das Kölner Planungsbüro Club L94 befassen wird. Klar ist aber schon jetzt, dass das Gebiet zwischen Altstadtbrücke und Radsportheim den Charakter eines Landschaftsparks haben soll.

Die Ansicht dürfte sich in den kommenden Jahren ändern: Der Norden des Enzparks (rechts im Bild) rückt in den Fokus. Foto: Alfred Drossel
Die Ansicht dürfte sich in den kommenden Jahren ändern: Der Norden des Enzparks (rechts im Bild) rückt in den Fokus. Foto: Alfred Drossel

Besigheim. Wenn im Gemeinderat der Enzpark auf der Tagesordnung steht, steigt die Zahl der Zuhörer sprunghaft an. Das war auch am Dienstagabend der Fall, die Zuschauerplätze in der Stadthalle Alte Kelter waren schnell belegt. Doch die Besigheimer kamen nicht nur zum Zuhören, sondern meldeten sich auch fleißig in der Bürgerfragestunde zu Wort. Dabei ging es vor allem um den Wunsch, in den Planungsprozess für den Nordpark miteinbezogen zu werden, und um die Befürchtung, dass durch die Umgestaltung zu viel Natur zerstört wird.

Wie genau das etwa 1,8 Hektar große Gebiet später einmal aussehen wird, steht noch nicht fest. In der Sitzung ging es erst einmal darum, dass den Ideen und Planungsvorgaben, die der Gemeinderat bei einer Klausursitzung gesammelt hat, grundsätzlich zugestimmt und das Planungsbüro Club L94 darüber informiert wird. Die Kölner hatten vor fünf Jahren den Zuschlag für das Millionen-Projekt Enzpark erhalten. Auf Grundlage der Entwürfe wurde und wird der Südpark mit Mühlensteg, Wegenetz und Spielplatz nach und nach umgestaltet. Die Umsetzung ist nicht nur mit Blick auf die Kosten Schritt für Schritt angegangen worden, sondern auch angesichts der Komplexität des Projekts waren viele vertiefende Untersuchungen nötig. Und auch der Nordpark dürfte sich mit der Zeit entwickeln. „Sie sollten den Planern genügend Zeit geben, sich mit der anspruchsvollen Aufgabe auseinanderzusetzen“, sagte Stadtplaner Ulrich Frey, der die Stadt von Anfang an beim Enzpark berät. Denn zu berücksichtigen sind beispielsweise Hochwasser-, Natur- und Denkmalschutz. Auch die weitere Entwicklung der Weststadt spielt eine Rolle. Gesichert sein müsse zudem weiterhin eine Notzufahrt zur BASF. Erste Diskussionsentwürfe könnte es im Frühjahr 2021 geben.

Frey stellte die Ergebnisse der Klausurtagung vor. Deutlich sei dabei geworden, dass es im Nordpark um Naherholung geht, dass eine Fläche geschaffen werde, die den Bürgern zugute komme – und dass ein landschaftlich gestalteter Park entstehen soll „mit hoher Berücksichtigung des vorhandenen Baumbestands“. Die Baumlandschaft mit den alten Kastanien ist ein wesentliches Merkmal des Areals, das an die Weststadt grenzt. „Kann man davon ausgehen, dass keine Bäume gefällt werden, bevor die Planung steht?“, wollte eine Frau zuvor in der Bürgerfragestunde wissen. Bürgermeister Steffen Bühler meinte, aus Gründen der Planung würde jetzt nichts gefällt. Allerdings: Wenn bei einem regelmäßigen Kontrollgang festgestellt werde, dass ein Baum schadhaft sei, werde er gefällt – „das wird schon seit vielen Jahren so gemacht“. Stadtrat Friedrich Köhler (FWV) meinte später, ihn störe bei der ganzen Diskussion, dass es immer wieder so rüberkomme, als säge die Stadtverwaltung aus Langeweile Bäume ab. Es gehe ja auch um die Verkehrssicherungspflicht. Er erinnerte daran, dass in den vergangenen Jahren viele Bäume in der Stadt gepflanzt worden seien.

Weitere Ergebnisse der Klausurtagung waren unter anderem: Der Fluss soll erlebbarer werden, etwa durch flache Zonen am Ufer. Vorstellbar wäre etwa auch eine Kneipp-Anlage. An einer Stelle im Nordpark könnte auch Gastronomie angesiedelt werden – vielleicht ließe sich damit eine WC-Anlage baulich verbinden. Denn diese sehen die Stadträte als erforderlich an.

Auch eine weitere Brücke über die Enz war am Dienstagabend Thema. Der Gemeinderat beschloss mit fünf Gegenstimmen, dass das Büro Schleich, Bergermann und Partner – das auch für den Mühlensteg im Süden verantwortlich ist – die Studie für eine nördliche Flussüberquerung von der West- zur Altstadt präzisieren solle. „Ist die wirklich notwendig?“, fragte eine Besigheimerin in der Bürgerfragestunde: Rechtfertige eine schnellere Überquerung der Enz wirklich das Eingreifen in die Natur? Bühler meinte, der Gemeinderat könne erst entscheiden, ob er so eine Brücke möchte, wenn er Näheres wisse zu Kosten, Denkmalschutz und Stadtbild. Darum ergehe der Auftrag an das Büro. Und was die von vielen Bürgern angesprochene Funktion des Areals als Erholungsraum betrifft, sagte er: „Alles, was man jetzt im Nordpark macht, ist besser als das, was es bis vor Kurzem war.“ Denn bis Anfang September prägten die vielen Autos auf dem Schotterplatz das Bild. Doch der Parkplatz ist jetzt dauerhaft gesperrt (wir berichteten). Bühler: „Geben Sie dem Nordpark und der Planung eine Chance, bevor Sie sagen, das brauche man alles nicht.“

Eine andere Besucherin fragte, ob bekannt sei, dass in dem Gebiet vom Aussterben bedrohte Tierarten lebten. Bühler entgegnete, der Nordpark greife nicht in diese wesentlichen Bereiche – also Gebiete, wo etwa Eisvogel und auch Fledermäuse heimisch sind – ein. Stadträtin Dr. Anne Posthoff (BMU) sprach später ein Gutachten an, das vor Jahren zu Beginn der Enzpark-Planung in Auftrag gegeben wurde: Sie habe eine andere Ansicht zu dem, was im Gutachten aufgeführt worden sei – „die geplante Brücke zur Kelter führt sehr wohl zu Störungen in dem Biotop“. Ihr Fraktionskollege Hansjörg Kollar meinte, das Gutachten zu Flora und Fauna gehöre fortgeschrieben. Bühler sagte, das werde gemacht – wenn man wisse, wo es beim Nordpark hingehen solle. Ulrich Gerstetter (CDU) ergänzte, dass man mit den alten Gutachten ohnehin keine Genehmigung bekäme.

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